Sauerländer Tauben

Foto: Thorsten Hinke

von Kerstin Matthies

Zugegeben, die in dieser Ausgabe vorgestellten Tiere haben nicht den besten Ruf, tragen sie doch auch den Beinamen „Ratten der Lüfte“. Verdient haben sie ihn nicht, denn die Tierchen sind nicht nur sehr intelligent, sondern auch in gewisser Weise sehr nützlich. Bei Tauben denkt man sofort an Stadt- oder Landtauben, wie auch hier auf dem Bild gezeigt. Diese Kulturfolger des Menschen stammen von Brief- und Haustauben ab. Das Federkleid der Stadttauben kann sehr unterschiedlich ausfallen, von der klassischen Färbung mit hellgrauem Rücken, schwarz gestreiften Flügeln und blaugrauem Kopf bis hin zu weißen Exemplaren mit Stracciatella- Tupfen. Das Einkreuzen verwilderter Zuchttauben änderte das Federkleid teilweise erheblich. In freier Wildbahn sind neben Stadttauben auch Türkentauben und Ringeltauben anzutreffen.

Wenn Tauben Nahrung suchen, sind sie meist zu Fuß unterwegs. Wildtauben ernähren sich von Körnern und Beeren, manchmal gibt es auch einen Wurm. Stadttauben sind dagegen eher auf Fastfood umgestiegen, sie futtern Pommes und Brötchen, was sie aber nicht immer gut vertragen. Tauben brüten bis zu acht Mal im Jahr und legen immer zwei Eier. Ersetzt man diese durch Gipseier, kann man die Population in Grenzen halten. Stadttauben können übrigens ihre Nester nicht auf Bäumen anlegen, sondern sind auf Mauern oder Felsvorsprünge angewiesen. Dass Tauben hochintelligent und sozial sind, zeigt der schon
sehr frühe Einsatz der Tiere als Brieftauben. Im Zweiten Weltkrieg rettete der ausgeprägte Orientierungssinn der Tiere durch das Überbringen von Eilnachrichten tausenden Soldaten das Leben. Tauben können aber noch mehr: Sie können zählen und Wörter von Nicht Wörtern unterscheiden.

Heute wollen viele den Tauben ans Gefieder, die zehn Jahre durchschnittliche Lebenserwartung erreichen nicht alle. Raubvögel, Marder und Katzen stehen ebenso auf den leckeren Geschmack wie die Menschen. Pharaonen und Römer priesen die sprichwörtlichen Tauben, die einem in den Mund fallen. In Wien wurden um 1890 jährlich 750.000 Tauben verspeist. In den USA gibt es noch heute Taubenmastfarmen. Die Tierchen dort bringen es auf ein stattliches Kilogramm (unsere kommen nur auf knapp 350 Gramm). Aber falls Sie jetzt auf die Idee kommen, für das kleine nervige Biest auf dem Hausdach gegenüber schon mal den Grill vorzuheizen: Natürlich ist das Jagen von Tauben bei uns für Otto Normalverbraucher verboten – Tauben unterliegen dem Jagdrecht.