Auf dem Weg zur Klimastadt: Erste Erfolge dienen als Ansporn

Stadt Warstein spart jährlich mehr als 316 Tonnen CO2 ein - und speichert ein Vielfaches im Wald

Das Mühlrad der historischen Stütings Mühle erzeugt so viel Strom aus Wasserkraft, wie 30 Vierpersonen-Haushalte verbrauchen Foto: sabrinity.com

Warstein, 5. April 2019. Städte und Regionen sind Vorreiter in Sachen Klimaschutz und Klimaanpassung. Schließlich sind sie im Kampf gegen den Klimawandel am stärksten gefordert.“ So hat es Ministerpräsident Armin Laschet auf der kommunalen Klimaschutzkonferenz in Bonn 2017 formuliert. „Die Stadt Warstein konnte auf Einladung von Ministerpräsident Laschet an der Konferenz teilnehmen, denn wir setzen hier vor Ort bereits viele der seinerzeit formulierten Ziele um. Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen, sondern müssen permanent weitere Potenziale auftun und nutzen. So entwickeln wir uns zur Klimastadt Warstein“, erklärt Bürgermeister Thomas Schöne.

Als Klimastadt eignet sich Warstein schon alleine aufgrund der enormen Waldfläche von 8.670 Hektar. Dieser Wald neutralisiert rund ein Drittel des Kohlendioxids, das die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Warstein produzieren. Allein der 4.800 Hektar große Stadtwald speichert 46.000 Tonnen CO2 jährlich. Dazu trägt vor allem bei, dass im Wald nachhaltige Forstwirtschaft betrieben wird: Bereits seit 2002 ist der Forstbetrieb der Stadt Warstein als nachhaltig in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht PEFC-zertifiziert. „Zu einer effektiven CO2-Senke wird ein Wald insbesondere dann, wenn Holz entnommen und nachhaltig genutzt wird, etwa bei Bauprojekten“, unterstreicht Edgar Rüther, Leiter des Sachgebiets Forst. Geplant ist, das neue Feuerwehrhaus in Warstein überwiegend aus – selbstverständlich PEFC-zertifiziertem – Holz zu errichten.

Auch durch die Renaturierung des 5.000 bis 10.000 Jahre alten Hochmoors am Kapellenplatz 2004 trägt die Stadt Warstein dazu bei, die CO2-Speicher-Kapazitäten des Moores weiter zu füllen. Rüther: „Intakte Moore saugen Niederschläge auf wie Schwämme, dadurch schützen sie bei Hochwasser vor Überflutung. Außerdem speichern sie noch mehr CO2 als Wälder es können.“

Weniger Kohlendioxid produzieren

Noch besser als CO2 zu binden ist es, Kohlendioxid gar nicht erst entstehen zu lassen. Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung war die Senkung des Strombedarfs bei der Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet Warstein: In einem ersten Schritt hat die Stadt Warstein 2011 die Straßenbeleuchtung auf eine Halbnachtschaltung umgestellt – mit gleichbleibender Sicherheit für Straßenverkehr und Bürgerschaft. Ab 2015 wurden die bisherigen Leuchtmittel nach und nach gegen LEDs ausgetauscht, um den Stromverbrauch zu senken. Insgesamt betrachtet führten die Maßnahmen zu einer Halbierung des Stromverbrauchs innerhalb von zehn Jahren. Leiter des Fachbereichs Infrastruktur Matthias Seipel: „Damit spart die Stadt Warstein in jedem Jahr 316 Tonnen CO2 ein! Maßnahmen wie diese führt die Stadt Warstein nach und nach konsequent durch, beispielsweise werden die Innenbeleuchtungen der Schulen auf LEDs umgestellt. In der Liobaschule haben wir die Wärmeversorgungsanlagen einschließlich Pumpen, Heizkreise und Steuerung saniert und erreichen damit eine 20-prozentige Einsparung.“

Mit einer Waldfläche von 8.670 Hektar zählt die Stadt Warstein zu den wichtigsten CO2-Senken in Deutschland Foto: sabrinity.com

Bei den Fahrzeugneubeschaffungen beim Betriebshof achtet die Stadt Warstein seit Jahren auf effiziente Fahrzeuge mit den allerneusten Euro-Normen. Leistungsfähige, sehr sparsame Fahrzeuge sind mit effizienten Antrieben im Einsatz, damit die CO2-Emissionen reduziert werden.

Großes Potenzial für Energieeinsparung durch die Bürgerinnen und Bürger besteht auch für ältere Gebäude in Warstein. Hierfür bietet die Stadt Warstein in Kooperation mit dem Expertennetzwerk „Sanieren mit Zukunft“ des Kreises Soest an jedem zweiten Donnerstag im Monat Beratungen für energetische Sanierungen und generationengerechtes Bauen an. Info und Anmeldung bei Margit Wulf, 81-210 oder m.wulf@warstein.de. Auch das Rathaus Warstein wird aktuell unter energetischen Gesichtspunkten saniert, was durch Heizkosten-Einsparungen zukünftig auch den Geldbeutel der Bürgerinnen und Bürger schonen wird.

Stärkung der Artenvielfalt

Mit der Renaturierung von Flusslandschaften im Stadtgebiet leistet die Stadt Warstein (in Kooperation mit verschiedenen Partnern) einerseits einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung und Stärkung der Artenvielfalt. Denn durch die Erweiterung der Ökosysteme werden neue Lebensräume für zahlreiche Tierarten geschaffen sowie eine Basis für Nahrungsnetze gelegt. Andererseits sind die Maßnahmen bereits eine Schutzmaßnahme vor den Auswirkungen des Klimawandels: Durch stark mäandernde Flüsse wird die Fließgeschwindigkeit reduziert, natürliche Überschwemmungsgebiete sind hilfreich gegen Hochwasser bei Starkregenfällen. Ganz konkret: Im Projekt Möhne Life hat der Kreis Soest an vielen Stellen des Möhnetals auch auf Warsteiner Stadtgebiet naturnahe Gewässerstrukturen geschaffen. Markus Teutenberg, bei der Stadt zuständig für Gewässer, ergänzt: „Die Stadt Warstein hat in der Wäster am Bullerteich und hinter dem Haus Kupferhammer Fischtreppen angelegt. Der Kreis Soest hat zwischen dem Puddelhammer und der Kläranlage Wehre abgebaut. Beides fördert die Wandermöglichkeit der Fische in den oberen Lauf Wäster. Derzeit noch in Arbeit sind Projekte an den Westerwiesen in Belecke und zusätzliche Projekte im innerstädtischen Bereich Warstein.“ Bereits umgesetzt sind zwei Stauwehre nahe der Warsteiner Brauerei zum Schutz gegen Starkregenereignisse.

Die renaturierte Flussauenlandschaft im Möhnetal bringt gleich mehrere Vorteile: Sie stärkt die Artenvielfalt (Ökosysteme), ist wirksamer Überschwemmungsschutz und begeistert Touristen und Naherholung Suchende beim Befahren des Möhnetalradwegs Foto: sabrinity.com

Weiterhin sorgt der Betriebshof mit dem Anlegen von Blumenwiesen unter anderem im Bergenthalpark und am Waldfriedhof Suttrop für neue Lebensräume und Weideplätze für Insekten. Ingo Schaup vom Betriebshof: „Auch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern hat ein Umdenken stattgefunden. Naturnahe Blumenwiesen sind über viele Monate hindurch schön, sind jedoch über einige Wochen hinweg auch mal etwas unansehnlicher, weil Pflanzen absterben und ihre Samen verteilen. Dies wird heute verständnisvoller betrachtet als noch vor ein paar Jahren. Viele Bürgerinnen und Bürger legen auch selbst Blumenwiesen in ihren Gärten an.“

Infrastruktur für Elektrofahrzeuge

Auch bei der Unterstützung von Infrastrukturmaßnahmen für Elektrofahrzeuge liegt die Stadt Warstein weit vorne: Die Dichte an Ladesäulen für Elektrofahrzeuge ist – gemessen an der Einwohnerzahl – die höchste in ganz Deutschland. Kein Wunder, gibt es doch mehrere Unternehmen im Stadtgebiet, die wichtige Player in der Produktion von Komponenten für Elektrofahrzeuge sind.

„Wasser ist von jeher ein prägendes Element der Stadt Warstein. So gibt es mehrere Wassermühlen im Stadtgebiet, mit denen heute noch Öko-Strom erzeugt wird. Das Mühlrad der Stütings Mühle beispielsweise, das von vielen ehrenamtlichen Helfern betrieben wird, erzeugt so viel Strom, wie etwa 30 Vierpersonen-Haushalte verbrauchen“, betonen Sabine Leitner, Leiterin des Fachbereichs Bauen und Wohnen, und Matthias Seipel. Sie ergänzen, dass die bisherigen Erfolge als Ansporn für weiteres Klima-Engagement dienen sollten: „Wichtig ist hierbei, dass sowohl die Sachgebiete innerhalb der Verwaltung als auch regionale Behörden und private Initiativen Hand in Hand arbeiten. So können wir alle verfügbaren umweltfreundlichen Technologien voll ausschöpfen und Ökosysteme schützen. Gleichzeitig müssen wir uns an die wohl vor uns liegenden Veränderungen, namentlich den Klimawandel, so gut wie möglich anpassen.“

Renaturierung des 5.000 bis 10.000 Jahre alten Hochmoors am Kapellenplatz: Wichtige CO2-Senke Foto: sabrinity.com
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