🖊️ Britta Melgert  📷 Sportograf/Henri Kleinhammer

Hobbies und Leidenschaften: Bei manchen Menschen zeichnen sich diese bereits in der Kindheit ab. Doch es kommt auch vor, dass es einen erst im Erwachsenenalter packt. So war es auch beim Warsteiner Henri Kleinhammer. Erst mit Mitte 30 entdeckte er den Radsport für sich, und die Bezeichnung Sport ist dabei durchaus berechtigt.

„Ein Freund hat mich seinerzeit infiziert“, erinnert er sich. „Die Erzählungen von dessen Radrennen als „Jedermann“, also als sportlicher Nicht-Profi ohne Lizenz, haben mich inspiriert, auch selbst regelmäßig aufs Rad zu steigen und für meinen ersten Wettkampf zu trainieren. Der sollte dann 2002 in Hamburg stattfinden. Es war ein großartiges Erlebnis“, schwärmt er.

Von nun an standen jährlich weitere Jedermann-Rennen für den Warsteiner an. Diese finden meist am Rande von großen Profi-Radrenn-Veranstaltungen statt und haben trotz stetig steigendem Leistungsanspruch Breitensport-Charakter. Teilnehmerzahl und Fangemeinde werden von Jahr zu Jahr größer. Am Start sind sowohl reine Hobby-Fahrer als auch ehemalige Profis, entweder als Einzelfahrer oder im Team. Kleinhammer sagt: „In Deutschland und im europäischen Ausland habe ich schon recht viele Rennen bestritten, zum Beispiel die FichKona, eine 600 km lange Tagestour vom Fichtelgebirge bis hoch zum Kap Arkona. Die berühmt-berüchtigte Kopfsteinpflaster-Strecke von Paris nach Roubaix war eine ganz besondere Herausforderung für mich. Und unter landschaftlichen Aspekten habe ich kürzlich das Rennen „Strade Bianche“ in der Toskana sehr genossen. Unvergleichlich herzlich-familiäre Eindrücke jedoch erlebt man in Belgien und den Niederlanden, wo stets begeistertes Publikum am Wegesrand für Volksfeststimmung und hilfreiche Unterstützung sorgt. Das Anfeuern am Straßenrand darf man nicht unterschätzen. Da tritt selbst der schlappste Fahrer nochmal feste in die Pedale.“

Sponsor auf dem Trikot –
Gattin im Zielbereich

Er erklärt: „Meine Ehefrau fährt, wann immer es zeitlich passt, mit zu den Rennen, um mich vor Ort zu unterstützen.“ Während die Profis nach der Zieleinfahrt den Rundumservice von Massage bis Hoteltransfer genießen, muss sich der Jedermann selbst darum kümmern, dass sein Rad zum privaten PKW kommt, die müden Rennfahrerbeine gepflegt und die verbrauchten Kalorien ersetzt werden. Kleinhammer erklärt: „Zum Glück werde ich jedoch seit einiger Zeit finanziell durch einen Sponsor unterstützt. Damit sind zumindest die Kosten für die Sportbekleidung abgedeckt. Die weiteren Ausgaben bestreite ich selbst, ebenso die Anschaffungs- und Folgekosten für meine teuren Rennräder.“
Von nichts kommt nichts“, sagt eine Redensart, und so muss Kleinhammer natürlich insbesondere vor jedem seiner Rennen, grundsätzlich aber das ganze Jahr hindurch, tüchtig trainieren. Vermutlich haben alle Autofahrer der Region ihn während seiner Übungseinheiten alle schon einmal mit dem Auto überholt. Sein dringender Appell: „Bitte auf den Abstand beim Überholen achten; diesbezüglich hat die Rücksichtnahme im Straßenverkehr sehr nachgelassen.“ Die Gefährlichkeit seines Sports ist Kleinhammer bewusst, nicht nur durch eigene Stürze, sondern auch durch schwere Unfälle seiner Mitstreiter. „Der Helm ist absolute Pflicht“, weiß er. „Ohne ihn gäbe es mich längst nicht mehr. Aber von der Gefahr der typischen Radfahrerverletzung, einem gebrochenen Schlüsselbein, lasse ich mir mein wunderschönes Hobby nicht vermiesen.“