🖊️ Paul Senske  📷 Jürgen Eckert

Es ist eine Liebeserklärung, die aus voller Überzeugung und von Herzen kommt: „Wir leben in einer wunderschönen Landschaft und in einem Dorf mit hoher Lebensqualität“, sagen Karl-Josef Steinrücken und Franz-Josef Klemann. „Unsere Vereine sind die Seele der florierenden dörflichen Gemeinschaft. Sie bekommen das hin, was die Politik nicht schafft.“ Steinrücken ist Ortsvorsteher und Klemann Ortsheimatpfleger von Bruchhausen, dem 1300 Seelen zählenden Ort mit den anziehenden vier Steinen auf dem Istenberg und dem Langenberg, der mit 843 Metern der höchste Punkt in Nordrhein-Westfalen ist. „Wir hängen an unserem Dorf. Hier stimmt der Dreiklang von Leben, Wohnen und Arbeiten.“

Voller Stolz berichten Steinrücken und Klemann von Besuchern, die erstmals den Ort besuchen und von einem „tollen Dorf, in dem man sich sofort wohlfühlt“ erzählen. „Für die Landschaft können wir nichts, aber wir können die Landschaft pflegen“, meint Steinrücken. „Es lohnt sich, unsere schöne Heimat zu gestalten und zu erhalten und für große Lebensqualität im Dorf zu sorgen“, betont Klemann, ein Wanderführer mit dem stolzen Beinamen „Naturschutz-Ranger mit Herz“. „Unsere Vereine sind ein Pfund im Dorf.“ Größter Verein im Dorf ist der TuS Germania mit 700 Mitgliedern.

 

Europäische Goldmedaille 1998

Diese Kombination – Landschaft und Zusammenhalt im Dorf mit der damit verbundenen Lebensqualität – war auch maßgeblich für eine besondere Auszeichnung: Im Oktober 1998 erhielt das Dorf im Rahmen des Wettbewerbs „Entente Florale Europe“ den Titel „Europäisches Golddorf“. Im Abschlussprotokoll des Wettbewerbs ist von „einer wunderschönen Landschaft, die gepflegt wird“ und vom „vorbildlichen Engagement der Menschen bei der Entwicklung des Dorfes“ die Rede. „Für uns war das natürlich was ganz Besonderes“, sagt Steinrücken. „Wir sind als Vertreter der Bundesrepublik ausgewählt worden, weil wir uns in einer Qualifikationsrunde in NRW unter anderem gegen drei Golddörfer durchgesetzt haben. 13 europäische Länder waren in Cascais nahe Lissabon in Portugal am Start, wir haben die europäische Goldmedaille gewonnen.“ Zugleich fügt der Ortsvorsteher hinzu: „Auf Bundesebene haben wir noch kein Gold gewonnen, bisher nur Silber. Landesgold haben wir aber.“

Die Auszeichnung auf europäischer Ebene sorgte für einen weiteren Aufschwung, nicht nur was das Image betrifft. „Dadurch ist der Ort bekannter geworden“, so Klemann. Anziehungspunkt waren und sind die vier Bruchhauser Steine, „ein Naturdenkmal mit einem prähistorischen Hintergrund von rund 380 Millionen Jahren“. Die Reste einer vor 2500 Jahren gebauten Wallburganlage sind noch zu erkennen. Die Bruchhauser Steine sind das erste nationale Naturmonument in NRW und das zweite in Deutschland. Die Stiftung Bruchhauser Steine kümmert sich um dieses Naturschutzgebiet und archäologische Reservat. Ein Informations- und Service-Center bietet beste Anhaltspunkte. Hier ist Franz-Josef Klemann in seinem Element. Der Naturschutz-Ranger der Bruchhauser Steine bringt vor allem Kindern die Natur nahe. „Die Arbeit mit Schulklassen bereitet große Freude, aber auch mit Erwachsenen.“ Rund 2000 Personen betreut und begleitet er jährlich „in der herrlichen Natur mit essbaren Pflanzen und der ewigen Quelle“.

 

Das Dorf der Nagelschmieden

Bruchhausen ist das Dorf der Nagelschmieden. Eine alte Schmiede hat die Dorfgemeinschaft liebevoll nachgebaut.

Aber nicht nur die vier Hauptfelsen – Bornstein, Feldstein, Goldstein, Ravenstein – locken, auch das Dorf „hat etwas“. Es ist gemütlich, ja „schnuckelig“, es vermittelt Heimat. Bruchhausen galt lange als Dorf der Nagelschmieden. „Es gab seinerzeit rund 70 kleine Nagelschmieden, auch Nagelschmitten genannt“, erzählt Steinrücken. „Für die Menschen waren sie ein Nebenerwerb, praktisch ein Zubrot.“ Eine (nachgebaute) Nagelschmiede ist Dokument dieser Zeit. Auch der Dorfplatz, der umgestaltet werden soll, ist ein Ort zum Verweilen. Das Wasserschloss lockt ebenfalls die Touristen, die mit dem Skigebiet „Auf dem Sternrodt“ und einer Gleitschirmflug-Anlage weitere Freizeit-Möglichkeiten haben.

„Gewerbegebiet ist ein richtiges Pfund für den Ort“
Herrliche Landschaft und Lebensqualität im Ort: Eine dritte Komponente ist das kleine, grüne und prosperierende Gewerbegebiet. „Für uns ist das ein richtiges Pfund“, erklärt Steinrücken. „Es bietet rund 200 sichere Arbeitsplätze.“ Voller Stolz berichtet der Ortsvorsteher, dass Bruchhausen „ein Vorreiter für Gewerbegebiete der Dörfer“ gewesen ist. „Unser Gewerbegebiet ist rund um die kommunale Neugliederung in den 1970er-Jahren entstanden und hat sich kontinuierlich entwickelt. Auf einer Gemeinde-Wiese, ja einer Kuh-Wiese, wurden die ersten Betriebe errichtet.“ Steinrücken erinnert sich an die Diskussionen in anderen Orten. „Dort hat man sich teilweise gegen Gewerbegebiete auf den Gemeinde-Huden entschieden. Wir haben damals eine andere Entscheidung getroffen. Sie hat sich als zukunftsweisend erwiesen.“

 

Bunter Mix an Firmen

Nimmt man das Gewerbegebiet mit den deutlich über ein Dutzend Betrieben unter die Lupe, dann fällt der Mix an Firmen unterschiedlicher Couleur auf. „Wir haben eine Reihe kleiner und mittlerer Betriebe und sind gut aufgestellt, wir haben klasse Betriebe, die sich auch zum Ort bekennen“, sagt Klemann. „Neben dem normalen und wichtigen handwerklichen Ansatz sind im Gewerbegebiet Betriebe von regionaler und überregionaler Bedeutung ansässig“, ergänzt Steinrücken. Eine ist Metallguß Steinrücken, eine andere Modell- und Formenbau Wiegelmann. „Teile des Airbusses sind bei Wiegelmann entwickelt worden“, so Steinrücken. „Steinrücken hat das Motoren-Gehäuse für die Rennwagen von Michael Schumacher gegossen.“

Bruchhausen ist also beim „Dreiklang Leben, Wohnen und Arbeiten“ gut aufgestellt: Sich wohlfühlen und dort leben, wo es auch für viele Dorfbewohner Arbeit gibt. Auf die Zukunft angesprochen, wünscht Klemann, „dass wir unser Dorf weiter pflegen und dass die Vereine weiter aktiv“ sind. „Die vielen Vorschriften von oben erschweren das Vereinsleben.“ Steinrücken wünscht, dass die „dörfliche Infrastruktur“ erhalten bleibt: „Wir haben noch ein Lebensmittelgeschäft und einen Bäcker.“ Auch er sieht im Wirken der Vereine sowie in der Arbeit des „starken Pfarrgemeinderates“ die Grundlage des Dorflebens. „Das Dorf muss aktiv bleiben. Es muss in Bruchhausen was los sein.“