Verbindung zwischen Mensch und Wald

Forstamtsleiter Oberes Sauerland: Frank Rosenkranz.

Forstamtsleiter Frank Rosenkranz über Amt, Aufgaben und Aktuelles

Von Carla Wengeler und Hermann-J. Hoffe – Fotos: Heidi Bücker

Seit 18 Monaten ist Frank Rosenkranz nun Leiter des Regionalforstamtes Oberes Sauerland. Täglich steht er vor vielen verschiedenen Aufgaben. Neben der großen Verantwortung für die Waldbestände ist er auch mit organisatorischen Herausforderungen des Strukturwandels beschäftigt. Das Forstamt Oberes Sauerland ist eines von 16 Forstämtern in ganz Nordrhein-Westfalen. 68.000 Hektar Wald erstrecken sich über die Kommunen Sundern, Meschede, Eslohe, Schmallenberg, Winterberg, Medebach und Hallenberg.

Wald im Wandel
Momentan sieht sich Frank Rosenkranz gleich mit mehreren Problematiken konfrontiert. Zum einen wurde ein aufwendiger Transformationsprozess in Gang gesetzt, da die Landesregierung eine Neuorganisation der Holzvermarktung beschlossen hat. Ab dem 1. Juli läuft die Holzvermarktung nur noch privat und nicht mehr über die Forstämter ab. „Nicht, weil wir es nicht wollen, sondern weil wir es nicht mehr dürfen“, bedauert Frank Rosenkranz. Doch nicht nur das, auch die indirekte Förderung der forstlichen Betreuung wandelt sich in eine direkte Förderung der Beförsterung um. Dies bedeutet unweigerlich, dass das Rollenverständnis der Forstämter nun dienstleistungsorientierter und auch marktwirtschaftlicher werden muss, um im künftigen Wettbewerb mitmischen zu können.

Wald und Wirtschaft
Der Wettbewerb wird in Zukunft mit privaten forstlichen Dienstleistern ausgetragen. „Das System öffnet sich“, erklärt der Forstamtsleiter. Die Beförsterungsleistungen, die anfallen, werden nun durch die forstlichen Zusammenschlüsse ausgeschrieben und nicht mehr
automatisch vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW übernommen. Doch die zunehmende Komplexität der Waldbewirtschaftung wird immer problematischer für die Waldbesitzer. Ob bei einem Generationswechsel der Besitzer oder neuen Auflagen im Natur- oder Artenschutz: die Landesforstverwaltung kann stets mit neutraler fachlicher Kompetenz beraten. Eines setzt Frank Rosenkranz allerdings voraus: „Wir brauchen vitales Eigentümerinteresse.“ Die Besitzer sollten sich unter anderem fragen: „Wie zukunftsfähig ist mein Wald?“

Wald und Borkenkäfer
Um den Borkenkäfer abzuwehren, sind die Waldböden nicht ansatzweise ausreichend wasserversorgt. „Im Moment steht es schlecht um unseren Wald“, fasst der gebürtige Olsberger zusammen. Wenn der Wasserbedarf nicht gedeckt ist, können sich die Bäume nicht mit Harz gegen die Borkenkäfer wehren, die bereits ab 16/17 Grad Celsius fliegen. Um auf die brisante Forstschutzsituation reagieren zu können, hat das Forstamt jetzt personelle Verstärkung bekommen, damit Käferbäume schneller erkannt und aus dem Wald entfernt werden können. Im Sinne einer „sauberen Waldwirtschaft“ ist es wichtig, die Bäume schnell aus dem Wald zu bringen und zu verwerten, damit sich der Käferbefall nicht ausweiten kann. Für betroffene Waldbesitzer wurden Internetseiten und Broschüren erstellt. Ebenfalls läuft ein Sonderförderungsprogramm der Landesregierung. Die
Bekämpfung des Borkenkäfers ist eine „hoheitliche Aufgabe“, die nur unter Berücksichtigung dreier Aspekte bewältigt werden kann: der personellen Unterstützung,
aufbereiteter Informationen und der finanziellen Unterstützung.

Wandertag mit Rangern und Waldpädagogen
Im Rahmen des Deutschen Wandertages vom 5. bis 8. Juli bietet das Forstamt interessante Touren mit Rangern und Waldpädagogen an. Damit der Wald unter den Interessen und Erwartungen der Bürger, Touristen oder Sportler nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, arbeitet das Forstamt eng mit den Veranstaltern und allen anderen Institutionen zusammen. „Ein stetiger Informationsaustausch bildet die Basis für eine gute Verständigung und ein harmonisches Miteinander“, weiß Frank Rosenkranz.

Sauerländer Waldmentalität
Die emotionale Nähe zum Wald ist im Beruf des Försters unabdingbar. Laut Frank Rosenkranz ist sie den Sauerländern in die Wiege gelegt: „Egal, aus welchem Fenster man schaut, man sieht Wald und das prägt einen.“ Mit solch einer persönlichen Verbindung zum Wald aufgewachsen war das Förster-Werden für ihn fast schon ein Automatismus. Und warum auch nicht? „Der Wald hat viele Vorzüge, angefangen bei seiner klaren Luft bis hin zu seiner Funktion als Wasserspeicher. Die Menschen in der Region identifizieren sich mit ihrem Wald und nehmen ihn ganz selbstverständlich als Arbeitsplatz wahr“, äußert sich Frank Rosenkranz. Erklärt man den Wald zum Sehnsuchtsort, wird man vor allem hier in der Region viel Zustimmung erhalten. Er bietet einen Kontrast zur offenen Fläche, den weiten Feldern, und zur Stadt und ihrem Verkehr. Gerade im Sauerland ist es möglich, vollständig in die Natur einzutauchen. Der Wald hier ist „mehr als nur eine reine Kulisse“, er ist erlebbar. Ob man Angebote von Rangern oder Waldpädagogen in Anspruch nimmt oder sich den Wald lieber selbst erschließt, spielt dabei keine Rolle. Es gibt auch barrierearme und barrierefreie Angebote.

Zukunft des Waldes
Für Frank Rosenkranz ist die enorme Themenvielfalt das Schönste an seinem Beruf, da sie ihm täglich begegnet. Durch die unterschiedlichen Klimazonen innerhalb des Oberen Sauerlandes zwischen Sorpesee und Medebacher Bucht bleibt es spannend und abwechslungsreich. Fragen über die Zukunftsgestaltung und die Nutzung des Waldes sind wichtig und müssen gestellt werden. Ebenso bleiben Themen wie Budget und Digitalisierung immer aktuell. Auch in puncto Gefahrenabwehr, etwa im Rückblick auf die Stürme Kyrill und Friederike, müssen weiterhin alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden.
Natürlich ist auch der Klimawandel allgegenwärtig, der in Zukunft auch die eine oder andere Veränderung in der Waldnutzung fordern wird. Aber als Sauerländer Waldmensch wird Frank Rosenkranz mit seinen Kolleginnen und Kollegen auch dafür nach sinnvollen Lösungen suchen und diese finden.