Mit einer Neunjährigen auf Zeitreise gehen

Illustrationen: Anke Kemper

Kinderbuchautor Kurt Wasserfall entführt den Leser in eien Sauerländer Kindheit vor 30 Jahren

von Jens Feldmann

Wie erinnern Sie sich an Ihre Kindheit? Wie lange liegt sie schon zurück? Ein paar Jahrzehnte, um die dreißig Jahre vielleicht? Wenn sie einem heutzutage aufwachsenden Kind davon erzählen, dürften die Worte „kein“ und „keine“ häufig vorkommen. Keine Handys, kein Internet, keine PC-Spiele, kein WLAN und kein WIFI, kein Facebook, kein Instagram, kein YouTube, kein et cetera und pp. Manch einem Kind dürfte das regelrecht steinzeitlich vorkommen. Es muss doch unmöglich gewesen sein, den Tag herum zu bekommen, oder!? Keineswegs – und der Kinderund Jugendbuchautor Kurt Wasserfall ist mit seinem neuen Buch „Papa cool“ angetreten, den eindeutigen Gegenbeweis zu liefern.

Der 1952 in Göttingen geborene Wasserfall, 1990 für sein Buch „Ben Makhis oder Die Reise in das Abendland“ mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis ausgezeichnet, ist nach Jahren in Hamburg, Freiburg oder auf Borkum längst glücklich in Jagdhaus daheim. Und eben dort lebt auch die neunjährigen Lena mit ihren Eltern, ihren beiden Brüdern und ihrer Oma. Durch ihre Augen blickt man 30 Jahre zurück auf das Leben im Sauerland, auf eine Kindheit, die sich statt durch Bits und Bytes geprägt zwischen dem Bau von Eidechsenhöhlen und dem Singen für Ziegen, zwischen Flusspiraterie und Kasperletheater entfalten konnte. Das Ganze wird gewürzt durch die eine oder andere kleine bis mittlere Katastrophe, die sich halt einstellen kann, wenn man einen Vater hat, der Bücher schreibt, und eine Mutter, die mitunter samt der Ellbogen auf dem Klavier moderne Musik komponiert. Spätestens hier drängt sich der Gedanke auf, dass Kurt Wasserfall seine Geschichte nicht ganz ohne autobiografische Bezüge erzählt. Und das stets mit einem großen Augenzwinkern. Wie sonst sollte Lena zu dem Schluss kommen, dass das Bücherschreiben „wahrscheinlich nicht so gesund“ für den Kopf sei, weil es ihren Vater offenbar so anstrenge, „dass er im normalen Leben einfach nicht mehr richtig durchblickt.“ Und so wird man als Leser Zeuge manch eines Missgeschicks oder Wutanfalls, denn die tolle Einbrechergeschichte, an der er schreibt, entsteht zwischen Schreibwut und der Wut aufs Schreiben, wenn der Drucker streikt oder das Nachstellen einer Szene schiefläuft.

„An manchen Tagen ist bei uns der Teufel los“, heißt es da bei Lena. Um so sympathischer aber, dass sich die Dinge schnell wieder einrenken, denn Papa ist eben so cool, wie der Titel es sagt, weil er seine kleinen und größeren Fehltritte eingestehen kann. Eine Geschichte ganz so, wie das Leben mitunter eben mal so spielt. Auch im Hause eines Schriftstellers …

Und so gelingt Kurt Wasserfall in seinem mit Bildern von Anke Kemper illustrierten Buch „Papa cool“ der schöne Blick in die Selbstverständlichkeit, mit der die neunjährige Lena die Welt sieht: ohne die großen und zugleich oft allzu nichtigen Ablenkungen des heutigen Lebens, mit beiden Füßen auf dem Boden ihrer Sauerländer Heimat und immer mit einem Lächeln oder Lachen in Augen- und Mundwinkel.