🖊️ Britta Melgert  📷 S. Droste

Wir treffen uns an einem Spätsommerabend mit Stefan Hengsbach aus Meschede. Er ist passionierter Angler seit dem Vorschulalter, als er zum ersten Mal mit seinem Onkel einen Fisch fangen durfte. „Es ging mir dabei nicht um Nahrungsbeschaffung. erzählt er. Nein, der Fisch an sich hat mich fasziniert. Darum landete der auch nicht in Mutters Pfanne, sondern in meinem Kinder-Planschbecken im Garten“.

Aus dem kleinen Jungen ist längst ein erwachsener Mann geworden, doch seine Liebe zu Fischen und zur Natur hat sich nicht geändert. Aus dem Faible wurde seine Berufung. Heute ist er sowohl Mitglied im örtlichen Angelverein als auch ehrenamtlicher Fischereiaufseher der Jagd- und Fischereibehörde. Er angelt sowohl am Hennesee als auch an der Ruhr.

Stefan will uns einen Einblick ins Fliegenfischen geben. In der Nähe der Ruhrbrücke bei Laer erwartet er uns, bekleidet mit einer wasserdichten, hohen Hose mit integrierten Stiefeln. Eine ähnliche Hose hat er für unseren Fotografen mitgebracht. Beide bewegen sich vorsichtig ins Wasser hinein; Stefan bewaffnet mit seiner ultraleichten Angel, unser Fotograf mit seiner teuren Kamera. Jeder Schritt will überlegt sein, um ein Ausrutschen auf dem flutschigen Untergrund zu verhindern.

Gekonnt schwingt Stefan seine Angel und lässt die Schnur wie ein Lasso durch die Luft fliegen. Kurz der Kontakt zum Ruhrwasser, dann wiederholt sich die Aktion mehrfach. Mit jedem Mal verlängert sich die Schnur, an der eine in mühevoller Handarbeit gefertigte Kunstfliege befestigt ist, die die Fische zum Anbeißen motivieren soll.

„Hier auf Höhe von Meschede und Bestwig sind das hauptsächlich Bachforellen, manchmal auch Äschen, doch da stehen wir in Konkurrenz zu den Kormoranen, welche Äschen als besondere Delikatesse ansehen. Ab und zu schwimmen auch mal eine Elritze, ein Aal oder eine Koppehier in der Ruhr. Eine Beimischung von Koppen zeugt übrigens von ausgesprochen guter Wasserqualität.“

Wir fragen Stefan nach seinem bisher größten Fang, und er erzählt mit leuchtenden Augen von einer 72-cm-Forelle und einer kapitalen Esche mit stolzen 50 cm. „Aber da wird unter uns Anglern tatsächlich gern schon mal „kaufmännisch aufgerundet“, gibt er lachend zu.

Ein liebevoller Flirt zwischen Mensch und Tier

Auch heute noch wird Stefan nicht nur vom Hunger motiviert, wenn er zum Angeln geht. Sein Herz freut sich allein schon, wenn er im klaren Wasser einen Fisch entdeckt oder dieser sogar übermütig einen Sprung über die Oberfläche wagt. Es ist wie ein liebevoller Flirt zwischen Mensch und Tier. Und plötzlich gibt sich das Tier dem Menschen hin und schnappt sich das vermeintliche Leckerli an der Angel. Die Forelle hängt am Haken.

Viel wichtiger als der Fang ist es mir aber, für eine saubere Umwelt zu sorgen, erzählt uns Stefan Hengsbach. Oberstes Gebot für Angler sei es ohnehin, noch vor dem Auswerfen der Angel die Umgebung von Abfall und Unrat zu befreien. Wir übernehmen da automatisch Verantwortung für die Natur. Und jeder Angler hat wohl auch schon mal einen alten Schuh aus dem Wasser gefischt, schmunzelt er.

Wir brauchen mehr Köderboxen statt Xboxen

40 Mitglieder zählt der Mescheder Angelverein. Daneben gibt es auch etliche Angelfreunde mit Tageslizenzen. Schade sei jedoch, dass der Angelsport heutzutage keine Kinder und Jugendliche mehr erreichte. Den Grund dafür vermutet Hengsbach in dem Trend, sich in diesem Alter lieber mit Computer oder Smartphone zu beschäftigen, als Zeit in der Natur zu verbringen. Der Spruch „Wir brauchen mehr Köderboxen statt Xboxen“ könnte aus seinem Mund stammen.

Er selbst erfreut sich derweil über jeden Eisvogel, der blitzschnell über die Ruhr fliegt oder über den Fischadler am Hennesee. „Wenn ich einen Roten Milan entdecke oder das Uhu-Pärchen vom Köpperkopp, dann stimmt mich das glücklich.“ Uns ist inzwischen klar, dass wir uns weit entfernt haben vom Inhalt der typischen Anglersprüche.

„Es ist uns wichtig, in den hiesigen Gewässern die Urgene zu erhalten“, klärt uns Stefan auf. Dafür werden im späten Herbst stets einigen laichreifen Fischen die Rogen abgestriffen, die dann mit Milchner vermischt und später wieder ins Element (Wasser) gegeben werden. Diese Verfahrensweise erweise sich insbesondere nach Sommern wie dem in Jahre 2018 als existenziell. Aufgrund der anhaltenden Hitze waren etliche Bäche ausgetrocknet und dadurch sehr viele Fische eingegangen.

„Dank unserer Arbeit können aber zum Glück die heimischen Sorten wieder angesiedelt werden“, erklärt er stolz.

Ruhrwasser kann ziemlich kalt sein

Uns interessiert natürlich auch, welche lustigen Geschichten der Angler schon erlebt hat. „Ich erinnere mich daran, dass ich mal in der Ruhr eine Flaschenpost gefunden habe, die sich irgendwo verfangen hatte.“ verrät er grinsend. „Die Flasche enthielt Grüße an die Welt eines Mescheder Mädchens und hatte leider nur eine Strecke von rund 300 Metern hinter sich gebracht.“ Und nicht nur einmal habe er sich in Bezug auf die Tiefe des Flusses so sehr verschätzt, dass seine Gummihose plötzlich von oben geflutet wurde. „Ruhrwasser kann ziemlich kalt sein.“ lacht er.

Den aufmerksamen Leser wird noch eine bange Frage plagen: Was wurde aus der Kamera unseres Fotografen? Nun, sie sehen hier die gut gelungenen Fotos und können sich somit die Antwort selbst geben, woll?