🖊️ 📷 Frank Stratmann

Die frische Morgenluft, nebelig und eher silbrig statt golden, empfinden wir als sehr angenehm. Schon früh wagen wir uns an diesem ersten Sonntag im Oktober, nach dem Hitzesommer 2018, in die Bergstiefel. Startpunkt für eine besondere Wanderung ist der Ort Wallen bei Meschede. Entgegen sonstiger Exkursionen, die wir gern allein oder zu zweit unternehmen, sind wir – fernab der touristischen Hochburgen des Rothaargebirges – heute Teilnehmer an einem IVV Wandertag.

Wandern liegt im Trend. Warum sich wieder mehr Menschen entscheiden, sich per pedes fortzubewegen, liegt wahrscheinlich an der Freude der entschleunigenden Bewegung allgemein, der Natur, egal zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist, und dem Entdecken unbekannten Terrains. Der TuS Wallenstein jedenfalls bietet alljährlich im Herbst großartige Gelegenheiten, das alles miteinander zu kombinieren.
Das Örtchen Wallen liegt unterhalb der Wallfahrtskapelle Halloh und bietet Zugang zum ehemaligen Naturpark Homert an seinem nordöstlichsten Zipfel mit Caller Schweiz und Markshöhe. Wir sind heute beim IVV Wandertag auf der längsten angebotenen Route unterwegs. Sie führt uns zunächst in einem weiten Bogen rund um den Kehling, auf dessen Rückseite wir die erste Station erreichen.

Stempel als Trophäen

Schon im Morgengrauen haben sich ihrer Väter Söhne auf den Weg gemacht, die Routen mit Sägemehlpfeilen zu markieren. Jetzt sitzen sie verkrochen in einem Verschlag, warten auf die Teilnehmer, die nach und nach vorbeikommen, um Wegzehrung und Stempel abzuholen. Stempel erhalten all jene, die mit dieser Art des analogen Schrittezählens auf verschiedenen Wandertagen ihre persönlichen Erfolge in einem Logbuch sammeln. Bescheidene Trophäen.

Panoramablick über Wallen ,Vosswinkel und Calle

Wirsind am nördlichsten Punkt unserer Route und blicken jetzt kurz auf Wennemen und später auf die ersten Häuser des Ortes Berge. Von hier aus ist das Flüsschen Wenne gut auszumachen, bevor es nach weiterer Rast wieder hinauf geht. Wir sind auf dem Weg zum Halloh mit der im Jahre 1686 erbauten Kapelle; hier treffen sich drei Kreuzwege. Der Blick über Wallen auf die gegenüberliegende Seite unserer Route zieht uns an. Rüber zur Linde begleitet uns dieser Ausblick ein Stück des Weges. Dann geht es strack hinauf in Richtung Wallenstein. Sicher der sportlichste Abschnitt und ein wenig froh ist man doch, dass heu-te nicht die Sonne scheint. Die Reste der ehemaligen Höhenburg Wallenstein aus dem 14. Jahrhundert lassen wir heute rechts liegen und erkennen schon bald die letzte Station. Diesmal geschützt in einer Scheune mit herausragendem Blick auf Wallen und dem sich im Hintergrund erhebenden Caller Dom. Das Ruhrtal können wir links erahnen.

Auf der rechten Flanke des Wiemketals geht es moderat weiter bergauf, bevor wir über einen kleinen Abstecher an einer imposanten Blockhalde vorbei direkt zur Schutzhütte im Wiemketal gelangen. Von dort sind es nur noch ein paar Meter bis zur Mehrzweckhalle, unserem Startpunkt.

Kaffee , Kuchen, Schwein

Hier haben wir heute Morgen schon beobachtet, wie für das leibliche Wohl gesorgt wird. Seit 6 Uhr wird unter anderem ein ganzes Schwein über offenem Feuer gebraten. Ein beachtliches Kuchenbuffet und Kaffee locken zum Nachtisch. Ein buntes Treiben der übrigen Teilnehmer hat sich eingestellt.

Der IVV

Hier geht´s weiter! Wegmarkierung beim IVV Wandertag rund um Calle

Bleibt noch, das Geheimnis um die Abkürzung IVV aufzuklären. Der Internationale Volkssportverband e.V. ist ein Zusammenschluss nationaler Volkssportbunde. Ziel ist die Förderung des Breitensports ohne Wettbewerb, wobei hier Wandern im Besonderen gemeint ist.

Der TuS Wallenstein ist Teil einer großen Gemeinschaft. So haben wir auf der Strecke und später am Ausgangspunkt viele Wanderlustige aus nah und fern getroffen. Zum Beispiel die Freunde der Wandergemeinschaft Bochum 1973 e.V.. Wandern liegt im Trend und trotzdem hören wir unterwegs, dass es schwerer geworden ist in den letzten Jahren. Früher gab es Jahre, in denen sich an solchen Wandertagen weit über 300 Wanderlustige rund um Wallen tummelten. Gelegentlich säumen Busse und Autos mit vielen fremden Nummernschildern die Ortsdurchfahrt in Wallen. Viele Vereine leiden unter Nachwuchssorgen, was die Organisation von Wandertagen schwerer macht, aber nicht unmöglich, wie der TuS Wallenstein jedes Jahr beweist.

Unter den organisierten Wandersleuten gilt ein stilles Abkommen, Freundschaften durch die aktive Teilnahme an Wandertagen zu pflegen. Doch ist Wandern für viele eher Teil eines individuellen Kurzurlaubs geworden. Organisierte Gruppenwanderungen gibt es seltener. Die Freude an der Organisation der zünftigen Bewegung bleibt in Wallen ungebrochen und deshalb wird der TuS Wallenstein auch in diesem Herbst wieder einen IVV Wandertag anbieten. Und Touristen wie Einheimischen sei geraten, mal die eingetrampelten Pfade zu verlassen und sich überraschen zu lassen. Rund ums Bio-Energiedorf Wallen mit Halloh und Markshöhe gibt es viel zu entdecken.