Ruhrbrückengeschichte(n)

Bei den Bauarbeiten 1949/50 wurde zuerst die Oberstromseite (Ostseite) der Brücke gebaut. Im Hintergrund ist hier noch die alte, im Krieg teilweise zerstörte Brücke zu erkennen (Archiv Bernd Schulte)

Auf ihrem 219 km langem Weg von der Quelle bei Winterberg bis zur Mündung in Duisburg durchfließt die Ruhr mehr als 200 Brücken, davon allein 30 im Mescheder Stadtgebiet. Die älteste darunter ist die Brücke im Stadtkern, die den Mescheder Norden mit dem Süden verbindet. 

Die Ruhr trockenen Fußes zu überqueren, war in früheren Zeiten ebenso wichtig wie heute. Im mittelalterlichen Meschede hatte man deshalb eine hölzerne Brücke errichtet, die Bürgern der Stadt sowie Handelsreisenden den Weg über die Ruhr erleichtern sollte. Doch da Holz in Verbindung mit Wasser keine dauerhafte Lösung darstellt, entschied man sich zum Bau einer Brücke aus Stein, welche im Jahr 1770 fertiggestellt wurde. Die hohen Baukosten sollten dann durch ein Brückengeld wieder eingesammelt werden. Wen wundert es, dass sich viele, die die andere Flussseite erreichen wollten, für den beschwerlichen Weg durch das Wasser entschieden, ob zu Fuß, per Pferd oder mit der Kutsche? Erst 1812 wurde die Bezahlung der Brückennutzung wieder eingestellt.

Ruhrbrücke mit fünf Bögen

Hier sieht man die bereits fertiggestellte Oberstromseite. Im Hintergrund links ist das Kloster zu erkennen (Archiv Bernd Schulte)

Im Laufe der Zeit erwies sich die steinerne Brücke immer wieder als reparaturbedürftig, bevor sie später durch eine neue Fünf-Bogen-Brücke ersetzt wurde.
Über die Jahrhunderte hinweg wurde die Ruhrbrücke immer wichtiger. Nicht zuletzt auch durch ihre Existenz waren im Mescheder Norden erste Siedlungen und Betriebe entstanden. Umso mehr erschütterte die Bevölkerung die teilweise Zerstörung der Brücke während des zweiten Weltkrieges. Geld für eine Erneuerung fehlte anfangs, und so behalf man sich z. B. damit, dass an beiden Enden Holzleitern angebracht wurden, über die Fußgänger vorsichtig klettern mussten.

Neubau nach dem Krieg

1949 begann dann der Neubau der Ruhrbrücke, so wie wir sie im Wesentlichen auch heute noch kennen. Die bautechnischen Möglichkeiten waren inzwischen u.a. durch die Nutzung von stahlbewehrtem Beton so weit fortgeschritten, dass man sich für die rund 45 Meter lange und 15 Meter breite Brücke für eine Konstruktion mit nur noch drei Bögen entschied. Die Mescheder Firma Ferdinand Lahrmann führte die Baumaßnahmen seinerzeit durch. Dirk Lahrmann, heutiger Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, weiß aus Erzählungen seines Großvaters, dass es damals nicht einfach war, die benötigen Materialien zu beschaffen. „Da musste viel organisiert werden“ erzählt er. „Es war beispielsweise nicht leicht, an Zement zu kommen. Die Holzgerüste, welche zum Bau von Brücken erforderlich sind, haben wir damals in einer eigenen Schreinerei hergestellt.“

 

Seit 1950 mit nur drei Bögen: Die damals neue Ruhrbrücke

Sehr zur Freude der Bevölkerung konnte die neue Brücke dann ab 1950 wieder genutzt werden. Der Straßenverkehr nahm in den Jahren danach stetig zu, und die Mescheder Ruhrbrücke wurde zu einem wichtigen Bestandteil der B55, die PKW- und LKW-Fahrer quer durch die Mescheder Innenstadt führte. Erst durch den Bau der benachbarten Antoniusbrücke und der damit verbundenen Verlegung der Bundesstraße im Jahre 1983 wurde eine Entlastung der Ruhrbrücke möglich.

 

Das Projekt „Regionale 2013“

Nichts hält ewig, wenn es nicht regelmäßig instandgehalten wird. So wurden im neuen Jahrtausend wieder umfangreiche Arbeiten an der Ruhrbrücke erforderlich. Diese hätten den Mescheder Haushalt enorm belastet, hätte es nicht das Strukturprogramm „Regionale 2013“ gegeben. Dieses ermöglichte die Erneuerung von Teilen der Stadt sowie die Steigerung deren Attraktivität mit erheblichen Zuschüssen  des Landes NRW, so auch die Ruhrbrücke nebst angrenzender Ruhrpromenade.

Künftig sollte die Brücke nur noch einspurig für den motorisierten Verkehr genutzt werden. Dafür wollte man mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer entstehen lassen. Hierzu wurden an beiden Seiten breite Bürgersteige angelegt, die heute zum Verweilen, Gucken oder auf ein Schwätzchen einladen. Die Brücke wurde unter Beibehaltung des vorhandenen Kerns komplett neu verkleidet und nach oben hin abgedichtet. Die Ausleuchtung der Brücke erfolgt seitdem über an den Seitenwänden angebrachte Lichtmasten. Zudem wurden unterhalb der drei Bogen Leuchten installiert, die die Ruhrbrücke ab beginnender Dämmerung in ein romantisches, grünes Licht hüllen. Ein echter Hingucker, und im wahrsten Sinne des Wortes ein neues Highlight für die Kreisstadt.

Die Bauarbeiten dauerten rund 18 Monate, bevor die neue Ruhrbrücke im August 2014 feierlich wiedereröffnet wurde. „Wenn sie gut gepflegt und insbesondere vor den Schäden durch Streusalz geschützt wird, dann kann dieses schöne Bauwerk, das zu einem der Wahrzeichen von Meschede geworden ist, noch viele nachfolgende Generationen begleiten“, ist sich Dirk Lahrmann sicher.

WOLL findet, dass wir die Mescheder Ruhrbrücke bei der nächsten Überquerung bewusst wertschätzen sollten; nicht nur deshalb, weil uns heutzutage kein Brückengeld mehr abverlangt wird.

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