Mein Lieblingsplatz – Die Schmallenberger und Esloher Cafés

Von Bernhard Pilgram

In unserem Wohnzimmer hängt ein 120 mal 80 Zentimeter großes Bild der Kölner Fotografin Elke Moorkamp. Es zeigt das Caféhaus Römerpark, mein früheres Kölner Stammcafé. Die meisten Besucher, in erster Linie Gäste aus dem Viertel, nennen
es „Café am Eierplätzchen“. Wer sich eine Caféhaus-Fotografie dieser Größe ins Wohnzimmer hängt und von „Stammcafé“ spricht, muss eine besondere Beziehung zu Cafés haben, denken Sie? Das ist richtig. Es zog mich nie in Kneipen. Ich bin seit meiner Jugend ein Caféhaus-Gänger. Cafés sind für mich Rückzugsorte. Inseln im städtischen Getümmel. Hierhin gehe ich mit der Familie oder Freunden, hier treffe und unterhalte ich
mich. Und ich werde unterhalten, vom Treiben um mich herum. Habe ich einen Platz mit guter Aussicht, dann beobachte ich Situationen und Menschen. Manchmal versinke ich in einer Tageszeitung oder einem Magazin. Ich mag Süßes, Kuchen aller Art und probiere gerne kleine Speisen und Getränke. Das alles funktioniert in jedem Café der Welt.

Als mein Arbeitsplatz noch im Stadtzentrum von Schmallenberg lag, ging ich beinahe täglich in der Mittagspause ins Eiscafé San Remo. Inhaber Manuel Pereira und sein Bruder
Rui sind mir seitdem ans Herz gewachsen. Hinter der Eis- Theke lenkt Manuels Frau das Geschehen mit ruhiger Hand. Nahezu unschlagbar ist der Espresso Macchiato im Eiscafé
San Remo, stilecht mit einem Glas Wasser serviert.

Gleich nebenan auf dem Schmallenberger Schützenplatz ist das Bacio, Café & Bar. Mit meinen Söhnen bin ich traditionell vor Weihnachten im Bacio zum Waffelnessen. Sehr
lecker. Nicht vergessen werde ich, dass mir der Inhaber und prämierte Barista-Meister Raffaele Iuliucci einen ausgezeichneten Mochaccino zubereitete, obwohl dieser (leider) nicht auf der Getränkekarte stand. Ein Service, den ich zu schätzen weiß. Sie kennen Mochaccino nicht? Im ersten Schritt wird ein Espresso gebrüht. Den gibt man in eine große Tasse. Im zweiten Schritt kommt Kakao hinzu. Schließlich wird mit heißer Milch aufgegossen. – Was ich lange Zeit nicht wusste: Im Sauerland heißt der Mochaccino „Schock-Mock“.

Mit dem Café König in der Schmallenberger Weststraße fühle ich mich, trotz meines Umzuges vor über zehn Jahren, immer noch nachbarschaftlich verbunden. Birgit und Matthias König haben sich mit ihren Produkten einen exzellenten Ruf, weit über die Stadtgrenzen hinaus, erworben. Besonders am Wochenende sieht man Gäste mit
Autokennzeichen aus ganz NRW vor dem Café König parken und dort einkehren. Das Tortenangebot ist riesengroß und lässt keine Wünsche offen. Die Lage im historischen
Stadtkern, mit der Möglichkeit, draußen zu sitzen, ist bestens geeignet zum Sehen und Gesehen-Werden.

Anfang der 2000er Jahre spazierte ich hin und wieder mit unserem ältesten Sohn im Kinderwagen durch Schmallenberg. Gelegentlich sind wir im Café Blanke auf der Oststraße
eingekehrt. Heute habe ich meinen inzwischen fast volljährigen Sohn gefragt, was er am Café Blanke schätzt und er antwortete: „Das schöne Porzellan, die tolle Aussicht und die
leckeren Kuchen.“ Diese Aussage entspricht auch meinen Eindrücken. Hinzu kommt das gelungene Ambiente. Es ist den Betreibern vor einigen Jahren gelungen, das Café zu
renovieren und dabei den besonderen Charme der Räume zu erhalten. Meinen Glückwunsch hierzu – und zu Café Blankes Eierlikörtorte.

Ebenfalls architektonisch gelungen und mit viel Liebe zum Detail restauriert ist das denkmalgeschützte Café Knusperhaus in Oberkirchen. Konditormeisterin Ulrike
Bette bietet ihren Gäste neben leckeren Kuchen, Torten und Gebäck eine große Auswahl an geschmackvollen Präsenten. Unsere Kinder schätzen am Café Knusperhaus besonders die
„weiße, wärmende“ (Zitat) Schokolade und die Praline, die es für sie stets zum Abschluss unseres Besuches im Café Knusperhaus gibt.

Das Café Kaptain an der Esloher Hauptstraße habe ich erst kürzlich entdeckt. Nachdem man an den verführerischen Kuchen- und Pralinenauslagen vorbei die Stufen hinauf ins
Café schreitet, fühlt man sich auf den umlaufenden, gepolsterten Bänken und bequemen Stühlen angenehm platziert und gut aufgehoben. Nicht in jedem Café erhält man neben
Torten & Co. auch eine ansprechende Auswahl an frischem Brot und knusprigen Brötchen. Ein Grund mehr, zu einem Frühstück ins Café Kaptain wiederzukommen. Aber auch aus einem anderen Grund komme ich gerne wieder: Beim Hinausgehen habe ich in der Auslage diese leckere Torte wahrgenommen, die ich seit meiner Kindheit so liebe. Wie heißt sie noch? Ja, richtig: Holländer-Kirsch!

Zurück zum Mochaccino oder „Schock-Mock“. Der steht auf der Karte des Café Backes in Westfeld und ist sehr zu empfehlen. Selbstverständlich bietet Nikola Schneider in ihrem zauberhaften Kleinod eine ganze Menge mehr an Süßem und Herzhaftem. Nahezu Kultstatus hat ihr langes Sonntagsfrühstück von 10:00 bis 12:30 Uhr. (unbedingt vorher reservieren). Es ist mehr ein Brunch als ein Frühstück und hat alles, was Leib und Seele begehren. Wenn meine Familie sich zu einem besonderen Anlass in einem gemütlichen
Rahmen verwöhnen lassen möchte, heißt es unisono: „Lasst uns im Café Backes frühstücken.“

Mein Lieblingsplatz ist im Café. In dem Café, in dem ich gerade bin und mich wohlfühle. Ich schließe nicht aus, irgendwann einmal einen Streifzug durch die berühmten Wiener Kaffeehäuser zu unternehmen, um neue Lieblingsplätze zu entdecken.