Neue Erkenntnisse zu Kriegsendphaseverbrechen im nördlichen Sauerland

Neue Funde und gemeinsame Forschungen haben nun Archäologen und Historikern das Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)

AKZ 4516,238: Erschießungsplatz Warstein, Grabung 2018. Fundkonzentration in I/J19-20

Neue Funde und gemeinsame Forschungen haben nun Archäologen und Historikern des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zu neuen Erkenntnissen über die Kriegsendphaseverbrechen im nördlichen Sauerland im Frühjahr 1945 verholfen. Bei den Massakern im Arnsberger Wald bei Eversberg, Suttrop und im Langenbachtal bei Warstein wurden insgesamt 208 Zwangsarbeiter ermordet.

„Ich bin auch gut 75 Jahre danach noch erschüttert von der Barbarei, die in Warstein stattgefunden hat“, sagte der Warsteiner Bürgermeister Dr. Thomas Schöne bei der Präsentation der Forschungsergebnisse im Rathaus. Bei Ausgrabungen Ende 2018 und Anfang 2019 fanden die Wissenschaftler Alltagsgegenstände der Opfer sowie Hinterlassenschaften der Täter und analysierten diese. „Die Auswertungen geben das Bewegungsprofil der Täter wieder und sind eine letzte Botschaft der Opfer“, erklärte LWL-Direktor Matthias Löb.

AKZ 4516,238: Erschießungsstelle Warstein, Grabung 2018. J19 Pl. 2

Die aus dem Rheinland vor der näher rückenden Front Richtung Heimat fliehenden Zwangsarbeiter nutzten die heutige B55 als Weg Richtung Osten. „Sie waren zu falschen zeit am falschen Ort. Sie trafen auf die in SuttropV2-Einheiten von Hans Kammler und der gab den Befehl zur Ermordung“, konstatierte Dr. Marcus Weidner, Historiker vom LWL-Institut für Regionalgeschichte. Als Archäologe begleitete Dr. Manuel Zeiler die Ausgrabungen von LWL-Seite. Er sagte: „Wir haben viele Funde sehr oberflächennah gemacht. Es waren oft die letzten Dinge, die die Leute aus ihrer Heimat noch bei sich hatten, wie Löffel, Schmuck oder sowjetische Münzen.“ Große Wertgegenstände wurde nicht gefunden. Diese wurden ebenso Papiere und verwertbare Kleidungsstücke den Opfern abgenommen. Durch ihre Arbeit möchten die Wissenschaftler helfen, den Menschen eine Identität zu geben. Eine Vielzahl der Toten ist auf der Gedenkstätte Fulmecke in Meschede begraben, aber noch nicht identifiziert. „Die dortige russische Stele muss dringend saniert werden“, berichtete Meschedes Bürgermeister Christoph Weber.

Einen ausführlichen Abendvortrag werden die beiden Wissenschaftler Dr. Weidner und Dr. Zeiler am 21. März ab 18.30 Uhr im Landgericht Arnsberg geben. Dort werden sie dann auch einige ihrer aktuellen Fundstücke präsentieren.

WOLL berichtete bereits über die Mescheder Gedenkstätte Fulmecke (Franzosenfriedhof): https://woll-magazin.de/2018/03/16/der-franzosenfriedhof-eine-gedenkstaette-in-meschede/

Bericht: Philip Stallmeister