5 Fragen auf der WOLL-Bank

Foto: Klaus-Peter Kappest

von Andrea Gödde-Kutrieb

Die Musiklandschaft in Eslohe und seinen Dörfern kann sich sehen oder besser: hören lassen! Hier wird in den unterschiedlichsten Chören gesungen, in Bands und Orchestern gerockt und musiziert. Das alles funktioniert nur, wenn junge Menschen frühzeitig gefördert werden und sich andere dafür engagieren. Einer von ihnen hat diesmal auf unserer WOLL-Bank Platz genommen. Joachim Nowak ist seit 36 Jahren Lehrer und unterrichtet seit 33 Jahren an der Realschule Eslohe. Seine Fächer: Sport, Geschichte und Musik. Während dieser Zeit hat er nicht nur viele Schülergenerationen geprägt, sondern auch die musikalische Vielfalt nachhaltig vorangebracht.

WOLL: Herr Nowak, Ihre Leidenschaft für Musik ist auch über Ihre Funktion als Musiklehrer hinaus in den Schulalltag eingeflossen. Zum Beispiel, indem Sie den Schulchor ausgebaut und vor 30 Jahren den Jungen Chor Eslohe gegründet haben.
Joachim Nowak: Ja. Ich hatte den Schulchor von meiner Vorgängerin Anneliese Ebbeken übernommen und habe diesen sukzessiv ausgebaut. 1987 kamen wir bei dem Wettbewerb „Schulen musizieren“ in die Endausscheidung. So motiviert, gründeten wir mit den Zehntklässlern und den Ehemaligen der letzten beiden Jahre, die weiterhin im Chor singen wollten, 1988 den Jungen Chor Eslohe. Dieser wurde dann nach fünf Jahren von Michael Nathen übernommen. 1994 wurde unser Schulchor überraschend NRW-Vertreter von „Schulen musizieren“, Schirmherr war Bundeskanzler Helmut Kohl.

WOLL: Der Ausbau ging weiter. Mittlerweile existieren allein in der Realschule Eslohe vier verschiedene Chöre: der sogenannte Fünfer-Chor, der große Chor, die Soul Sisters (Leistungschor) und der Musical-Chor. Das klingt nach sehr vielen Probenstunden.
Joachim Nowak: Das klingt nicht nur so. Jeder, der im Chor singt, muss auch üben. Die Übungsstunden absolvieren die Schüler übrigens freiwillig, in ihrer Freizeit, und da kommt vor Auftritten schon einiges zusammen. Etwa 50 Stunden probt der Musical-Chor im Schuljahr zusätzlich. Diese Übungsstunden begleiten mein Kollege Michael Hoffe und Musikstudent Peter Hinz – unentgeltlich.

WOLL: Für wie wichtig halten Sie als Pädagoge Musik, Chor und Musical-Veranstaltungen für die Entwicklung Ihrer Schüler?
Joachim Nowak: Für viele ist das sehr wichtig! Bei der letzten Chorfahrt bekam ich zufällig ein Gespräch von Schülern aus der siebten Klasse mit. „Chor ist mir sooo wichtig!“, hieß es da. Das wird mir auch immer wieder auf den Ehemaligen-Treffen bestätigt. Da sagen mir ehemalige Schüler oft, die Auftritte in Musical- oder Chorveran staltungen hätten ihr Leben geprägt. Hier lernen die jungen Menschen, sich etwas zuzutrauen, sich im Team zu engagieren, sich für eine Sache einzusetzen und etwas durchzuhalten, auch wenn es mal nicht gleich so klappt. Ich erinnere mich an einen Probentag bei unserem letzten Musical. Da haben die Schüler freitags, an einem Brückentag, von 9 Uhr bis 23:30 Uhr geprobt, bis alles gesessen hat, unglaublich!

WOLL: Wie sollte die Politik so etwas unterstützen?
Joachim Nowak: Manchmal hat man den Eindruck, dass die politische Unterstützung fehlt. Da werden Profilanalysen gemacht und es wird geschaut, was Unternehmen von ihren künftigen Mitarbeitern erwarten. Dabei werden oft soziale Kompetenzen vernachlässigt. Aber gerade die sind wichtig, damit aus Schülern gute und motivierte Arbeitskräfte und auch zufriedene Erwachsene werden. Die geringe Wertschätzung von Bildung und Kultur als Motor des sozialen Zusammenhalts ist nicht bei Eltern und Schülern festzustellen, sondern bei den in diesen Ressorts arbeitenden Politikern. Als Beispiel kann ich Musiklehrer Franz Hoffe angeben, der seinen guten Schulchor an der Realschule Grevenbrück aufgeben musste, weil nach der PISA-Studie Schwerpunkte anders gesetzt wurden und für Chorstunden kein Zeitfenster mehr übrig blieb. Seit dieser Zeit (2005) nehmen wir auch nicht mehr an „Schulen musizieren“ teil. Wir sangen damals in vielen großen Städten in NRW.

WOLL: Sie sind in Ihrem Musikstudium am Kontra bass ausgebildet worden, haben sich aber später für das Lehramt entschieden. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung heute, nach jetzt 36 Jahren?
Joachim Nowak: Ein Studienkollege und Freund von mir spielt heute in einem namhaften Symphonie-Orchester. Ich bin einen anderen Weg gegangen und kann auch heute noch guten Gewissens sagen, dass es für mich der richtige Weg war. Auch nach 36 Jahren gehe ich jeden Tag immer noch gerne zur Schule. Lehrer ist mein Traumberuf!

WOLL: Viele Esloher Schüler werden diesen Weg sicherlich zu schätzen wissen. Ihnen, Herr Nowak, herzlichen Dank für dieses Interview und weiterhin viel Erfolg.