🖊️ 📷 Nicola Collas

Derby-Zeit in der Fußball-Bezirksliga: Freienohl spielt gegen Sundern. Es ist ein flottes, für die Zuschauer interessantes Spiel, das Schiedsrichterin Johanna Kotthoff im Griff hat. Sie verteilt ein paar gelbe Karten, am Ende pfeift sie noch einen Strafstoß. Das alles auch noch vor den Augen eines Schiedsrichter-Beobachters. „Das lief richtig gut. Auch das Wetter war schön. Manchmal müssen einfach die Bedingungen stimmen“, erinnert sich die 22-Jährige an einen besonderen Tag in ihrer bisherigen Schiedsrichterinnen-Karriere. „Hinterher kamen ganz viele zu mir und haben gesagt: Mensch Mädel, das war klasse!“

Dass Johanna Kotthoff eine von zwei Schiedsrichterinnen im Fußballkreis Hochsauerlandkreis ist, ist dem Schiedsrichter des SuS Reiste, Christian Schäffer, zu verdanken. Der Lehrer des Städtischen Gymnasiums in Meschede bot eine Schiedsrichter-AG an, als Johanna Kotthoff noch zur Schule ging. „Herr Schäffer ist ein cooler Lehrer und da hab ich damals zu meiner Freundin gesagt: Komm, wir gehen da mal hin. Aus „Wir machen mal“ wurden für Johanna Kotthoff im Laufe der Jahre regelmäßige Einsätze auf den Plätzen im Sauerland. Denn nach einem Armbruch, den sie sich beim Fußball zugezogen hatte, beschloss sie, mit dem Spielen aufzuhören und sich aufs Pfeifen zu konzentrieren. Johanna Kotthoff pfeift mittlerweile bis zur Bezirksliga der Männer, in der zweiten Frauen-Bundesliga steht sie an der Linie. „Als ich vor anderthalb Jahren den Anruf bekam, dass ich in der zweiten Frauen-Bundesliga als Linienrichterin eingesetzt werden soll, habe ich mich sehr gefreut. Das war eine tolle Bestätigung für mich“, erzählt sie. Mittlerweile hat sie schon 18 Einsätze an der Linie hinter sich, ein Highlight war das Aufstiegsspiel zur 1. Liga zwischen Leverkusen und Frankfurt. Auch als vom DFB Linienrichterinnen ausgesiebt wurden, weil zwei Ligen zu einer zusammengelegt wurden, blieb die junge Frau aus Meschede-Erflinghausen dabei, weil sie ihre Leistung gebracht hatte. Ihr nächstes Ziel ist es, in die Männer-Landesliga aufzusteigen.

Um bei den Frauen in der zweiten oder ersten Bundesliga pfeifen zu dürfen, muss sie sich erst in der B-Juniorinnen-Bundesliga beweisen. Das Ziel peilt Johanna Kotthoff auf jeden Fall auch an. „Solange ich das zeitlich hinkriege, will ich immer höher kommen. Ich weiß nur jetzt noch nicht, wie das mal weitergeht, wenn ich nach dem Studium im Job bin. Da muss ich ja sicher auch öfter sonntags arbeiten“, erzählt die Medizinstudentin.
Johanna Kotthoff hat ihrem Schiedsrichter-Job viel zu verdanken, da „ich charakterlich enorm gewachsen bin.“ Sie erinnert sich an früher: „Ich war eher schüchterner. Aber als Schiri wirst du selbstbewusster. Du lernst, deine Meinung durchzusetzen und dir ein Standing zu erarbeiten. Das hat Spaß gemacht. Auch dass mich die Mannschaften irgendwann akzeptiert haben. Das ist toll!“

Am Anfang fanden es laut Kotthoff viele komisch, wenn sie als Frau ein Spiel bei den Männern pfiff, mittlerweile interessiere das keinen mehr. In dieser Hinsicht hat sicher Bibiana Steinhaus jede Menge Vorarbeit geleistet. Sie ist die erste Frau, die ein Bundesliga-Spiel der Männer pfiff und sie ist das Vorbild von Johanna Kotthoff. „Was Bibi erreicht hat und wie sie sich etabliert hat, das ist cool“, schwärmt die 22-Jährige von der Welt-Schiedsrichterin von 2018.

Vielleicht sind durch die Leistungen von Bibi Steinhaus die Vorurteile gegenüber einer Frau an der Pfeife weniger geworden. Denn die Schiedsrichterin des FC Remblinghausen hat nicht unbedingt das Gefühl, dass sie mehr angemeckert wird als männliche Kollegen. Sie bekam zwar schon mal so einen Spruch wie ‘Geh doch wieder in die Küche’ reingedrückt. Aber die Atmosphäre sei meist positiv, so Kotthoff. Eine Begegnung in diesem Zusammenhang hat sie aber noch in Erinnerung: „Da kamen mehrere Leute auf mich zu und meinten: Frau Kotthoff, wir wollen Sie als Schiri nicht mehr. Ausgehen, ja, aber pfeifen, nein. Da musste ich erst mal schlucken und dachte mir: Okay, wieso jetzt?“ Um schnell mit einem Lachen hinterher zu schieben: „Bei mir wäre das umgekehrt gewesen: Ich würde sie nochmal pfeifen, aber ausgehen: Nein!“