🖊️ Ellen Sonnenborn  📷 S. Droste, Dennis Römer

Wenn man zwischen Meschede und Calle die Windhäuser passiert hat, ist das nächste Gebäude hinter der Anhöhe eine charmante, achteckige Kapelle: die anmutige und von Bäumen eingerahmte Schlade-Kapelle. Ein kleines und feines Juwel aus dem Jahre 1727, das nicht immer so adrett daherkam.

Ende des Verfalls

Ende der 1980er Jahre sah es auf der Schlade noch ganz anders aus. Die Kapelle war baufällig. Der geschwungene barocke Dachhelm musste abgesichert werden, um nicht einzustürzen. Teile des Mauerwerks zerfielen, die wertvollen Barockfiguren waren 1971 Dieben zum Opfer gefallen und der bei dem Raub beschädigte Altar wurde sicherheitshalber im Keller der Caller St. Severinus Kirche gelagert. „Die Kapelle ist der erste Anblick auf Calle“, erklärt Johannes Wegener, 1. Vorsitzender des Caller Kapellenvereins. „Deswegen wurde seinerzeit eine Bürgerversammlung einberufen, in der abgefragt wurde, ob Interesse und Rückhalt für die Restaurierung der Kapelle unter den Caller Bürgern bestand. Dem war so und somit gründete sich 1993 die Caller Kapellengemeinschaft. Die ersten 46 Mitglieder des Vereins haben damals etwa 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden in die Schlade-Kapelle investiert. Nach abgeschlossener Restaurierung und Übergabe der Kapelle an die Kirchengemeinde sollte sich der Verein wieder auflösen. Hat er aber nicht. Inzwischen haben wir über 100 Mitglieder“.

Langenberg-Bildstock, Blutschwitzender Heiland und Kelbke-Kapelle

Und das ist gut so. Denn inzwischen hat die Kapellengemeinschaft auch den Bildstock am Langenberg wieder hergerichtet, den „Blutschwitzenden Heiland“ restauriert und auch die Kapelle in der Kelbke (Baujahr 1774), die sich derzeit in der Endphase ihrer Restaurierung befindet und am Pfingstsamstag eingesegnet werden soll, wäre ihrem Schicksal überlassen worden. „Die Kapelle in der Kelbke wird sehr gut angenommen. Es brennen immer Kerzen darin, sogar während der Bauphase“, erzählt Johannes Wegener freudig. „Die Kelbke-Kapelle ist aber auch immer offen. Im Gegensatz zur Kapelle auf der Schlade“, ergänzt der Vereinsvorsitzende. „Das ist leider das Resultat aus dem Figuren-Diebstahl in den 70ern, die inzwischen durch handgeschnitzte Duplikate aus Oberammergau bestmöglich ersetzt worden sind“, erklärt er abschließend.

Bittprozession und Maiandacht

Gelegenheiten, die Schlade-Kapelle einmal in ihrer inneren Schönheit zu erleben, gibt es aber auch. In der Bittwoche vor Christi Himmelfahrt führt die jährliche Bittprozession vom Caller Dom über die Schlade-Kapelle, den Bildstock am Langenberg und Mülsborn zurück zur Pfarrkirche. Darüber hinaus findet auch die jährliche Mai-Andacht der kfd Calle in der herrlichen Kapelle aus dem Spätbarock statt.