Fußball-Betreuer mit viel Herz

Lebensmittelpunk Fußball (Foto: Susanne Droste)

Werner Schaar arbeitet beim SSV Meschede gerne im Hintergrund

Von Britta Melgert

So ganz geheuer ist ihm die Interview-Situation nicht. „Ich bin doch hier beim SSV nicht der Star!“ meint Werner Schaar. Aber wo wäre ein Torjäger, wo wäre die Mannschaft ohne einen Menschen wie ihn? Kein Trainer könnte sich um alle anfallenden Aufgaben selbst kümmern. An allen Ecken und Enden würde es kriseln ohne einen Fußball-Betreuer.

Es ist Sommerpause im Fußballsport. Dennoch treffen wir uns mit Werner Schaar auf dem Platz. „Etwas zu tun gibt es hier im Dünnefeld-Stadion ja immer, auch wenn die Jungs im Urlaub sind“, lachte er.

Vom Oberliga-Spieler zum Jugendtrainer wie die Jungfrau zum Kind
Einer solcher „Jungs“ war er selbst auch einmal, zuhause in seinem
Heimatort Meppen. Oberliga hat der gelernte Bäcker damals gespielt. „Und natürlich habe ich mir dort auch die anderen Spiele angesehen“ erzählt er. „Eines Tages lief eine gegnerische Jugendmannschaft auf, die ohne Trainer und Betreuer beim Spiel hoffnungslos unterging. Da hat mich das Mitleid gepackt, und ich habe denen spontan zugesagt, mich um sie zu kümmern. Zack, hatte ich den Job. Das war damals ähnlich wie bei der Jungfrau mit dem Kind“, schmunzelt er.

Das Kümmern um die Kids lag ihm, und so hat ihn sein Heimatverein irgendwann als Jugendtrainer zurück nach Meppen geholt. Vermutlich wäre er heute immer noch dort, wenn ihn nicht die Liebe ins Sauerland gezogen hätte. „Natürlich schaute ich mich damals bei den hiesigen Vereinen nach einer ähnlichen Aufgabe um“, erinnert es sich. „Die Jugendteams in der Umgebung waren seinerzeit jedoch alle in guten Händen, aber beim SSV Meschede wurde ein Betreuer für die 1. und 2.
Mannschaft gesucht. Seitdem ist dieser Job der meine!“

„Hier bin ich der Roboter!“
Das ist nun gut 15 Jahre her. Seitdem ist er das Bindeglied zwischen allen Akteuren, kümmert sich um die Bälle, die Eckfahnen, um saubere Trikots, Hosen und Socken („Montag ist Waschtag, da laufen 8 Maschinen“) und um vieles mehr. Er verteilt Plakate und den SSV Kurier in den Läden und Kneipen der Stadt und bemüht sich um einen makellosen Rasen. „Zwei Mal pro Woche wird gemäht“, berichtet er mit strahlenden Augen. „Rasen hat keine Sommerpause.“ Und während andere Vereine zum Mähroboter übergehen, macht Schaar das noch selbst. „Hier bin ich der Roboter“, lacht er.

Natürlich darf er bei keinem Spiel fehlen, egal ob zuhause oder auswärts. An Spieltagen ist viel zu tun, da heißt es meist: „Werner hier und Werner da“, schmunzelt er. Über seine tatsächliche Arbeitszeit hat sich der Rentner nie Gedanken gemacht, aber 20-25 Stunden sind in der Woche schnell erreicht. „Ach, ich mach das ja gerne und gehe auf in meinem „kleinen“
Nebenjob“, erzählt der Mann mit dem großen Herzen. „Und wenn mal zu viel auf einmal zu erledigen ist, dann sind „meine Jungs“ auch bereit, mit anzupacken.

Werner Schaar, der vor wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag feiern durfte, hat beim SSV Meschede etliche Generationen „seiner Jungs“ kommen und gehen sehen und Höhen und Tiefen mit ihnen durchlebt. Der ständige Kontakt zur Jugend, die abwechslungsreichen Aufgaben im Verein und natürlich auch die eine oder andere sportliche Einlage auf „seinen“ beiden Fußballplätzen haben ihm sein Elan und das jugendlich-verschmitzte Lächeln erhalten, dem fleißigen Star im Hintergrund.