Glück (auf) in Ramsbeck

Glück (auf) in Ramsbeck

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In Ramsbeck, im herrlichen Valmetal, hat sich nach der letzten Schicht im Bergbau in den letzten 44 Jahren eine erstaunliche Entwicklung vollzogen. Aus dem ehemaligen Industrieort ist ein schmuckes Dorf mit hoher Lebensqualität und lebendiger Geschichte geworden.

In Ramsbeck lässt´s sich leben – in landschaftlich schöner Lage und mit guter Infrastruktur. Auf die „Vollversorgung“ ist Ortsvorsteher Paul Schüttler besonders stolz: „Wir haben hier alles, was wir brauchen. Wenn ich in Ramsbeck Geld abhole, kann ich auch alles in Ramsbeck wieder ausgeben.“ Apotheke, Bäcker, Friseur, Grundschule und Kindergarten, Sparkasse und Volksbank. Für den 1800-Seelen-Ort gibt es auch ein Ärztehaus mit vier (!) Ärzten. Das allein ist schon eine kleine Sensation für ein Sauerländer Dorf. Ein Allgemeinmediziner, zwei Ärzte für Inneres bzw. Rheumatologie und ein Zahnarzt tun in der Heinrich-Lübke-Straße ihren Dienst. Große Supermärkte sucht man vergebens in Ramsbeck. Das heißt: Eigentlich sucht die hier keiner. Paul Schüttler bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen keinen Discounter, wir haben ja Anja.“ Mit Anja ist Anja Nölke gemeint, die in ihrem kleinen Supermarkt nicht nur Lebensmittel und Drogerieartikel anbietet, sondern auch eine Postfiliale unter ihrem Geschäfts-Dach hat. (Das Woll-Magazin ist hier übrigens auch erhältlich.)

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Einzig die Gastronomie-Szene“, so Paul Schüttler, „könnte etwas vielfältiger sein. Ich würde mir mehr Restaurants wünschen.

Das wäre für die Ramsbecker perfekt, aber auch für die vielen Gäste, die regelmäßig den Ort besuchen.

Anziehungspunkte für Menschen aus Nah und Fern gibt es reichlich im Ort. Drei Magnete sind es hauptsächlich, die die Besucher anziehen: Das Besucherbergwerk, das Bergbaumuseum und der Bergbauwanderweg. Viel Geschichte, viel Natur und die Nähe zum Freizeitpark Fort Fun können wunderbar für einen Tagesausflug oder Urlaub kombiniert werden.

In puncto Geschichte hat Ramsbeck einiges zu bieten. Davon weiß besonders Alfred Braun zu berichten. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete der geborene Ramsbecker zunächst im Ramsbecker Bergwerk. Wie so viele andere seiner Zeit. Der ehemalige Rektor der Andreas-Grundschule in Velmede weiß also genau, wovon er spricht. Heute ist er der Vorsitzende des

Fördervereins Sauerländer Besucherbergwerk Bestwig-Ramsbeck e.V.“. 2009 hat sich der Verein gegründet, 35 Jahre nach Schließung der Grube. Aus dem Erzbergwerk ist ein Besucherbergwerk mit Bergwerkmuseum geworden. In den Jahren 2010 bis 2017 wurde der Bergbauwanderweg erstellt. Förderungen aus dem Leader-Projekt, viele Eigenleistungen und Spenden in Höhe von 20.000 Euro machten ihn möglich. Heute ist der Wanderweg eine wunderbare Kombination aus 1000-jähriger Bergbaugeschichte und Natur. „Wir können den Ramsbecker Erzbergbau von der Erschließung der Lagerstätte bis hin zur Verhüttung zeigen“, sagt Alfred Braun. Auf einer Gesamtstrecke von elf Kilometern hat der Besucher die Gelegenheit, die Geschichte des Bergbaus in Ramsbeck nachzuvollziehen. Informationspulte und -tafeln geben Auskunft über noch vorhandene Baudenkmale wie z. B. den Rauchabgas-Kamin aus dem 18. Jahrhundert und den Venetianer-Stollen aus dem 11. Jahrhundert. Auf einer solchen Tour erfährt man aber auch einiges über das Leben der Bergbauarbeiter, über das harte Leben von „Erz-Engeln“ und „Pochjungen“. Geschichte ist prägend für den Ort, aber auch die Gegenwart ist sehr präsent. „Ramsbeck ohne Bergbau-Vergangenheit ist nicht Ramsbeck“, betont Braun.

Ortsvorsteher Paul Schüttler ist in Berlar geboren, wo er auch heute noch wohnt. Der kleine Ort fühlte sich schon immer zu Ramsbeck zugehörig. Deshalb – und weil er Ramsbecks Ortsvorsteher ist – freut sich der Sprengmeister, dass das jüngste Dorfprojekt so gut angenommen wird. Die Dorfgemeinschaft kann stolz auf das sein, was sie dort geleistet hat. 2500 Stunden ehrenamtliche Arbeit stecken allein im neuen Dorfplatz. Das Areal zwischen Junkern-Hof, Uferweg und Valme mit schöner Naturbühne kann für viele Veranstaltungen genutzt werden.

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Mittelpunkt ist da, wo sich die Menschen treffen, sagt Braun.

Ein Highlight war der erste Weihnachtsmarkt auf dem neuen Dorfplatz, von dem nicht nur die Ramsbecker begeistert waren. Auch in diesem Jahr ist der Weihnachtsmarkt im Programm des Dorfkalenders.

Gleich neben dem Dorfplatz steht die alte Kornmühle. Sie besitzt als einzige noch erhaltene Mühle in Nordrhein-Westfalen drei Mahlstände aus dem 1860er-Jahren und einem Innenausbau aus der Zeit um 1810. Seit 2014 wird hier wieder gemahlen, Knapp 60 Jahre nach der Schließung. Bis 1955 wurde das Schrot auch an die nahe gelegene Bäckerei Hamich geliefert. Idyllisch gelegen ist die Mühle zu einem echten Schmuckstück geworden, das viele Besuchergruppen anlockt. „Hier lässt es sich aushalten.“ Dieser Meinung ist nicht nur unser Mühlenführer Hand-Georg Jaschzurski.

Ramsbeck hat seine wechselvolle Geschichte nie verschwiegen, sondern in die Gegenwart integriert. In Sachen Integration ist Ramsbeck sowieso ein Vorbild. Die ersten Bergleute, die Veneter oder Venetianer, die als kundige Bergleute bekannt waren, sollen hier 1500 v. Chr. gelebt haben. Diese Vermutung konnte aber nicht bewiesen werden. Schätzungen zufolge wird hier „erst“ seit 700 Jahren Bergbau betrieben. Mitte des 19. Jahrhundert kamen viele Bergmänner aus dem Harz und Sachsen; viele gingen wieder, einige blieben. Der Baustil der Bergleute und Handwerker aus Ostdeutschland ist in vielen Straßen von Ramsbeck und Andreasberg/Heinrichsdorf noch heute zu finden. Mitte des 20. Jahrhunderts kamen dann die Gastarbeiter aus Italien und der Türkei, die später auch in diesen alten Fachwerkhäusern wohnten. Aus dem einstigen Industrieort ist ein schmucker Erholungsort geworden, mit offenen, freundlichen Menschen, die stolz auf ihre Einzigartigkeit im Sauerland sind und auch sein können.

Text: Paul Senske, Christel Zidi
Fotos: S. Droste

 

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