Von Hermann-J. Hoffe

Einmal im Jahr lädt das Sozialwerk St. Georg Westfalen Süd zu einem sogenannten Jahresgespräch ein. Als einer der größten Arbeitgeber in der Stadt Schmallenberg und als bedeutendes Unternehmen in der gesamten Region, will die Geschäftsführung die Öffentlichkeit in Wort und Bild über das Sozialwerk St. Georg Westfalen-Süd informieren und berichten, was den über 850 Mitarbeitern und rund 1.300 Menschen mit Assistenzbedarf, also den Menschen, die durch das Sozialwerk begleitet und unterstützt werden, heute und in Zukunft wichtig ist.

„Gemeinsam. Gewaltfrei. Gleichberechtigt!“

Der Jahresbericht des Sozialwerk St. Georg, der ausschließlich im Online-Format erscheint,  hat für dieses Jahr einen starken Titel bekommen: Gemeinsam. Gewaltfrei. Gleichberechtigt! Der Leser wird darin uf eine Reise durch das Sozialwerk St. Georg eingeladen und kann erfahren, wie Menschen daran arbeiten, A wie Achtsam zu sein und so für einen Umgang sorgen, der geprägt ist von Respekt und Achtung vor der Würde des Einzelnen. Wörtlich heißt es im Jahresbericht weiter: „Gewaltfreiheit, der Umgang auf Augenhöhe und die Achtung der Menschenwürde sind bereits in unserem Leitbild und tief in der Kultur unseres Unternehmens verankert. Das Thema Gewaltprävention wird von uns seit Jahren mit einem Bündel an Maßnahmen unterstützt. Als die Gewaltform, die am schwierigsten zu fassen und zu bekämpfen ist, zeigt sich die strukturelle Gewalt. Wenn zum Beispiel Regeln und Strukturen die Bedürfnisse der Menschen vor Ort missachten oder berechtigte Forderungen und Wünsch hartnäckig ignoriert werden, so ist dies nicht immer auf dem ersten Blick als Gewalt zu erkennen“.

Im konkreten Alltag wird in Zukunft neben diesen grundsätzlichen Ansprüchen, vor allem das sogenannte BTHG (Bundesteilhabegesetz) die Arbeit nicht nur im Sozialwerk St. Georg nachhaltig beeinflussen. Das Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen nimmt nämlich Fahrt auf und soll in mehreren Stufen bis 2023 umgesetzt werden. Wichtige Änderungen treten ab dem 1. Januar kommenden Jahres in Kraft. Dann ändern sich die Wege der staatlichen Finanzierung und auch die Feststellung der „Bedarfe“, wie das im Bürokratendeutsch heißt, für die Menschen mit Behinderung oder richtigerweise für Menschen mit Assistenzbedarf.

Der Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese (SPD) informierte sich vor diesem Hintergrund bei einem Besuch im Sozialwerk St. Georg Westfalen Süd und hörte sich die Sorgen und Wünsche der Betroffenen (Menschen mit Assistenzbedarf und die der Mitarbeiter des Sozialwerkes) genauestens an. Denn es läuft noch längst nicht alles rund, was die Umsetzung des Bundesgesetzes angeht, das auf der entsprechenden UN-Charta beruht. Der Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese wünscht sich jetzt die Rückmeldungen aus der täglichen Praxis, um die Verordnungen und Anleitungen hinter dem berechtigten Gesetz so auszulegen, dass damit auch gearbeitet werden kann. Unabhängig davon, so verstärkt sich der Eindruck für den außenstehenden Betrachter, führt das Gesetz zu noch mehr bürokratischen Kontrollmechanismen, die von immer weniger Mitarbeitern dokumentiert werden müssen. Das wird zu noch weniger, eigentlich notwendiger und wichtiger Betreuungs- und Beratungsarbeit bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen, fürchten die Verantwortlichen beim Sozialwerk. Denn ein wichtiges Ziel der Arbeit beim Sozialwerk St. Georg bleibt es, so viel Menschen wie möglich wieder für ein Leben im normalen Umfeld vorzubereiten und zu entlassen.  

Dass hier hervorragende Arbeit in den vergangenen Jahren geleistet wurde, zeigen die Zahlen im Jahresbericht. Insgesamt 4.600 Klientinnen und Klienten, davon 1.300 in Westfalen-Süd wurden zum 31.12. 2018 beim Sozialwerk St. Georg betreut. Dem stehen 2.600 Mitarbeiter, davon etwas über 850 in Westfalen-Süd gegenüber. Bei einem Umsatz von 142 Millionen Euro wurden rund 5,7 Millionen Euro in neue Gebäude und Erweiterungen und Erneuerungen investiert. Der Personalaufwand alleine betrug 112,1 Millionen Euro.

Für die Region Schmallenberg/Eslohe sind erwähnenswert die Sanierung des Hauses Schmallenberg, was umgebaut und um einen modernen Anbau erweitert wurde. Neben der energetischen und technischen Sanierung wurden die Räumlichkeiten neu aufgeteilt und für die nunmehr 24 Klientinnen und Klienten Einzelbäder eingebaut. Eingeweiht werden konnte 2018 nach rund sechsmonatiger Bauzeit der neue Bereich für Menschen mit schwerstmehrfachen Behinderungen in der Lenne-Werkstatt. Dieser gibt 24 Menschen mit hohem Assistenzbedarf die Chance, wertschöpfend tätig zu sein.