🖊️ Hermann-J. Hoffe  📷 Philip Stallmeister

Gero Troike (73) ist einer der vielen Künstler, die rund um den Möhnesee eine schöpferische Heimat gefunden haben. Der gefragte Maler, Bühnenbildner, Autor und Regisseur, der bereits in Berlin, Hamburg und Den Haag ausgestellt hat und der in der internationalen Theaterszene geschätzt wird, siedelte 1984 zusammen mit seiner Familie von Ostberlin in den Westen. Er arbeitete zunächst am Schauspielhaus in Bochum und zog dann nach Völlinghausen an den Möhnesee, wo sich der Naturliebhaber zusammen mit seiner Frau Angela Ende der neunziger Jahre ein Atelier mitten im Wald, im alten Forsthaus Rissmecke, einrichtete.

Jüngst zeigte Troike in Eslohe eine Ausstellung von Interieur-Motiven, wie sie in der Form erstmals zu sehen war: große und kleine Bilder von Innenräumen und Innenansichten mit sehr unterschiedlichen Lichtverhältnissen. „Ich arbeite immer nach Modellen, die ich mir entweder baue und konstruiere oder die ich im Raum und in der Natur vorfinde.“ Um die äußeren Wirkungen und Einflüsse auf die Stimmung, wie Licht, Wind, Geräusche und sich selbst, richtig zu erfassen, muss an dem Bild immer zur gleichen Zeit gemalt werden. „Man muss sich auf den Moment einlassen, die unscheinbaren Dinge erkennen und alles wahrnehmen und entdecken – sehen und spüren, wie die Welt aussieht“, erklärt der Künstler mit innerer Ruhe und sanfter Überzeugtheit.

Gero Troike hat ein bewegtes Leben hinter sich. Als Wehrdienstverweigerer in der damaligen DDR schützte ihn zwar der Kodex, der besagte, dass junge Künstler wegen ihres Verhaltens nicht abgestraft werden, und der geschützte Raum des Theaters vor Zugriffen und Beeinträchtigungen durch staatliche Behörden, doch insgesamt dreizehn auf ihn angesetzte IMS (Inoffizielle Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes), wie er später aus seinen Stasiakten erfuhr, zeugen auch davon, unter welcher ständigen Beobachtung sein künstlerisches Schaffen und auch sein privates Leben standen. Diese Umstände beschäftigen den Künstler auch noch heute. Wirkliche Freiheit in Gedanken, Worten und Werken ist für Gero Troike das höchste Gut. Diese Freiheit erlebt er mit seiner Frau im Forsthaus Rissmecke. Ohne fließend Wasser und Handy. Dafür hat er das, was heute großer Luxus ist und was kaum jemand hat: Zeit. So findet er die nötige Konzentration für seine Arbeit.