🖊️ Matthias Koprek  📷 Thorsten Wiegelmann, Ruhrverband

Ob Spaziergänger oder Wanderer, Mountainbiker oder Radfahrer, Badegäste oder Segler, Sonnenhungrige oder Vergnügungslustige – der Möhnesee lockt sie alle an. Was aber nur die wenigsten wissen: Der größte See Nordrhein-Westfalens ist ein in der Szene bundesweit bekanntes Angelgewässer, das einen hervorragenden Ruf genießt. Das ist nicht zuletzt dem zum Ruhrverband gehörenden Fischereigehöft zu verdanken, das für einen exzellenten Fischbestand im Möhnesee sorgt.

Insgesamt 15 verschiedene Fischarten schwimmen unter der spiegelnden Wasseroberfläche, die rund zehn Quadratkilometer einnimmt, wenn der See – so wie jetzt – beinahe randvoll ist. Mit Abstand am häufigsten vertreten – und damit auch das Objekt der Begierde für die meisten Angler – sind der Flussbarsch und der Hecht. Nicht zuletzt deshalb zählt der Möhnesee zu den besten Raubfischgewässern in Deutschland.

Während die Barschangelei vor allem im Frühjahr, wenn sich das Wasser langsam aufheizt, auch vom Ufer aus durchaus erfolgversprechend ist, erweist sich der Zander schon als größere Herausforderung. Er ist vor allem im Wameler Becken, östlich des Stockumer Damms, zu finden und erfordert deutlich fortgeschrittenere Überlistungskünste.

„Die Fische machen im Jahresgang horizontale Wanderungen“, erklärt Markus Kühlmann, der den Fachbereich Fischwirtschaft/Fischökologie beim Ruhrverband leitet und somit nicht nur für den Fischbestand im Möhnesee, sondern in allen acht Talsperren des Verbandes zuständig ist. „Jetzt im Frühling kann man gut vom Ufer aus angeln, weil sich die Fische in den flacheren Bereichen aufhalten. Im Hochsommer zieht es die Tiere ins tiefere Freiwasser, sodass man um diese Zeit vom Boot aus um ein Vielfaches erfolgreicher ist.“

Ruhrverband bewirtschaftet den See nach gewässerökologischen Gesichtspunkten

Zusammen mit sechs Mitarbeitern und Auszubildenden ist Kühlmann für die fischereiliche Bewirtschaftung der Talsperren zuständig. Seine Aufgabe ist es jedoch nicht, den Möhnesee so zu bewirtschaften, dass es den Anglern gefällt. Vielmehr stehen gewässerökologische und fischbiologische Gesichtspunkte im Vordergrund. Manchmal lassen sich die unterschiedlichen Interessen aber dann doch ganz gut vereinen. Denn die Raubfische im Möhnesee, für die viele Angeltouristen weite Wege auf sich nehmen, sind auch der Wasserqualität förderlich. Sie vertilgen sogenannte Massenfischarten, die bei übermäßiger Population zu viel Zooplankton fressen würden. Das Plankton ist jedoch notwendig, um die Wasserqualität positiv zu beeinflussen. Und die wiederum ist letztlich der Hauptgrund, warum der Ruhrverband aktive Fischwirtschaft betreibt.

Etwa ein Jahr braucht das Wasser, das über die Möhne und Heve in den See fließt, bis es über den Ausgleichsweiher unterhalb der Sperrmauer die Talsperre wieder verlässt. „In dieser Zeit hat der Möhnesee durch seine gute Biologie fast den Effekt einer Biokläranlage, wenngleich das natürlich nichts mit Abwasser zu tun hat“, sagt Markus Kühlmann. Das funktioniert aber nur, wenn alle Nahrungsstufen individuell an den Lebensraum angepasst sind. Die Fische stellen dabei das letzte Glied der Nahrungskette dar.

Und so hat Kühlmann letztlich doch einen guten Fischbestand als Ziel. Durch die für Talsperren typischen schwankenden Wasserstände finden nicht alle Arten in jedem Jahr geeignete Lebensräume, um sich auf natürlichem Wege zu vermehren. Deshalb gehört zum Fischereigehöft in Körbecke auch eine Fischzuchtanlage. Die gibt es übrigens schon seit 1967. Allein für den Möhnesee werden hier jährlich eine Millionen Große Maränen, 800.000 Hechte und 700.000 Quappen gezüchtet, die als wenige Millimeter große Jungtiere ins Gewässer kommen und zum Teil gefressen werden, bevor sie eine für Angler relevante Größe erreicht haben. Auch Karpfen, Seeforellen und Zander werden dem See zugesetzt. Letztere vermehren sich hier zwar durchaus auch natürlich, sind aber eine Delikatesse für die Kormorane, denen die Jagd auf den vorzüglichen Speisefisch im Herbst leicht fällt.

Catch and Release wird kritisch gesehen

Obwohl der Zander auch vielen Anglern mundet, landet er längst nicht immer in der Pfanne. Sehr zum Leidwesen von Fischereimeister Kühlmann. Das bei Anglern heute so populäre Catch and Release (Fangen und Freilassen) sieht er kritisch, weil es in seinen Augen nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Schon gar nicht, wenn es nur noch darum geht, einen kapitalen Fisch zu fangen und mit diesem für ein Foto zu posen, bevor er danach wieder freigelassen wird. Trotz allem holt jeder Angler jährlich im Schnitt 20 Kilogramm Fisch aus dem Möhnesee. Rund 800 Jahreslizenzen verkauft der Ruhrverband für das zwischen Haar und Arnsberger Wald landschaftlich reizvoll gelegene Gewässer. Neben dem Fischbestand und der Naturidylle sorgt die gute Verkehrsanbindung für ihr Übriges.

Wer von weiter weg zum Angeln an den Möhnesee kommt, der mietet sich hier häufig nicht nur ein Boot, sondern bucht gleich ein komplettes Angelguiding. Zum Beispiel bei Ulrich Beyer, der in Angelkreisen deutschlandweit unter seinem Spitznamen Uli bekannt ist. Die Leidenschaft fürs Angeln entflammte bei dem 57-Jährigen, als seine Großmutter ihm ein Kinderangelset schenkte. Seitdem hat er sich zu einem echten Experten gemausert, der sein Wissen in Büchern, Fachmagazinen und seit etwa einem Jahr auch auf YouTube weitergibt.

„Erfolgversprechend sind am Möhnesee aber nicht nur Barsch und Hecht, sondern auch die Große Maräne“, verrät Beyer. „Der prächtige Bestand hat sich bis nach Bayern und Österreich herumgesprochen. Das Angeln mit Kunstködern auf Maränen funktioniert am Möhnesee ganz ausgezeichnet.“

Mit Ködern kennt sich Uli Beyer aus. Seit 1990 hat er in Dortmund ein Angelfachgeschäft, das er erst vor wenigen Wochen verkauft hat. Ein klares Bekenntnis zu seinem Heimatgewässer, für das er gern Werbung macht und an dem er seit 2012 wohnt. „Seitdem weiß ich, dass ich viel zu lange in der Großstadt gelebt habe“, resümiert der angesehene Angelexperte.