🖊️ Anke Kemper  📷 S. Droste

Ein Bus auf der Bühne der Schlossberghalle? Das Burgtheater Eversberg macht es möglich. Seit nunmehr 20 Jahren begeistert die engagierte Theatergruppe ihre Zuschauer jährlich im Herbst an zwei Sonntagen. Im Jubiläumsjahr mit einem Stück aus der Feder der 2. Vorsitzenden Janine Temmhoff.

Es ist bereits das fünfte Mal, dass die Theatergruppe eine Komödie ihrer 2. Vorsitzenden Janine Temmhoff aufführt. Dieses Mal geht es auf eine turbulente Safari durch das unerforschte Sauerland. Los geht es an den Bruchhauser Steinen, führt bis zum Tierpark in Warstein und endet bei einer Bierprobe am Stimmstamm. Auf dieser Reise lernen die Zuschauer das Land der tausend Berge und seine Bewohner von einer besonderen Seite kennen. Das, was jährlich bei den Aufführungen geboten wird, ist zunächst einmal Arbeit. Die Stückauswahl, die vielen Proben, das Bühnenbild. Eine Busattrappe auf die Bühne zu bringen, ist eine besondere Herausforderung, die von Andreas Batroff umgesetzt wird. WOLL durfte bei einer Intensivprobe zuschauen und sich davon überzeugen, dass die Schauspielerinnen und -spieler Spaß an ihrer Arbeit hatten. Alte Hasen und neue Mitspieler gleichermaßen. Denn ein solches Projekt kann nur durch hohen Einsatz eines jeden realisiert werden. Die Sache ernst nehmen und trotzdem Spaß haben ist hier das Erfolgsgeheimnis.


WOLL sprach mit dem Spielleiter Berthold Zeppenfeld, der seit den Anfängen dabei ist. Er ist außerdem bei der Kulturellen Vereinigung Schmallenberg zuständig für die Auswahl der Gastspiele im Bereich Theater/Kabarett und für die Stadt Meschede seit diesem Jahr im Bereich Theater beratend tätig.


WOLL:

Herr Zeppenfeld, seit 20 Jahren sind Sie Spielleiter bei der erfolgreichen Theatergruppe. Wie sind Sie an diesen „Job“ gekommen?

B. Zeppenfeld:
Nach ersten Erfahrungen mit einer Theater-AG am Gymnasium der Stadt Meschede habe ich in meinem Heimatort Grafschaft zwei Stücke zur Geschichte des dortigen Klosters inszeniert. Nach einer Premiere im Jahr 1997 war ich dann von Theaterinteressierten aus Eversberg, wo ich seit 1985 wohne, umringt, die sagten: „ Jetzt musst du aber auch mal bei uns Theater machen.“ Mit dieser Gruppe habe ich dann 1998 das erste Stück „Ein Diamant im Sofakissen“ einstudiert und seitdem alle Jahre wieder.

WOLL:
Wer sucht beim Burgtheater die Stücke aus?

B. Zeppenfeld:
Es bildet sich jährlich eine Arbeitsgruppe von drei bis fünf Personen, die mich bei der Stückauswahl unterstützen. Ich treffe aus dem Angebot der Verlage eine Vorauswahl, lese selbst dabei bis zu 25 Stücke. Daraus lege ich dann drei bis vier der Arbeitsgruppe vor und wir entscheiden, welches Stück es werden soll.

WOLL:
In diesem Jahr spielen Sie zum fünften Mal eine Komödie aus der Feder Ihrer 2. Vorsitzenden Janine Temmhoff, die auch selber mitspielt. Welche Herausforderung ist das für Sie als Spielleiter?

B. Zeppenfeld:
Ich finde es toll, dass mit Janine eine aus unseren Reihen zur Autorin geworden ist und sie wirklich schöne Stücke geschrieben hat. Da sie unsere Schauspieler/innen und die Rahmenbedingungen sehr gut kennt, ist es zumeist einfacher, ihre Stücke zu inszenieren, als sich in fremde Stücke einzuarbeiten. Wenn es Änderungswünsche gibt, kann ich die direkt mit der Autorin diskutieren. Die Stücke sind im Übrigen auch für andere Bühnen sehr gut geeignet, so dass ich Janine wünsche, dass sie auch anderswo Erfolg damit hat.

WOLL:
Spielen Sie auch schon mal mit?

B. Zeppenfeld:
Auf der Bühne habe ich gelegentlich kleine Nebenrollen übernommen, sorge aber ansonsten bei den Aufführungen hinter den Kulissen dafür, dass alles perfekt läuft.

WOLL:
Wo sehen Sie die Zukunft des Amateurtheaters im Sauerland? Gibt es auch bei Jüngeren Interesse am Schauspiel?

B. Zeppenfeld: 
Nach meinem Eindruck sind die zahlreichen Laientheater in der Umgebung sehr gefestigt und werden genau wie wir in Eversberg auch in der Zukunft Aufführungen zeigen. Das verdanken sie in erster Linie einem „harten Kern“ von Theaterbegeisterten und es finden sich immer wieder Menschen, die sich von der Begeisterung anstecken lassen. Wir haben zuletzt zwei Jugendliche einbezogen, die sicher auch weiterhin mitmachen werden. Für die Nachwuchsarbeit könnte man sicher mehr tun, indem man z. B. eine Kinder- oder Jugendgruppe bildet, die geeignete Stücke aufführt.

WOLL:
20 Jahre Spielleiter ist eine lange Zeit. Denken Sie schon mal ans Aufhören?

B. Zeppenfeld:
Solange ich einigermaßen fit bin, werde ich sicher nicht ganz aufhören. Aber in den nächsten Jahren möchte ich mich auch darum kümmern, die Verantwortung für die Spielleitung mit anderen zu teilen. Vielleicht schließt sich auch der Kreis, wenn ich mich beim nächsten Jubiläum des Klosters in Grafschaft noch einmal in meinem Geburtsort einbringe.