Kammersänger Günter Wewel

„Man sollte das Alter als Krönung eines erfüllten Lebens betrachten“

Von Ursula Wiethoff-Hüning – Fotos: Hermann-J. Hoffe

Günter Wewel kann zweifelsohne auf ein überaus erfolgreiches und erfülltes Leben zurückblicken. Er, der es mit seiner begnadeten tiefen Bassstimme neben Jose Carreras, Luciano Pavarotti und Montserrat Caballé auf die CD „Gala – die schönsten Stimmen der Welt“ geschafft hat. Er, der über 18 Jahre lang die beliebte Fernsehsendung „Kein schöner Land“ moderiert hat. Er, der bei allem Erfolg und hohem Bekanntheitsgrad ein Leben lang die Tugenden von Bescheidenheit und Einfachheit groß schreibt und seiner sauerländischen Heimat treu bleibt.

Günter Wewel und die Prominenten, die ihm im Laufe seines Lebens begegnet sind.

Wewel hat einen interessanten beruflichen Weg hinter sich: 1934 in Arnsberg geboren beschließt er schon als Jugendlicher, Sänger zu werden. „Vielleicht habe ich das musikalische Talent meiner Mutter geerbt, die gerne Klavier spielte“, vermutet Wewel lächelnd. „Und von meinen wunderbaren Eltern habe ich gelernt, in und mit Musik zu leben!“ Doch sind auf dem künstlerischen Weg immer auch Menschen wichtig, die einen entdecken oder auch unterstützen. Wewels Musiklehrer war ein solcher, indem er früh die Gesangsausbildung des Jungen fördert. Doch dieser macht auf Wunsch des Vaters zunächst eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn. Erst im Anschluss daran verfolgt Günter Wewel seine eigenen beruflichen Pläne und studiert Operngesang an der Musikhochschule in Dortmund. Eine weise Entscheidung, wie sich in nachfolgender Zeit herausstellen wird. Denn er verfügt über eine sehr schöne und besonders tiefe Bassstimme, den sogenannten „basso profundo“, eine Stimmlage, in der nicht so viele Sänger singen können. Wewel wird zu einem gefragten Interpreten der Opernliteratur und wirkt in den nachfolgenden Jahren bei zahlreichen Opernproduktionen an verschiedenen Opernhäusern mit. Die großen Rollen der Opernliteratur singt er nun, zum Beispiel den Sarastro in der „Zauberflöte“ oder den Rocco in „Fidelio“. 80 Opernpartien Mozarts, Beethovens, Verdis, Wagners etc. zählt er zu seinem Repertoire. Natürlich gehört neben der Begabung ein hohes Maß an Disziplin dazu, wenn man so erfolgreich ist. „Üben, üben, üben …“, bemerkt der heute 84-Jährige im Rückblick. In jenen Jahren ist er so erfolgreich, dass ihm 1989 der Ehrentitel „Kammersänger“ verliehen wird, eine besondere Auszeichnung für Sänger für ihre künstlerische Arbeit. Wewel: „Man muss innerlich brennen, um Erfolg zu haben. In der Oper habe ich meine geistige Heimat und berufliche Erfüllung gefunden.“

Kein schöner Land
Dem breiten Publikum wird er dann ab 1989 durch eine weitere berufliche Ausrichtung bekannt, durch die Moderation der ARD-Sendereihe „Kein schöner Land“, eine der erfolgreichsten Fernsehproduktionen des Saarländischen Rundfunks. Wewel nimmt seine Zuschauer in mehr als 150 Sendungen mit in die schönsten Regionen Deutschlands und Europas. Der Zuschauer erfährt etwas über Brauchtum, Handwerk, Geschichte und Architektur sowie regionale Musik. Hierbei setzt Wewel sich auch für das Volksliedgut ein. Hochmut gegenüber volkstümlichen Tönen sind dem Opernsänger fremd. Wewels Sendung steht für niveauvolle Unterhaltungsmusik. Das Konzept kommt an beim Publikum: Die Einschaltquoten sind hoch und das Publikum liebt den sympathischen und volksnah-bodenständigen Moderator und Sänger, der auch immer wieder in verschiedene Rollen schlüpft. „Erfolgreich kann nur der sein, der sein Publikum
wirklich liebt“, formuliert Wewel seine Devise. Auch über das Sauerland entstehen im Laufe der Jahre drei Sendungen, unter dem Motto: „Es gibt für mich kein schöner Land als das Sauerland“ – eine Hommage Wewels an seine Heimat. Zum Erfolgsrezept der Sendung gehört wesentlich, dass zu den
regionalen Musikgruppen Stargäste hinzukommen. Wewel lädt viele Prominente in seine Sendungen ein, kennt sie alle, die Großen aus Musik, Film und Fernsehen der damaligen Zeit: Heinz Rühmann, Udo Jürgens, Freddy Quinn, Willy Millowitsch, Heinz Schenk und viele, viele mehr! Selbst zu jenen Größen zählend ist er auch heute noch mit vielen Prominenten aus der Gesellschaft eng verbunden. Das ist schon beeindruckend! Wewels Haus in Arnsberg erzählt mit
einer Vielzahl an Fotos und Erinnerungen von diesen Begegnungen des Sängers, und zu jedem Foto oder Erinnerungsstück könnte Wewel eine Geschichte erzählen!

In all diesen bewegten Jahren bleibt Günter Wewel seiner Heimatstadt Arnsberg verbunden: „Wir Sauerländer haben eine besonders enge Beziehung zur Heimat, zu den Menschen, die hier wohnen.“ So kehrt er gerne in sein schönes
Jugendstilhaus in der Grafenstraße zurück, um Ruhe und Kraft zu schöpfen. Er schätzt hierbei die Wälder, Talsperren und die gute Luft im Sauerland. Seine Frau Gisela begleitet ihn immer, nicht nur in der Freizeit, auch auf den zahlreichen Reisen überall hin. Zu seinem 75. Geburtstag formuliert er:
„Glücklich macht mich mein Erfolg, aber vor allem meine geliebte Frau in vielen glücklichen Ehejahren, und Kraft schöpfe ich auch aus meinem Glauben. Christsein gibt dem Leben Weite und Tiefe, und der Glaube gibt eine Perspektive
für das Hier und Jetzt.“

Die Welt ist schön
Mittlerweile ist es natürlich nach der intensiven beruflichen Zeit ruhiger geworden um den beliebten Sänger und Moderator, aber gesellig ist er nach wie vor und nicht gerne alleine. Nach einer für ihn sehr schweren Zeit nach dem Tod
seiner Frau im Jahr 2014 sieht er es als großes Glück an, zufällig einer Jugendfreundin begegnet zu sein, die nun an seiner Seite ist. „Wir genießen gemeinsam die freie Zeit, in Arnsberg, auf Norderney oder auch Gran Canaria, wo wir mit Freunden gemeinsam Urlaub machen. Und: Die Welt ist schön.“, formuliert Wewel dankbar und mit Nachdruck … und blickt nach vorn.