Beeindruckendes Zeitdokument

von Andrea Gödde-Kutrieb

Albert Quinkert (1896–1976) schrieb sein Tagebuch, in dem er seine Kriegserlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg aufzeichnete, nicht für die Öffentlichkeit. Dass es nun doch als Buch vorliegt, ist ein glücklicher Zufall.

Albert Quinkert, geboren und aufgewachsen in Eslohe, war nicht aus Überzeugung in den Krieg gezogen. Der junge Mann, der gerade seine Lehre als Drucker bei der Druckerei Glade in Schmallenberg beendet und bei einer Hagener Tageszeitung als Geselle angefangen hatte, wurde wenige Wochen später als „kriegsverwendungsfähig“ gemustert und am 10. März 1916, mit 19 Jahren, zum Militärdienst eingezogen.

Im Krieg wurde er zum Lesenden und Schreibenden. Plastisch schilderte Quinkert – im Verborgenen, denn es war den Soldaten nicht gestattet, Aufzeichnungen mit sich zu führen, die dem Feind in die Hände fallen konnten – die täglichen Geschehnisse und gewährte dabei tiefe Einblicke in sein Garderegiment. In Ruhephasen schrieb er die Aufzeichnungen ins Reine. So füllten sich mehrere Kladden, die Quinkert nach dem Krieg in ein zusammenhängendes Tagebuch mit mehr als 700 Seiten übertrug. An vielen Fronten eingesetzt, ist Albert Quinkert mehrere Male wie durch ein Wunder dem Tod entkommen. Er starb 1976 in Düsseldorf, wo er nach seiner Heimkehr Arbeit fand und eine Familie gründete.

Das besagte Tagebuch hatte er einige Jahre vor seinem Tod seinem Neffen, Ferdi Quinkert aus Eslohe, überlassen. Als das Esloher DampfLandLeute-Museum die Bevölkerung im Jahr 2014 für eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg aufrief, Zeitdokumente zur Verfügung zu stellen, brachte Ferdi Quinkert die Aufzeichnungen seines Onkels dorthin. Sie gelangten zu Karl Arnold Reinartz. Zwei Jahre lang transkribierte er das Tagebuch, das in altdeutscher Schreibschrift verfasst war. Ihm wurde schnell klar, dass er hier ein Juwel vor sich hatte, und setzte sich für eine Veröffentlichung ein. Gemeinsam mit Dr. Karsten Rudolph, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum, hat er jetzt die Transkription als Buch herausgegeben.

Bei der offiziellen Vorstellung des Buches am 24. Oktober ging man auf dessen historische Bedeutung ein: Eine solch umfassende Beschreibung eines einfachen Mannschaftssoldaten gibt es in ähnlicher Weise sonst nicht. Die Tagebuchaufzeichnungen des Autors wurden nicht verändert, sondern nur der heutigen Rechtschreibung angepasst. Die Moderation an diesem Abend übernahm Raffaella Tunzi. Die Studentin der Ruhr-Universität Bochum hatte im Rahmen ihrer Masterarbeit die im Tagebuch geschilderten Gewaltaspekte untersucht.

Auch überregional hat das Buch schon Aufsehen erregt: Für Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion und Leiter des Ressorts Meinung der Süddeutschen Zeitung, ist dieser Band eine Entdeckung, wie er im Newsletter vom 13.05.2018 formuliert: „Es ist ein bewegendes, eindrucksvolles, ein lehrreiches Buch.“

Das Kriegstagebuch des Albert Quinkert (1914–1919)
Reinartz, Karl Arnold; Rudolph, Karsten
ISBN 978-3-402-13308-8

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