🖊️ Anke Kemper  📷 S. Droste

So beginnt das Lied, das (nach der Melodie des Kufsteinliedes) damals wie heute zu den verschiedensten Anlässen in geselliger Runde von den Freienohlern gesungen wird. Bei unserem Treffen mit einer Abordnung einiger Vereine des Ortes wollen wir Näheres wissen über diese Perle und es wird uns schnell klar, dass Freienohl weit mehr ist als ein Dorf mit ca. 4.200 Einwohnern, unterhalb des Küppels zwischen Meschede und Arnsberg gelegen, mit zwei Kindergärten, einer Grund- und Hauptschule, Sportplätzen, einer Schützenhalle und dem Kirchturm in der Mitte. Denn was sich hier allein in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, zeugt von einer Innovation, die eine Eigendynamik gewinnt und deren Basis eine Kooperation untereinander und mit der Stadt Meschede bildet.

Mit einem Augenzwinkern beginnt Carlo Düring (Heimatfreunde), dass es früher in Freienohl um die dreißig Kneipen gab – eine Kneipendichte fast wie in Sankt Pauli. Dies waren Orte der Kommunikation. Hier wurde alles besprochen. „Heute haben wir fast keine Kneipen mehr, aber jetzt ist Freienohl ein Ort mit reger Vereinskultur. In den Vereinen werden Dinge besprochen, geklärt und es wird angepackt.“

Ein gutes Beispiel für die enge Zusammenarbeit und das Anpacken der Vereine ist das Projekt Haus der Musik, das Tambourcorps und Musikverein gemeinsam in Angriff genommen hatten, um adäquate Räumlichkeiten für die Proben und die Ausbildung des Nachwuchses zu schaffen. In ca. 5.000 Stunden Eigenleistung wurde das ehemalige Schwesternhaus über dem St. Nikolaus Kindergarten für diesen Zweck umgebaut und konnte 2011 eröffnet werden.
„Wenn externe Probenleiter z. B. zu Probenwochenenden für die Jugendarbeit hier zu Gast sind, beneiden sie uns um diese Probenräume“, erzählt Harald Wegener (Tambourcorps). „Und das kommt gut an bei der Nachwuchswerbung“, fügt Matthias Stirnberg (Musikverein) hinzu. „Wir konnten eine zweite Jugendabteilung gründen.“ Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Vor vier Jahren gab es drei neue Schüler, seit drei Jahren bis heute sind es 56 Neuanmeldungen.“ (Marco Gundlach, Musikverein). Die Freienohler Vereine erfreuen sich eines regen Nachwuchses. Und bei der Vielfalt an Vereinen in dieser Dorfgemeinschaft sollte für jeden etwas dabei sein.

„Der Schützenverein ist der älteste Verein“, weiß Ehrenhauptmann Wilfrid Maas. „Die Schützenbruderschaft erneuert sich und erhält die Tradition. Vorrang hat der Erhalt der Schützenhalle, hier muss immer wieder modernisiert werden, sonst bleiben die Gäste weg. Außerdem ändern sich die Gesetze. Das, was heute gebaut wurde, ist morgen wieder ungültig“, erläutert er weiter.

„Ob man in Freienohl wohnt, hier durchfährt oder zuzieht, das Gesamtbild des Ortes ist wichtig“, erklärt Ingrid Bräutigam (Förderverein). „Und hier ist jeder Verein verantwortlich, sich darum zu kümmern. Wir müssen die jungen Leute ranführen und ihnen zeigen: Das ist euer Ort, da müsst ihr mithelfen. Und auch für die älteren Menschen muss es ein Lebensort sein, wo sie sich wohlfühlen.“ Ein großartiges Projekt, das vom Förderverein initiiert und durchgeführt wurde, ist die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes, der sogenannte Pausenhof, der nicht nur das Umfeld der St.-Nikolaus-Kirche verschönert, sondern das gesamte Ortsbild enorm aufwertet.
Zur guten Stube von Freienohl gehört auch das Sportzentrum im Ohl. „In den letzten Jahren wurde bei TuRa so viel geschafft, wie in den vergangenen hundert Jahren nicht“, erzählt Jürgen Schulte (TuRa). Ein Kunstrasen- sowie Naturrasenplatz, ein Minispielfeld für die Kinder und das renovierte Sportheim werden auch von den Schulen genutzt. „Wie eine Perlenkette reiht sich im Ohl das Schul- und Sportzentrum auf“, bemerkt Dr. Harald Gampe (Förderverein). Und zu diesen Perlen von Freienohl zählen auch die Tennisplätze, das Hallenbad mit Beachvolleyballplatz, die Turnhalle, die Hauptschule und der Kindergarten. Auch die Feuerwehr hat im Jahre 2011 hier eine neue Heimat gefunden. Der viel diskutierte Standort hat sich als richtig erwiesen, auch dank der modernen Infrastruktur. „Wir sind eine Säule der Daseinsvorsorge, eine gesetzliche Pflichtaufgabe und dennoch sind wir ein Verein.“ (Dennis Pingel, Brandoberinspektor).
„Die Vereine sind das Rückgrat unseres örtlichen Gemeinschaftslebens.“ (Dr. Harald Gampe). Und es sind sich alle einig, dass ein Verein allein nie so stark ist wie mehrere zusammen. Dass alle an einem Strang ziehen, wurde besonders deutlich, als es um den Bau eines neuen Küppelturmes ging. „Als die erste Summe für den Neubau im Raum stand, gab es eine Veranstaltung einiger Vereine, um Geld für dieses Projekt zu sammeln.“ (Matthias Stirnberg). Mit Spendengeldern allein konnte das Vorhaben nicht finanziert werden. Durch das Leader-Projekt wird dieser Bau nun gefördert.

„Wenn die Vorplanung abgeschlossen ist, wird es noch einmal eine öffentliche Veranstaltung für die Freienohler geben, in welcher der Turm vorgestellt wird.“ (Herbert Kordel, Förderverein). Der neue Turm soll in etwa so aussehen wie der alte, nur das tragende Element wird aus Metall sein. Die Freienohler sind eng verbunden mit dem Küppelturm, er ist das Wahrzeichen ihres Heimatortes. Auch die Schiedlike Borg – eine Fliehburg – aus dem 6. Jhd. soll in Verbindung mit dem Neubau des Aussichtsturmes wieder sichtbar gemacht werden. „Hiermit ist verbunden, einen Platz für einen außerschulischen Lernort zu schaffen und selbstverständlich auch für den Tourismus.“ (Dr. Harald Gampe). Vorsichtig in die Zukunft geschaut, soll der neue Turm noch in diesem Jahr stehen.

Ein weiteres Großprojekt, das in absehbarer Zeit fertiggestellt werden soll, ist die Fortführung des Ruhrtalradweges, der komplett an den Ruhrauen vorbeigeführt wird. Auch dieser Bau wird mit Fördergeldern realisiert. Die anwesende Abordnung der Vereine ist sich einig: Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Meschede funktioniert hervorragend.

„Es fehlen ein paar Geschäfte im Ortsinnern, z. B. eine Drogerie und eine Eisdiele.“, bemerkt Lena Deppenkemper (Tambourcorps) – die Jüngste in der Runde an diesem Abend. Und da hat sie recht. Die meisten Geschäfte verlagern sich Richtung Süden zum Ortsausgang. Aber hierher kommen auch viele Wennemer, Olper, Berger und sogar Mescheder zum Einkaufen. „Wir müssen unsere Stärken herausheben und uns nicht auf die Schwächen konzentrieren.“ (Dr. Harald Gampe). Eine der größten Stärken dieses Ortes ist die Verkehrsanbindung – zum einen durch die Autobahn mit Auffahrten Richtung Süden und Norden und zum anderen durch den Bahnhof. Ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft. „Es gibt keine großen Anfahrtskosten. Hier wird sich sicherlich der ein oder andere ansiedeln oder ortsansässig umsiedeln und sich vergrößern“, erklärt Jürgen Lipke (Bezirksausschussvorsitzender) und spielt auf die Realisierung der Erschließung für ein Gewerbegebiet in Freienohl Süd an. Auch für junge Familien ist die Verkehrsanbindung von Bedeutung. Man kann schnell an einem Arbeitsplatz z. B. in Neheim oder sogar Dortmund sein und hat nicht die hohen Mietkosten wie in den Städten.

Wenn man an diesem Abend ein Fazit ziehen will, sind es überwiegend die Vereine, die durch einen hohen Einsatz und vor allem bedingungsloser Zusammenarbeit einen Ort schaffen, in dem sich Jung und Alt wohl fühlen können. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich weitere Vorschläge des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes – kurz ISEK – für die Dorfgemeinschaft Freienohl umsetzen lassen. „Wir betreiben hier Politik, die dem Ort etwas bringt und nicht für die Partei.“ (Herbert Kordel). Das können wir nur bestätigen und bedanken uns für den informativen Austausch. Enden wollen wir aber mit einem viel zitierten und abgewandelten Satz, den Dr. Harald Gampe zum Abschluss zum Besten gibt: „Frag nicht, was deine Stadt für dich tun kann, sondern frage, was du für deine Stadt tun kannst.“