Heimat im Herzen

50 Jahre Schweizer Club Hochsauerland

🖊️ 📷 Nicola Collas

Was fällt Ihnen zur Schweiz ein? Berge, Käse, Schweizer Uhren, Kräuterbonbons und Heidi sind nur ein paar Begriffe, die viele mit der Schweiz verbinden. Für Elisabeth Kappus aus Meschede-Höringhausen ist die Schweiz viel mehr: das Land ist ihre Heimat.

Club-Gründerin Elisabeth Kappus und Tochter Eva Romahn blättern in Erinnerungen

Die 84-jährige Elisabeth Kappus wurde in Basel geboren, kam Anfang 1961 ins Sauerland. Ihr Mann – ein Schwabe – bekam als Ingenieur in der Holzbranche keinen Job in der Schweiz. „Ich habe zu ihm gesagt: Ich gehe dahin, wohin du gehst.“ Und so landete sie damals – hochschwanger mit dem dritten Kind – zunächst in Fredeburg, später in Osterwald und dann in Höringhausen, wo sie heute noch „im letzten Haus am Wald“ lebt. Auf die Frage, ob sie je Heimweh gehabt habe, sagt sie entschlossen: „Ich habe vier Kinder in viereinhalb Jahren bekommen, da hatte ich gar keine Zeit unzufrieden zu sein.“ Außerdem suchte Elisabeth Kappus Kontakt zu anderen Schweizerinnen im Sauerland. Auf dem Schützenfest in Bödefeld traf sie damals die Schweizerin Olga Albers, die zu Besuch war und später mit ihrem Mann in dessen Heimatort Bödefeld zog. Die Familien freundeten sich an. „Ich dachte mir damals: Vielleicht gibt es hier ja noch andere Schweizerinnen außer uns beiden. Ich wandte mich an das Konsulat, das aber keine Namen herausgeben durfte.“ Elisabeth Kappus hinterließ ihre Adresse und nach und nach meldeten sich Schweizerinnen, u.a. aus Medebach. Die Frauen gründeten 1968 den „Schweizer Club Hochsauerland“, der sich seitdem mindestens einmal im Jahr zum Schweizer Nationalfeiertag am 1. August trifft. Mittlerweile organisiert die zweite Generation das Treffen. Eva Romahn, die Tochter von Elisabeth Kappus, lud zum 50-jährigen Bestehen die Alphornbläser aus Remblinghausen ein; aus FIMO fertigte sie für alle Schweizerinnen das Landeswappen als Halskette an.

WOLL-Mitarbeiterin Nicola Collas und Club-Mitglied Olga Albers

Auch Ewald Richter aus Remblinghausen feierte mit. Der 87-Jährige erinnerte sich daran, wie er seine Schweizer Frau Friedel, die mittlerweile verstorben ist, kennenlernte: „Ich arbeitete als Schreiner in Zürich und ging mit einem Bekannten zum Turnfest. Wir saßen zwei Mädchen gegenüber. Mit der einen habe ich getanzt und sie wurde meine Frau.“ Nach der Feier brachte er Friedel nach Hause. „Wir sind am Zürichsee entlang gegangen. Der Weg konnte nicht lang genug sein“, lacht Ewald Richter. Die beiden verabredeten sich immer wieder, bis der Sauerländer in der Schreinerei des Vaters gebraucht wurde und zurück ins Sauerland musste. Die Liebe hielt auch über die Entfernung. Die beiden telefonierten nie, sondern schrieben sich Liebesbriefe. „Heute bin ich froh, dass ich diese Briefe habe.“ 1959 heirateten Ewald und Friedel Richter standesamtlich, 1960 kirchlich. Sie bekamen vier Töchter. Die Schweizerin fühlte sich auf Anhieb in Remblinghausen wohl. „Ich habe nie von ihr gehört: Wäre ich doch da unten geblieben.“

Alphornbläser Remblinghausen
spielen zum Jubiläum

Zu den Treffen des „Schweizer Club Hochsauerland“ kommen auch regelmäßig Heidi Sprengel aus Wehrstapel und Anni Seifert aus Meschede-Stesse. Hier können sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten. Heidi Sprengel kam 1993 der Liebe wegen ins Sauerland und lebte sich schnell ein, weil die Sauerländer „schon sehr herzlich sind“. Auf die Frage, was sie am meisten vermisst, antwortet sie ohne Nachzudenken: die Berge. Auch Anni Seifert, die seit 1973 im Sauerland lebt, ergeht es so. Sie und ihr Mann haben drei Söhne, die auch den Schweizer Pass haben. „Meine Enkelin erzählt immer ganz stolz: Ich bin Deutsche, Schweizerin und auch noch Schalke!“