🖊️ Anke Kemper  📷 Jürgen Eckert

Wer kennt es nicht, dieses Format des Reality TV, das täglich über die Mattscheibe flimmert. Da wird kontrolliert, ermittelt und gefahndet, verklagt und Recht gesprochen. Die Liste der Scripted Reality-Sendungen, die in Deutschland produziert und ausgestrahlt werden, ist lang. Einiges davon stammt aus der Feder der gebürtigen Wehrstapelerin Anne von Heydebrand, die heute mit ihrer Familie in Remblinghausen lebt und arbeitet. Aber was davon ist tatsächlich Realität und was ist Drehbuch?

„Hier handelt es sich nicht um ein Dialogdrehbuch, sondern um ein Treatment“, erklärt uns die 30-Jährige und lässt uns einen Blick auf ihr aktuelles Skript werfen. In diesem so genannten Treatment werden die Darsteller (meist Laienschauspieler) gebrieft über den Ablauf, wie die Figur, die sie spielen sollen, aufgebaut ist und wie sie die Geschichte zu lenken haben. Die Polizisten, Rettungskräfte, Feuerwehrmänner, Ärzte etc. wiederum wissen von diesem Skript und den Abläufen nichts. Sie müssen so reagieren, wie sie auch im „wahren“ Berufsleben reagieren würden. Sie bekommen lediglich Informationen, wie die Situation ist. Vor der Kamera werden sie zur Einschätzung der Lage interviewt. „Die Kamera hält drauf und endet, wenn alles gesagt und getan ist – es gibt keinen Schnitt“, fährt sie fort. „Als ich noch in Köln gelebt habe, war ich hin und wieder bei dem Dreh dabei und habe mit den Darstellern die Rollen durchgesprochen.“ Seit 2013 arbeitet sie ausschließlich von ihrem Büro zuhause aus.

Aber wie kommt man als Sauerländerin zu einem solchen Beruf?

„Ich habe Geschichte und Germanistik in Düsseldorf studiert. Anfang 2011 habe ich meinen Abschluss gemacht, habe aber schon während des Studiums bemerkt, dass ich in Richtung Fernsehproduktion gehen möchte. Während eines dreimonatigen Praktikums in einer Fernsehredaktion wusste ich: „Das möchte ich weiter machen!“ Bei einem Bewerbungstermin in einer Produktionsfirma wurde sie direkt ins kalte Wasser geschmissen: „Schreiben Sie mal ein Drehbuch“, war die Aufforderung und seitdem sind Polizisten, Sanitäter und andere „Spezialisten“ ihre täglichen Begleiter.

Ihre Ideen kommen nicht nur bei Spaziergängen mit der englischen Bulldogge Wilma, die ihr stets an ihrer Seite ist und brav unterm Schreibtisch oder auf dem Sofa liegt, während Anne von Heydebrand schreibt. Die Geschichten sollen auf wahren Begebenheiten beruhen. Also werden täglich die Schlagzeilen der Zeitungen und die Polizeimeldungen im Internet gelesen. „Manchmal werde ich auch hier im Ort z. B. beim Schützenfest angesprochen und auf Ideen gebracht: „Mach doch mal dies oder schreib mal über das.“ Wenn sie sich für ein Thema entschieden hat, wird genau und fachlich recherchiert. Die Fälle müssen authentisch sein. Bei Fragen stehen Experten im Team bereit, um z. B. bei medizinischen Themen zu beraten.

Mal einen Roman zu schreiben, steht oben auf ihrer Wunschliste.

„Aber wenn man den ganzen Tag beruflich schreibt, hat man abends nur wenig Lust, an seinem Wunschprojekt zu arbeiten.“

Aktuell schreibt Anne von Heydebrand hauptsächlich für: „Auf Streife – Die Spezialisten“. Zwei Jahre zuvor: „Auf Streife“ – beides Formate für Sat 1. Davor für das Rechts-Format „Verklag mich doch“ und das Psycho-Format „Hilf mir doch“ – Vox.