Modell für ein freies Leben

Fotos: Philip Stallmeister

Der Künstler Gero Trioke findet seinen Lebenstraum im Sauerländer Forsthaus

von Hermann-J. Hoffe

Es sind die Zufälle des Lebens, die Horizonte öffnen, neue Sicht- und Denkweisen erfordern oder besondere Begegnungen ermöglichen. Es war wohl eher ein Zufall, dass der Esloher Maler Thomas Jessen die Bekanntschaft mit Gero Troike (73) machte. Der gefragte Maler, Bühnenbildner, Autor und Regisseur, der bereits in Berlin, Hamburg und Den Haag ausgestellt hat und der in der internationalen Theaterszene geschätzt wird, siedelte 1984 zusammen mit seiner Familie von Ostberlin in den Westen. Er arbeitete zunächst am Schauspielhaus in Bochum und zog dann nach Völlinghausen an den Möhnesee, wo sich der Naturliebhaber zusammen mit seiner Frau Angela Ende der neunziger Jahre ein Atelier mitten im Wald, im alten Forsthaus Rissmecke, einrichtete.

Foto: Philip Stallmeister

Und der Zufall wollte es, dass der vielseitige Künstler eine Einladung von Thomas Jessen für eine Ausstellung im Rathaus Eslohe annahm, obwohl es dafür weder eine Gage noch die Aussicht auf reichlich Verkäufe von Kunstwerken gab. Selbst die Aufhängung der Bilder erfolgte mit Hilfe zahlreicher Helfer in Eigenregie. In der Ausstellung von Interieur-Motiven, wie sie in der Form erstmalig in Eslohe zu sehen sind, zeigt Gero Troike große und kleine Bilder von Innenräumen und Innenansichten mit sehr unterschiedlichen Lichtverhältnissen. „Ich arbeite immer nach Modellen, die ich mir entweder baue und konstruiere oder die ich im Raum und in der Natur vorfinde.“ Um die äußeren Wirkungen und Einflüsse auf die Stimmung – wie Licht, Wind, Geräusche und sich selbst – richtig zu erfassen, muss an dem Bild immer zur gleichen Zeit gemalt werden. „Man muss sich auf den Moment einlassen, die unscheinbaren Dinge erkennen und alles wahrnehmen und entdecken – sehen und spüren, wie die Welt aussieht“, erklärt der Künstler mit innerer Ruhe und sanfter Überzeugtheit.

Gero Troike hat ein bewegtes Leben hinter sich. Als Wehrdienstverweigerer in der damaligen DDR schützten ihn zwar der Kodex, der besagte, dass junge Künstler wegen ihres Verhaltens nicht abgestraft werden, und der geschützte Raum des Theaters vor Zugriffen und Beeinträchtigungen durch staatliche Behörden, doch insgesamt dreizehn auf ihn angesetzte IMS (Inoffizielle Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes), wie er später aus seinen Stasiakten erfuhr, zeugen auch davon, unter welcher ständigen Beobachtung sein künstlerisches Schaffen und auch sein privates Leben standen. Diese Umstände beschäftigen den Künstler auch noch heute. Wirkliche Freiheit in Gedanken, Worten und Werken ist für Gero Troike das höchste Gut. Diese Freiheit erlebt er mit seiner Frau im Forsthaus Rissmecke. Ohne fließend Wasser und Handy. Dafür hat er das, was heute großer Luxus ist und was kaum jemand hat: Zeit. So findet er die nötige Konzentration für seine Arbeit.

Zufall oder Ziel

Die Ausstellung von 28 Interieur-Bildern im Rathaus Eslohe ist noch bis zum 29. März zu sehen. Während der Öffnungszeiten des Rathauses können sich die Besucher
von den zufällig genau 28 Schaffensjahre umfassenden Werken des Künstlers anregen und beeindrucken. Dabei fallen bestimmt am Beginn der Ausstellung die 28 kleinen Bilder auf, die von 28 Schülerinnen und Schülern der 8. Klasse der Realschule Eslohe unter Anleitung von Gero Troike entstanden sind. Als Teil der Ausstellung hatten die jungen Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, an einem Schultag etwas über die Arbeitsweise und Methoden eines Künstlers zu erfahren. „Durch einen Mini-Bildgucker sollten die Kinder nach Motiven suchen, Linien entdecken und mit einem schwarzen Stift ihre Eindrücke und Empfindungen auf dem kleinen Bild wiedergeben. Einige Kinder brachten zielgenau ihre Wahrnehmungen aufs Papier, andere hatten dagegen vermutlich etwas ganz anderes gesehen. So wird die Unterschiedlichkeit von Wahrnehmung und Realität erkennbar“, erklärt Gero Troike.

Bei der Eröffnung der Ausstellung zu Beginn des Jahres entsprach Bürgermeister Stefan Kersting gerne der Bitte des Künstlers, nochmals in Eslohe ausstellen zu dürfen. Vielleicht sind schon im kommenden Jahr seine Landschaftsbilder und Stillleben zu sehen, von denen einige dem Besucher im Forsthaus Rissmecke gerne vom Künstler gezeigt werden. Jedes Motiv entfaltet seine volle Kraft und Aussage erst durch die Wirkung des Lichtes. Das ist kein Zufall, sondern gewiss das Ziel der Arbeiten von Gero Troike.

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