Eine Kletterpartie mit Ulf Priester

Klettern ist sein Hobby: Ulf Priester.

Von der Kamera an den Fels

Von Carla Wengeler – Fotos: Heidi Bücker

In Ulf Priesters Freizeit weicht „Licht, Kamera, Action!“ einem „Achtung, Seil!“. Der Reporter der Lokalzeit Südwestfalen wohnt mit Frau Janine und den drei Kindern in Fleckenberg. Seit einigen Jahren hat er als sportlichen Ausgleich das
Klettern für sich entdeckt. WOLL-Redakteurin Carla Wengeler und Fotografin Heidi Bücker durften bei einer Kletterpartie im Gebiet Wennefels bei Eslohe-Wenholthausen dabei sein und sich beeindrucken lassen. In der Zwischenzeit
wurde der Felsen übrigens aufgrund eines Uhu-Vorkommens bis voraussichtlich Juli gesperrt.

Klettern stellt man sich nicht kompliziert vor. Einen Berg und ein Seil, viel
mehr braucht es nicht, könnten Laien vermuten. Weit gefehlt. Der Aufstieg
will gut überlegt sein, denn jede Route hat ihren eigenen Schwierigkeitsgrad.
Ulf Priester beginnt, gesichert von Kumpel Herbert, mit einer mittelschweren
Route. Für die beiden ist es das erste Outdoor-Klettern in diesem Jahr. Mit
Bedacht wählt Ulf Priester die richtigen Ecken und Kanten aus, um den Fels zu
erklimmen. So mühelos, wie diese Kletterpartie aussieht, war sein beruflicher
Werdegang nicht.

Einfach mal etwas anbieten
Nachdem er Sportökonomie studiert hat, ist er über die Werbung dazu gekommen, für eine Dokumentation Interviews zu führen. Vollgepackte Wochen mit Reisen durch die ganze Republik hat er hinter sich gelassen, um „etwas Eigenes zu machen“. Für die Deutschen Meisterschaften im Telemark-
Skifahren in Oberstdorf hatte sich Ulf damals ein Kamerateam gemietet. Doch als das Material keinen Abnehmer fand, wurde ihm klar, dass seine Künste noch ausbaufähig waren. Es fehlte das Werkzeug, ohne Seil kommt man eben nicht auf den Berg.

Der Sinn liegt im Hier und Jetzt
Er kündigte seinen vorherigen Job und startete neu durch, mit diversen Praktika in Berlin: ZDF Morgenmagazin, TV Berlin, Deutsche Welle TV und N-TV. Sein Volontariat machte er dann mit 34 Jahren beim Regionalsender Rosenheim in Bayern. Nach einem Anschlussjob bei Sat.1 wurde ihm dann
geraten, sich bei der Lokalzeit zu bewerben. Er entschied sich bewusst
für den regionalen Sender. Was ihn überzeugt hat: die überwiegend
positive Berichterstattung und die Nähe zu den Menschen und der
sauerländischen Natur. Hier ist Ulf nun nah dran an der Region.
Meistens ist er zwei Tage in der Redaktion in Siegen und die restliche Zeit beim Dreh beziehungsweise Schnitt. Dabei ist er im ganzen Sauerland unterwegs: Schmallenberg, Soest, Bad Berleburg und Olpe. Letztens war er noch bei der Wintersport-Arena in Winterberg. Etwas, das er an seiner Arbeit besonders schätzt, ist das Draußen-unterwegs-Sein. Dass er sich eine Sportart ausgesucht hat, die kein Einzelsport ist, sagt ebenfalls viel über ihn aus. Als Teamplayer ist er gerne im Dreiergespann mit Kameramann und Cutter
unterwegs. Sich inspirieren lassen von den Ideen der anderen und Verbesserungsvorschläge annehmen, das macht eine gute Teamarbeit aus – und die ist unverzichtbar. Im Job, aber gerade auch beim Klettern.

Die bewusste Entscheidung für Fleckenberg
Die Priesters sind auf der Suche nach einem neuen Wohnort in Fleckenberg gelandet. Fleckenberg liegt nicht nur relativ nah am Arbeitsort Siegen, es ist auch einfach ein tolles Dorf, das „ordentlich was auf die Reihe bekommt“. Zusammen mit seiner Frau Janine freut sich Ulf über die schönen Erfahrungen,
die ihre Kinder dort machen können. Einfache Dinge, wie gemeinsam mit Freunden zur Schule zu gehen, sind unverzichtbar geworden. Weitere Pluspunkte für ihn sind das aktive Vereinsleben, die Organisation des Rothaarsteigmarathons oder Aktionen wie „Aktion Saubere Landschaft“.

Lieblingsorte im Sauerland
Da Ulf viel herumkommt, hat er eine Menge Lieblingsorte im Sauerland. Im Sommer geht er natürlich gerne klettern, am liebsten in den Gebieten am Kapplerstein, am Scharpenbeul oder an der Borghauser Wand. Mit der Familie werden gerne die Talsperren, das Freibad in Schmallenberg oder das
Naturfreibad in Saalhausen zum Schwimmen angesteuert. Im Winter würde er sich gerne wieder öfter dem Skilanglauf widmen, wenn es das Wetter denn
hergibt. Bier mag Ulf am liebsten aus den kleineren Brauereien der Umgebung. Die Bäckerei Blanke in Schmallenberg und der Schäferhof in Jagdhaus sind gern von ihm besuchte Orte. Und vor dem Weihnachtsessen an Heiligabend
geht es natürlich mit der ganzen Familie auf den Wilzenberg.

Nach einem sicheren Abstieg steht Ulf Priester wieder mit beiden Beinen auf dem Boden. Aber nicht für lange, denn es gibt schon eine nächste Kletterroute, die er im Visier hat. Genauso wie es Ereignisse gibt, über die er gerne noch berichten würde. Reichlich Potential hätte die regionale Wisent-Geschichte, die „ja schon ziemlich schräg ist“. Als gebürtiger Iserlohner würde er natürlich zu gerne die Iserlohner Roosters als neuen deutschen Meister bekanntgeben oder auch den Lückenschluss der A46 schildern. Definitiv wird Ulf aber weiterhin über das Leben im Sauerland erzählen: über das Leben in der Kita, im Verein und im Betrieb. So, wie die Region hier eben lebt.