🖊️ Willi Hecker  📷 Walter Eilhard

Dornai heißt eine Laubwaldhöhe im nordöstlichen Teil des Sichtigvorer Waldes, nahe der Grenze zu Welschenbeck, Belecker Waldungen.

Eigentlich ist der Dornai die ebene Gipfelfläche des vom Wannetal aufsteigenden „Ochsenrückens“. Die Karten vermerken denn auch nur den Namen dieses Berges mit „Ochsenrücken – 355 m“ für den Dornaibereich.

Dieser ist aber immer als eigenständiger Waldbezirk mit rätselhaften Besonderheiten wahr-genommen worden. Und wie erst die jüngere Zeit offenbarte, wurzeln seine Buchen gar nicht in den Ochsenrücken-Grauwacken, sondern in einem andersartigen, dem Arnsberger Wald sonst fremden Kalkboden. Schon früher war einigen Pflanzenkennern aufgefallen, dass hier Blütenpflanzen gediehen, die allgemein auf den sauren Böden des Arnsberger Waldes nicht zu finden sind. Geologen fanden dann eine verblüffende Verwandschaft des Dornaibodens – in seiner chemischen Zusammensetzung und Fossilien – mit der unteren kreidezeitlichen Kalkschicht (Cenoman) der gegenüberliegenden Haar.

Meeresfossilien auf dem Ochsenrücken?

Einen solchen Kreidemeerrest gibt es im weiten Arnsberger Wald nur an dieser Stelle auf dem Ochsenrücken. Diese Entdeckung stützte dann die von einigen bereits vorher aufgestellte These, dass vor 90 Millionen Jahren der Kreidemeerstrand nicht an der Haar lag, sondern dieses Meer weit darüber hinaus den ganzen späteren Arnsberger Wald überflutet hatte.

Warum dessen kalkhaltigen Ablagerungen überall vom Arnsberger Wald – bis auf den Dornai – abgetragen sind, lässt sich mit dem Emporwachsen des Gebirges „Arnsberger Wald“ vor etwa 1 Millionen Jahren und der darauf einsetzenden stärkeren Verwitterung und Erosion erklären. Auch mögen in dieser Randzone des Meeres die Ablagerungen weniger mächtig gewesen sein als auf der Haar.

Eine Totenfeier auf dem Dornai

Nimmt der Dornai schon von Natur eine Sonderstellung ein, so hat ihn darüber hinaus auch der Mensch noch durch eine Kultstätte erhöht. Vor mehreren tausend Jahren brachten Menschen ihre Toten zum Dornai hinauf, um sie dort am Rande in einem kreisrunden Hügelgrab beizusetzen. Heute ist davon nur noch eine flache, in der Mitte kaum ein Meter hohe Erhebung zu sehen. Niemand wird sagen können, was Menschen aus der Ferne einst trieb, auf dieser kleinen Hochfläche eines unbesiedelten Waldgebirges ihre Toten zu bestatten. War es die größere Nähezum Himmel, die bekanntermaßen früher zu Totenkultstätten auf Bergen führte? Vielleicht ist auch die Nähe zur uralten, nur 500 m entfernten Wallburg auf dem Loermund kein Zufall.

Den Dornai machte nicht nur die Totenstätte, sondern auch die an seinem Nordrand tief eingeschnittene „Breite Siepen“-Schlucht mit ihren Gespenstergeschichten zu einer von Geheimnissen umrankten Waldgegend.

Wandervorschlag

Wer den Dornai nun einmal sehen und erleben möchte, dem sei eine Wanderung über den Warsteiner Weg, vom Fuße des Loermunds aus, empfohlen.

Startpunkt ist der Parkplatz am „Alten Bahnhof“ in Sichtigvor, den man mit dem Auto über die Römerstraße und mit dem Fahrrad über den „MöhnetalRadweg“ erreicht. Man geht vom Start ca. 200 m auf dem Radweg, entlang der beiden Eisenbahn-Waggons, in Richtung Belecke und biegt dann rechts ab auf die asphaltierte Straße, die zum Erlenbrauk führt. Nach ca. 50 m bergauf biegt der Weg ab, der zur Kapelle auf dem Loermund führt.

Diesen Weg lassen wir dieses Mal rechts liegen und gehen geradeaus weiter auf dem Warsteiner Weg, der mit dem Wanderzeichen < gekennzeichnet ist, direkt in den Wald hinein. Entlang der auf der Höhe thronenden Wallburg trifft der Weg nach erstem Anstieg auf deren mächtigen Verteidigungswälle am östlichen Ende. Von dort führt er mit unterschiedlichen Waldeindrücken zur Nordwestecke des Dornais, an der das Hügelgrab zu finden ist.

Hier kann man nun ausgiebig den Kalk-Buchenwald und die üppige Vegetation wie z.B. Bingelkraut, Goldnessel usw. bestaunen. Den Warsteiner Weg verlassen wir an der Süd-Ost-Ecke des Dornais und wandern über Waldwanderwege zurück. Hierbei kreuzen wir das Breite Siepen, über das so viele alte Gespenstergeschichten existieren. Am Ende des Waldwanderweges kommen wir wieder auf den MöhnetalRadweg, den wir in westlicher Richtung zum Ausgangspunkt zurückwandern.

Hier können wir, kurz vor der „Mülheimer Schlacht“, die vor wenigen Jahren aus Mitteln des LIFE-Projektes umgebaut wurde, entscheiden, über das weniger frequentierte Erlenbrauk zum Startpunkt zurückzuwandern. Am „Alten Bahnhof“ in Sichtigvor ist eine Gastwirtschaft gleichen Namens angeschlossen, in der man in uriger Umgebung von Mai bis September unter hohen schattenspendenden Kastanienbäumen die Wanderung bei einem kühlen Getränk ausklingen lassen kann.