Einen Ausritt mit Autorin Lisa Keil

Herrliches Wetter und ein blühendes Rapsfeld. Carla und Lisa beim Interview zu Pferd. (Fotos: Antonia Volmert)

Ein Interview zu Pferd

Von Carla Wengeler – Fotos: Antonia Volmert

An einem sonnigen Maitag mache ich mich auf den Weg nach Ense. Die Autorin Lisa Keil hat mich auf einen Ausritt eingeladen. Am 27. März dieses Jahres erschien ihr Debütroman „Bleib doch, wo ich bin“. Ich habe mit Lisa über ihr Buch gesprochen, aber auch über das Sauerland, in dem sie nun Wurzeln geschlagen hat.

Im Gespräch vertieft.

Warum Sauerland?
Lisa strahlt, als sie mich begrüßt. Zusammen holen wir Sunday und Radieschen von der Weide und machen sie für unseren Ausritt fertig. Das Wetter ist traumhaft, und wie sich das Sauerland so von seiner schönsten Seite zeigt, frage ich Lisa danach, wie sie eigentlich in unsere Region gekommen ist. „Der Kühe wegen“, antwortet sie und spricht von ihren Lieblingstieren. Nach dem Abschluss ihres Studiums bewarb sie sich bei einer Großtierpraxis in Neheim-Hüsten. „Mein Mann und ich haben uns hier sehr schnell zu Hause gefühlt, obwohl wir ursprünglich nicht geplant hatten, für immer zu bleiben. Irgendwie ist es wohl genau die richtige Region für uns. Wir haben alles, was
wir brauchen und fühlen uns sehr wohl hier.“

Ein Tag im Leben von Lisa Keil
Inzwischen im Sattel sitzend frage ich Lisa, wann und wie sie als Tierärztin und Mutter noch Zeit zum Schreiben findet. „Ein Schreibtag beginnt, wenn die Kinder aus dem Haus sind und meine beste Freundin auf einen Kaffee vorbeikommt. Wenn sie
dann zur Arbeit aufbricht, greife ich zu Papier und Stift und lege los.“ Meist schreibt sie zwei Stunden lang und widmet sich dann dem Organisationskram, den das Autorenleben so mit sich bringt. Der Schreibtag endet, wenn die Kinder wieder nach
Hause kommen oder sie in die Praxis fährt.

Das Tolle auf dem Land
Langsam schlagen wir den Weg zurück zum Stall ein und starten zu einem letzten kurzen Trab. Da Lisa im großen Frankfurt am Main aufgewachsen ist, frage ich sie, ob sie das „Bekanntsein“ im Sauerland der Anonymität einer Großstadt vorzieht. Das tut
sie, denn sie mag das Gemeinschaftsgefühl in der Nachbarschaft und im Ort. „Ich mag es, ,sich zu kennen‘, sich füreinander zu interessieren und sich irgendwie füreinander verantwortlich zu fühlen und zu kümmern. Mit meinem Roman habe ich das noch mal ganz besonders intensiv gemerkt. Der ganze Ort freut sich mit mir, ist stolz, unterstützt mich und liest ,Bleib doch, wo ich bin‘, den Roman ,aus Ense‘. Das wäre in der Stadt bestimmt anders.“

Autorin Lisa Keil und WOLL Volontärin Carla Wengeler.

Auf Wiedersehen
Lisa signiert mir noch meine Ausgabe von „Bleib doch, wo ich bin“. Auf Instagram findet man ihr Profil unter @schreibwasduliest und ich frage mich, ob das auch ihr Autorenmotto ist. „Ja, das ist ein guter Ausdruck dafür“, sagt sie. „Das Landleben, der Tierarztberuf, Pferde, Freunde, Chaos, selbstbewusste Frauen, Männer jenseits des coolen ,Bad Guy‘-Klischees, das sind alles Dinge, die mir am Herzen liegen, also schreibe ich darüber.“ Ich bedanke mich bei Lisa für den tollen Vormittag und die Radieschen-Leihgabe und ich bin sicher, dass wir uns noch mal wiedersehen werden. Am liebsten bei einem weiteren „Interview zu Pferd“.

Der Roman
Lisa Keil: Bleib doch, wo ich bin
Fischer Verlag, ISBN: 978-3-596-70397-5,
UVP: 9,99 Euro