🖊️ 📷 Philip Stallmeister

Aller Anfang ist schwer. Das mussten auch die Fußballerinnen des SuS Günne erkennen, als sie sich in der Saison 2009/2010 in ihre erste Wettkampfsaison begaben. Im ersten Jahr gab es in 28 Spielen nur einen Punkt zu feiern. Dem gegenüber standen 27 Niederlagen. Das Torverhältnis war mit 2:355 rekordverdächtig. „Ich habe damals gesagt, dass manche ihre Stöckelschuhe direkt gegen Fußballschuhe eingetauscht haben“, erinnert sich Erhardt Schmidt, der zusammen mit Detlef Köhler von Anfang an als Betreuer beziehungsweise gute Seele das Team begleitete. Es gab sogar ein T-Shirt, das Stöckelschuhe mit Stollen zeigte.

Erster Trainer war damals Thomas Dienst. Auf einmal standen vier junge Frauen vor seiner Tür und baten ihn, das Amt als Coach zu übernehmen. Dienst meinte, es sollten schon ein paar mehr sein, dann ließe er mit sich reden. Am selben Abend war eine Truppe von Mädchen und Frauen in Mannschaftsstärke da. Somit war Dienst überrumpelt und es begann das Abenteuer. Schmidt sagt: „Im Verein hat sich schnell einiges geändert. Wir mussten beispielsweise direkt die Fenster der Umkleiden mit dichterem Sichtschutz versehen. Trotz der hohen Niederlagen war es eine schöne Zeit und die Gegner waren fair.“

Die Günner Frauen ließen sich also nicht entmutigen. Sie spielten weiter, wurden besser und sind mittlerweile eine der Stützen des Vereins, der unterhalb der Sperrmauer des Möhnesees residiert. Wenn es um Dienste bei Feiern oder Festen geht (wie der jährlichen Sportwoche um Fronleichnam herum), weiß der Vereinsvorsitzende Gregor Hellmann um die Unterstützung „seiner Damen“. Sie sind immer zahlreicher vertreten, wenn es gilt anzupacken, als die Akteure der ersten und zweiten Seniorenmannschaft oder die der Alten Herren. Drei von ihnen zeichnete er nach dem Jubiläumsturnier um den Haustechnik-Schmidt-Cup eigens aus. Claudia Cristella, Sarah Hausmann und Christina Tolle sind von Anfang dabei.
Sie fingen 2009 zum Teil erst mit Fußball an. „Ich spiele schon länger für den SuS Günne“, scherzte bei der Verleihung Maike Jürgensen. Sie war bereits als Kind zusammen mit den Jungs aktiv. Mädchen und Jungs in einer Mannschaft – das wird heute sogar vom Verband gefördert, dient es doch der Steigerung der Leistungsfähigkeit. Bestes Beispiel ist Nationalspielerin Sjoeke Nüsken, die bei Westfalia Rhynern bei den Junioren bis zur A-Jugend-Landesliga aktiv war.

Nationalspielerinnen hat der SuS Günne noch nicht hervorgebracht. Darum geht es in dem Verein aber auch nicht. Die Gemeinschaft steht bei den Frauen des Dorfvereins im Vordergrund. Die Nachwuchsmannschaft, die einst der heutige Trainer Emanuele Cristella trainiert hatte, gibt es nicht mehr. Neuzugänge werden anders rekrutiert, wie beispielsweise Valerie Schimura, die ihre Arbeit im Rettungsdienst besser mit dem Training und den Spielen in Günne vereinbaren kann, als bei ambitionierteren Teams. Dass der Spaßfaktor groß geschrieben wird, bedeutet aber nicht, dass keine sportliche Entwicklung stattfand. Die Zeit der derben, zweistelligen Packungen ist längst vorbei. Viele Siege sorgten für Freude, selbst gegen den Meister Lipperode war es knapp beim 0:1. Meistens sind die Günner Frauen sonntagmorgens bei Heimspielen vor den beiden Herrenteams des Vereins im Einsatz. Nach dem eigenen Match werden die Herren lautstark unterstützt. Auch auswärts weiß besonders die Günner Reserve um die Unterstützung der Damen des Vereins, auch wenn zuvor die Anreise eine weitere war als bei den Männern. In der Frauenkreisliga gibt es – anders als bei den Männern – keine Aufteilung in Soest und Lippstadt. Neben Günne ist in Warstein, Rüthen und Möhnesee einzig der TuS Belecke im Frauenfußball aktiv. Dass aber gleich mit zwei Mannschaften, eine davon sogar in der Bezirksliga.