🖊️ Anne von Heydebrand  📷 S. Droste

Musikinteressierte Sauerländer kommen um eine Person nicht herum: Gisbert Kemmerling. Fast jeder kennt seinen Namen und fast jeder verbindet seine eigene Geschichte mit dem Gastronomen und Konzertveranstalter aus Velmede. So ging es auch meinen Kollegen und mir, als in der Redaktionssitzung sein Name fiel. Sofort kamen die Erinnerungen hoch. „Wisst ihr noch damals, als er Sir Bob Geldof ins Sauerland geholt hat?“

Gisbert Kemmerling weiß es noch ganz genau und seine Augen strahlen, wenn er Anekdoten aus seinem bewegten Leben erzählt. Seit über 35 Jahren ist der „Greatest Promoter in Germany“ – wie er Robbie Williams einmal vorgestellt wurde – im Geschäft. Wenn er ruft, dann kommen die ganz Großen aus der nationalen und internationalen Musikbranche ins Sauerland: Die Toten Hosen, BAP, Simple Minds, Status Quo, Die Ärzte, Peter Fox und natürlich Sir Bob Geldof. Die Liste ist lang, mit vielen Künstlern pflegt er noch immer eine enge Freundschaft.

Angefangen hat alles ganz klein. Mit 18 Jahren jobbte Gisbert Kemmerling im „Zinnsoldat“ in Velmede-Bestwig. Eine der allerersten Kneipen, in der Rockmusik gespielt wurde. „Ich dachte damals, dass ich in einer Kneipe arbeiten könnte, um als schüchterner Junge besser Frauen kennenzulernen“, erzählt er nicht ganz ernst gemeint, aber seine eigentliche Leidenschaft war schon immer die Musik. Vor allem Rockmusik hat es Gisbert Kemmerling angetan. Mit seinen Freunden Dieter „Schraki“ Schreckenberg und Christoph Rickes betrieb er wenig später die Rockkneipe „Kump“ in Brilon. Nach vier erfolgreichen Jahren übernahm der Gastronom die Briloner Kneipe „Lokomotive“ und veranstaltete dort seine ersten Konzerte. „Das allererste Konzert überhaupt habe ich 1984 mit den Iserlohner Blueslegenden der ‘Pee Wee Bluesgang’ veranstaltet“, erzählt Kemmerling. „In den Laden passten 150 Leute, das Konzert war sofort ausverkauft“. Gisbert Kemmerling wollte in eine größere Location ausweichen, aber Sänger Richard Hagel hielt ihn auf. „Bei Blues müssen die Leute eng zusammenstehen und schwitzen, dann trinken sie auch mehr und wir kriegen eine Bombenstimmung“, soll Hagel gesagt haben. So war es dann auch. „Das Konzert war phänomenal. Es tropfte von der Decke, die Leute schwitzten und tranken viel Bier.“

Großer Durchbruch mit Eric Burdon

Der große Durchbruch als Konzertveranstalter gelang ihm allerdings mit einem anderen Coup. Er konnte Eric Burdon ins kleine Brilon-Alme locken. 1400 Leute kamen, um den britischen Rockmusiker zu sehen. Als er 1992 die Woodstock Legende Rory Gallagher nach Alme holte, bekam Kemmerling nach eigenen Angaben Schweißausbrüche und zitterte am ganzen Leib. „Ich dachte, jetzt hast du deine Legende hier in Alme. Und das Schönste ist, wenn du mit dem Künstler am Ende noch Essen gehen kannst. Ich saß dann tatsächlich neben ihm. Natürlich habe ich mir alles signieren lassen, was ich hatte“, erzählt Kemmerling.

Überhaupt ist der 61-Jährige Musikfan durch und durch. Er gibt zu, dass er vor allem in der Anfangszeit Bands gebucht hat, die er selbst gerne mal live sehen wollte. Noch heute bittet er die Künstler darum, in seinem Gästebuch zu unterschreiben. Als 2007 die Band SAGA nach Alme kommt, fährt er die Bandmitglieder persönlich in seinem alten 850er Volvo ins Hotel und lacht lautstark über die absurde Situation. „Da steigen Weltstars in mein altes Auto ein und sitzen wie die Hühner auf meiner Rückbank. Schade, dass damals noch keine Selfies gemacht wurden. Das wäre ein Bild gewesen!“

Unglaubliche Konzertgeschichten

Während unseres dreistündigen Interviews erzählt er unglaubliche Geschichten über Konzerte mit Bands wie „Die Toten Hosen“ oder „Die Ärzte“ in den 1990er Jahren und über die Erfolge der letzten Jahre. Mit dem Sänger Peter Fox lockte er im Jahr 2009 rund 20.000 Besucher zum Schloss Herdringen. Mit Rapper Sido trank er 2015 hinter der Bühne der Kur- und Konzerthalle in Olsberg einen Schnaps. Sogar Bono von der irischen Rockband „U2“ konnte Gisbert Kemmerling schon die Hand schütteln. Noch heute ist er beeindruckt von dessen Aura. „Wenn der den Raum betritt, bleibt dir die Luft weg.“ Doch egal, wen Gisbert schon getroffen hat, eine Band zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: „Fury in the Slaugterhouse“. Seit einem ihrer ersten Auftritte 1988 vor 32 Gästen in der „Lokomotive“ bis zum Abschlusskonzert ihrer Jubiläumtour anlässlich ihres 20-jährigen Bandbestehens in der Kur- und Konzerthalle in Olsberg – Gisbert Kemmerling war dabei und ihn verbindet eine enge Freundschaft mit der Band aus Hannover. Sie holten den Konzertveranstalter sogar auf die Bühne. Er sollte ihren größten Hit „Time to wonder“ singen und Gisbert zog es tatsächlich durch.

Der 61-Jährige ist ein Mensch, der zu seinen Entscheidungen steht. Als 1994 aufgrund des Stresses plötzlich Ohrgeräusche auftraten, schoss er seine Kneipe „Zeche Elend“ in Nuttlar noch am selben Tag für immer. Auch die Kneipe „Das Netz“ in Meschede, die er von 1997 bis 2006 geführt hat, gab er nach der Fußballweltmeisterschaft kurzerhand ab. „Das Netz war legendär, […] aber nach der WM 2006 war der Rauschzustand vorbei.“ Doch die Gastronomie reizte ihn einfach. Als er 2009 im Urlaub das Angebot erhielt, das „Kump“ erneut zu übernehmen, sagte er kurzerhand zu und leitete die Kneipe für weitere acht Jahre.

Heute betreibt Gisbert Kemmerling erfolgreich seine Konzertagentur. Außerdem kann man ihn seit einiger Zeit als DJ buchen. Obwohl sein Leben nie gradlinig verlaufen ist, bereut er nichts! „Rock ist einfach geil. Großes Kino eben.“