Und dann plötzlich: Sauerland

Jennifer Drees und ihr Kaltbluthengst Harald.

Jennifer Drees übernimmt die Außenstelle des NRW-Landgestüts in Attendorn-Niederhelden

Von Christiane und Ulrike Gast

Eigentlich wollte Jennifer Drees, eine 29-jährige gelernte Automobilkauffrau (nach ihrer Ausbildung hat sie nur ein Jahr in diesem Beruf gearbeitet), nie die Pferde zum Beruf werden lassen. Doch es kam, wie es kommen musste, wenn die Pferde nicht nur das Herz erobern, sondern auch die Seele berühren. Es gibt also gleich mehrere Gründe, Ihnen in diesem Magazin die zur Zeit einzige Außenstellenleiterin des NRW-Landgestüts und den
Landbeschäler vor Ort einmal genauer vorzustellen.
Nicht zuletzt um Abwechslung ins Interviewgeschehen zu bringen, sondern auch um komprimiert einen optimalen Mix an Informationen und Emotionen zu transportieren,
haben wir uns für die Methode der Halbsatzverlängerung entschieden. Hier nun die aussagekräftigen, spontanen Satzergänzungen der münsterländer Amazone und Neu-
Sauerländerin:

Ich arbeite beim NRW Landgestüt in Warendorf seit Mai 2017.

Die Welt der Pferde eröffnete mir aber schon meine Mama in der Kindergartenzeit. Zu Weihnachten gab es eine Islandstute, aus der wir ein Fohlen gezogen haben, das auch mein erstes eigenes Pferd wurde.

Mein offizieller Titel beim Landgestüt lautet Pferdewirt Haltung und Service.

Die unabdingbare Voraussetzung für diesen nicht ganz alltäglichen Beruf mit wechselndem Dienstort sind Respekt davor, dass die Pferde den Beruf – besser gesagt den kompletten Alltag – bestimmen, und dafür benötigt es außerdem ein großes Maß an Flexibilität, da kein (Arbeits-)Tag wie der andere ist. Gerade während der Decksaison auf den Außenstellen – denn da richtet sich der Tag nach den Züchtern oder noch besser gesagt nach der Rosse der Stuten. Im Winter sieht der Tagesablauf schon geregelter aus, denn zu Hause, im Landgestüt Warendorf NRW, sind die Arbeiten der Mitarbeiter genau geregelt und auch planbarer.

Wenn ich persönlich weitere KollegInnen anwerben sollte, finde ich ganz besonders erwähnenswert, dass ich mich jeden Morgen – immer wieder neu – auf
die Arbeit für die und mit den Pferden freue, denn das Feedback, das ich von ihnen bekomme, ist immer zu hundert Prozent ehrlich, und wenn das gegenseitige Vertrauen
jeden Tag aufs Neue bestätigt wird, ist das einfach nur EINZIGARTIG!

Als ich gehört habe, jetzt geht’s in Sauerland, habe ich mir ein Loch in den Bauch gefreut und meine Mama angerufen und ihr gesagt: Mama, ich darf ins Sauerland!

Inzwischen denke ich: Alles richtig gemacht! Denn Harald und Saelingur sind für mich ALLES.

Was ich mir für die Pferdewelt wünsche, ist, dass JEDER das Kulturgut Pferd dauerhaft so respektiert, pflegt und behandelt, als sei es eines der wertvollsten Dinge, die das Leben für uns zu bieten hat, denn für mich ist das so!

Viele weitere Details, Events und News unter: landgestuet.nrw.de

 

Faktencheck:
Das Landgestüt Warendorf, gegründet 1826, ist eines von sieben deutschen Landgestüten mit Hengsthaltung/Kulturkeimzellen, mit zur Zeit 51 Warmbluthengsten, drei Leihhengsten und 25 Kaltbluthengsten (sowie 41 Schulpferden der Deutschen Reitschule) – im Frühjahr und Sommer verteilt auf 18 Einsatzorte in Nordrhein-Westfalen und betreut von rund zwei Dutzend Gestüten und entsprechend vielen Auszubildenden, die das Kulturgut Pferd ganzjährig umsorgen, obwohl sie eher im Herbst wahrgenommen werden, wenn es zum Beispiel im Rahmen der jährlichen Hengstparaden (2019 am 14. sowie am 21. und 22. Sept.) gilt, die „vierbeinigen Staatsmänner“ mit Energie und Herz bestmöglich in Szene zu setzen.

Jennifer Drees, Alter: 29,
Geburtsort: Legden, dann ist sie mit ihrer Familie nach Lüdinghausen umgezogen und während der Schulzeit verschlug es sie in allen Ferien nach Ladbergen, um dort auf dem Quillerhof bei Melissa Heinze zu reiten – die Reitstunden erarbeitete sie sich durch Mithilfe auf dem Gestüt. Schließlich waren die Pferde irgendwie immer ihre Leidenschaft auf vier Hufen. Nach der ersten Ausbildung mit den ganz vielen PS und einem weiteren Arbeitsjahr war dann aber doch klar: Dauerhaft geht auch beruflich nichts über ein PS. Dazu musste sie das Münsterland zunächst verlassen – ihre Ausbildung begann sie schnellstmöglich in einem Pferdebetrieb hinter Bremen – doch das Münsterland ließ sie zu der Zeit nicht los und so bewarb sie sich in der Herzkammer der westfälischen Pferdezucht, dem Landgestüt. Sie wurde angenommen, wechselte im Mai 2017 von der Weser an die Ems, vollendete dort ihre Ausbildung, um nach bestandener Abschlussprüfung direkt übernommen zu werden und um jetzt an der Repe Dienst zu tun.

Harald *2008,
Rheinisch-Deutsches Kaltblut,
Fuchs, 165cm
Landbeschäler von Hoppeditz aus einer Stute von Marc 2010 zeigte er sich bei der NRW-Kaltblutkörung als selbstbewusst und überaus aktiv im Antritt – womit er jedoch schon damals (und aktuell immer noch) ausschlaggebend punktete, war sein starker und ausgeglichener Charakter, was ihm im Noten-Teilbereich „Umgänglichkeit“ eine beeindruckende 9,0 einbrachte. Was die Autorinnen aus eigener Anschauung beim Fototermin nur bestätigen können. Gerade noch im Deckeinsatz fährt er unmittelbar nach dem staatstragenden Akt und einem seiner begehrten Natursprünge runter und konzentriert sich voll auf die Kamera und seine Chefin – Stuten und Wallache am Wegesrand im wahrsten Wortsinn links liegen lassend. Und auch Jennifer Drees bestätigt: „Es gibt vermutlich nichts Genialeres, als das Sauerland im Sattel von Harald entspannt Ritt für Ritt neu zu entdecken, zu ‚überfliegen‘ und ganz einfach nur zu genießen!“