🖊️ Britta Melgert  📷 S. Droste

Aus dem Lautsprecher schallt Tangomusik, als wir in den großen, verspiegelten Trainingssaal des Tanzsportclubs Olsberg kommen. Zwei Tanzpaare bewegen sich rhythmisch zur Musik. Bereits auf den ersten Blick erkennt auch der Laie, dass hier Könner am Werk sind. Ein Anblick zum Genießen!Als man uns bemerkt, löst sich eines der Paare und kommt auf uns zu. Susanne Pohlner und Matthias Beinhauer, Ehepaar und zugleich langjähriges Tanzpaar aus Nuttlar, hatten uns eingeladen, um für WOLL über ihr schönstes Hobby zu erzählen. Beinhauer weiß in seiner Funktion als 1. Vorsitzender des TSC zudem auch viel über den Verein zu berichten.
Inzwischen haben auch Sabine Diel und Harald Schönfeld ihren Tanz beendet und gesellen sich zu uns. Die Meschederin und der Winterberger sind ebenfalls seit Jahren mit Leib und Seele Mitglied im Verein und leiten zudem Tanz-Workshops.

Heute trainieren beide Paare für ihr nächstes Turnier. Fünf Standard-Tänze über je zwei Minuten werden sie dort pro Runde tanzen. Dazwischen gibt’s je eine kurze Erholungspause. Wer mit guten Bewertungen weiterkommt, tritt danach zur nächsten Runde an. Da ist es wichtig, eine Top-Kondition mitzubringen, um den Tango, den Quickstep, den Slowfox, den Wiener und den Langsamen Walzer gleich mehrfach perfekt präsentieren zu können.

Neue Trainer – neuer Schwung

„Früher hat der TSC Olsberg regelmäßig Turniertänzer hervorgebracht und sogar eigene Turniere ausgerichtet“, erinnert sich Susanne Pohlner. „Irgendwann ist das aber eingeschlafen. Vielfach spielten für uns Tänzerinnen und Tänzer familiäre Gründe oder der Job eine wichtigere Rolle, und dann bleibt kaum Freiraum für das zeitintensive Training.“ Doch als 2017 das Trainer-Trio Angela und Cornel Müller sowie Christoph Terlikowski zum Verein stießen und neuen Schwung mitbrachten, wurden bei etlichen Mitgliedern große Ambitionen geweckt. Inzwischen findet man wieder vier Tanzpaare des TSC Olsberg bei bundesweit stattfindenden Turnieren.

Breitensportler auf dem Weg zum Tanzsportabzeichen

Gutes Training findet in Olsberg selbstverständlich nicht nur bei den Spitzenpaaren statt. „Der Breitensport liegt uns sehr am Herzen“, versichert Matthias Beinhauer. „Unser Verein hat inzwischen über 300 Mitglieder im Alter zwischen 3 und über 80 Jahren. Egal, ob reiner Anfänger oder begeisterter Fortgeschrittener, hier bieten wir den passenden Workshop an. Gern begleiten wir unsere Tänzer auch bis zum Tanzsportabzeichen.“

Sabine Diel erinnert sich an viele Jahre als Trainingsleiterin. „Ich habe mal ausgerechnet, dass ich weit mehr als 1000 Menschen auf ihrem Weg vom Nichttänzer zum Tänzer begleitet habe“, berichtet sie mit strahlenden Augen. „Es ist für mich unglaublich schön, den Spaß am Tanzen zu vermitteln.“

Und dann erzählen sie und ihr Tanzpartner Harald Schönfeld von einem Herrn und seinem ungeliebten Weihnachtsgeschenk: Ein paar Tanzstunden! „Anfangs kam er mit brummigem Gesichtsausdruck und nur seiner Ehefrau zuliebe hierher. Aber bereits am ersten Abend hat es ihn gepackt. Heute ist er einer unserer eifrigsten Mitglieder; fast immer als Erster auf der Tanzfläche.“

Beim TSC verhalf man schon vielen Braut- und Schützenkönigspaaren zu einem ansehnlichen Tanzauftritt mit Wow-Effekt. „Und so mancher Herr war verwundert darüber, wie sehr er in der Gunst der Damenwelt gestiegen ist, seit er tanzen lernte.“ schmunzelt Sabine Diel.

Hirntraining im Kampf gegen Alterserscheinungen

Tanzen ist gut für die Fitness, soviel steht fest. Aber darüber hinaus ist es auch ein wunderbares Mittel im Kampf gegen das Alter. „Auch das Gehirn will trainiert sein“, weiß Susanne Pohlner. „Die Bewegungsabläufe müssen im Kopf koordiniert werden und von dort in die Beine gelangen. Das Merken von Schrittfolgen, das Reagieren auf die Bewegungen des Partners, das alles erfordert Konzentration und Aufmerksamkeit, und dieses wiederum kann bis ins hohe Alter hinein durch den Alltag und sogar im Kampf gegen Alzheimer helfen.“

„Aber in erste Linie macht es halt unglaublich viel Spaß!“, wirft Harald Schönfeld ein, und die vier Tänzer wissen aus Erfahrung, dass sich dieses Gefühl durch alle Altersklassen zieht. „Bereits die Kleinen aus dem Assinghauser Bewegungskindergarten, mit dem wir eine Kooperation pflegen, sind mit ganzem Herzen dabei“, freut sich Matthias Beinhauer. Eine weitere Kooperation besteht mit dem Bigger Josefsheim, und so wird seit längerer Zeit auch Rollstuhltanz angeboten. Das ist für unseren Verein ein wichtiges Anliegen.“

Vom Reden kommt man nicht aufs Siegertreppchen! Die beiden Paare müssen zurück aufs Parkett, denn das nächste Turnier steht bevor. Durchschnittlich alle vier Wochen besuchen sie eines irgendwo in Deutschland, und wie es scheint, wird es dabei künftig wieder des Öfteren hohe Bewertungen für die (Wieder-)Einsteiger vom TSC Olsberg geben. WOLLen wir ihnen dabei viel Freude und Erfolg wünschen!