Mielinghausen

Hofgeschichte(n): Versunken und neu aufgebaut

🖊️ Peter Neutzler, Christel Zidi   📷 S. Droste

Auf dem Grund des Hennesees liegen die Überreste der Hennedörfer. Der alte Gutshof Hellern musste bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Bau der ersten Staumauer weichen. 1952 wurde der Bau des zweiten Staudamms nötig. Mit seiner Fertigstellung im Jahre 1955 verschwanden auch die Ortschaften Enkhausen, Immenhausen und Mielinghausen in den Fluten des Hennesees. Viele der früheren Einwohner zogen fort, die verbliebenen bauten sich ihre Häuser und Höfe an der Berghängen des Sees neu auf – wie z. B. die Familie Kotthoff.

 

Das alte Mielinghausen

„Mir hat das nichts ausgemacht“, sagt der Mielinghäuser Franz-Josef Kotthoff zu der Umsiedlung Mitte der 1950er Jahre. „Aber ich war ja erst gerade neun Jahre alt. Es war ja alles alt und unpraktisch. Und dann wurde für uns alles neu und schön.“ Sein Vater stammte eigentlich aus Mosebolle. In Mielinghausen lebten sein Onkel und seine Tante kinderlos auf dem Hof. Und wie das in damaliger Zeit üblich war, kam der Neffe aus Mosebolle auf den Hof Kotthoff, den er dann später erbte. Das alte Dorf hatte neben den Höfen eine Gaststätte, die Post und eine Kleemühle. Dazu Kühe, Schweine und eine 400 Tiere zählende Schafherde.

Das neue Mielinghausen

Oberhalb des Stausees, an der Gabelung zu Schüren, wurde das neue Mielinghausen aufgebaut. Die Herde des Schäfers Franz Göbel weidete nur noch einige Jahre im Ort, die fünf Arbeitspferde auf Kotthoffs Hof wurden später vom Schlepper abgelöst. Heute leben die Kotthoffs sowohl von der Viehwirtschaft mit Schweinen und Puten, als auch von der Vermietung der drei Ferienwohnungen und dem Anbau von Weihnachtsbäumen. Seit 2004 gibt es auch die Biogasanlage. „Unser Betrieb ist vielseitig aufgestellt“, sagt Margret Kotthoff. „Von daher hat er auch eine Chance, in der nächsten Generation noch zu bestehen“. Die nächste Generation – damit ist Sohn Andre Kotthoff gemeint. Er trat ganz selbstverständlich in die Fußstapfen seines Vaters. Trotzdem sieht der Alltag des studierten Landwirts heute völlig anders aus. Vater Franz-Josef Kotthoff, der 1974 den Betrieb übernahm, wundert sich da schon mal: „Dass überhaupt heute noch einer das macht. Bei den vielen Auflagen. Der kommt ja aus dem Büro kaum raus.“ Aber er ist sicher: „Wenn es bleibt wie es ist, dann kommen wir schon über die Runden. Man muss ja auch investieren und alles in Schuss halten.“ Sein Sohn Michael übernahm – aus den gleichen Gründen wie ehemals sein Großvater – den Betrieb seines Onkels, den Hof Röttger. Er kennt die Schwierigkeiten: „Man kann sich auf nichts mehr einstellen. Eine Schiene kann in kürzester Zeit wenig lukrativ und uninteressant werden“, so Michael Kotthoff.

Wie schnell sich alles ändern kann – dafür ist nicht immer die Bürokratie verantwortlich. Manchmal verändern auch Naturgewalten einiges. Wie erst vor einigen Jahren: „Wir haben mit Kyrill auch einiges an Wald verloren“, sagt Franz-Josef Kotthoff. Er kann dem Ganzen aber auch etwas Gutes abgewinnen: „Gehen Sie mal auf die Berge und gucken Sie mal, wie schön das ist, wenn man in die Täler reinguckt. Das ist herrlich. Wenn nur noch Wald da ist, dann ist die schöne Landschaft weg.“ Und das hat auch schwerwiegende Folgen für den Tourismus. Die landwirtschaftliche Bewirtung ist eben auch enorm wichtig, so Kotthoff: „Wenn die Landwirtschaft nicht mehr da ist, wächst die Landschaft zu. Fertig.“

Von Mielinghausen nach New York

Die Arbeit in der Landwirtschaft war früher schwer und ist es noch immer. Trotzdem haben die Kotthoffs im Jahre 2010 die Zeit für eine Reise nach New York gefunden. Was kaum jemand weiß: Oben, in Spitze des Empire State Buildings ist Marmor aus dem alten Steinbruch bei Schüren verarbeitet worden. Der Stein ist sehr fest und witterungsbeständig. Eben ein echter Sauerländer, woll?!

Anzeige

inkl. MwSt.
zzgl. Versand

Zum Produkt

inkl. MwSt.
zzgl. Versand

Zum Produkt

inkl. MwSt.
zzgl. Versand

Zum Produkt

inkl. MwSt.
zzgl. Versand

Zum Produkt