Momentaufnahmen der Ausbildung aus Schmallenberg

Foto: Klaus-Peter Kappest

von Pamela Runkel

Ende August suchten im Hochsauerlandkreis noch mehr als 200 junge
Leute einen Ausbildungsplatz zum Berufseinstieg in diesem Herbst. Demgegenüber stehen 490 noch zu besetzende Stellen. Unter den Top Ten der Berufswünsche sind nach wie vor seit Jahren der Auto-Mechatroniker, die Friseurin und der Evergreen: die medizinische Fachangestellte. Der Fachkräftemangel macht sich auch im Hochsauerlandkreis bemerkbar. Carina Bauer von der Arbeitsagentur in Meschede weiß um die Sorgen und Nöte der künftigen Auszubildenden, ihrer Eltern und der Arbeitgeber. „Wenn man das Internet befragt, gerät man leicht in einen Dschungel, aus dem man schlecht herausfindet. Wir Fachleute helfen gern weiter und können den Weg zeigen“, verspricht sie. Bis Mitte November kann man sich noch auf die Suche nach einer Ausbildungsstelle machen.

Vielfältige Ausbildung bei FALKE

14 neue Auszubildende wagten im September bei FALKE den Start ins Berufsleben: Franz-Peter Falke und Elisabeth Schneider, Personalreferentin Aus- und Weiterbildung, begrüßten neun Industriekaufleute, einen dualen Studenten, einen Fachinformatiker,
zwei Textil- und Modenäherinnen und eine Produktionsmechanikerin. „Mach einfach, was dich anzieht“, mit diesem Slogan warb FALKE in diesem Jahr um neue Lehrlinge.

Das 1895 gegründete Traditionsunternehmen bietet eine qualifizierte Ausbildung in zahlreichen Berufen an, sowohl im kaufmännischen als auch im gewerblichen und handwerklichen Bereich. „Wir starten jedes Jahr mit einer Betriebsrallye“, erzählt Elisabeth Schneider. „So finden sich hier alle schnell zurecht und lernen die neuen Kollegen kennen.“ Vor zehn Jahren öffneten sich auch für sie die Türen der weltberühmten Sockenfirma aus Schmallenberg. Nach Ausbildung und erfolgreichem Studium ist sie heute für die Aus- und Weiterbildung zuständig. Sie weiß, wie sich die jungen Leute in den ersten Tagen zu Beginn
ihres neuen Lebensabschnitts fühlen.

Viviane bringt die Maschinen zum Laufen

Foto: Klaus-Peter Kappest

Zur Zeit bildet FALKE 39 Auszubildende in sieben Berufen in Schmallenberg aus. In einem der großen Stricksäle hantiert Viviane Kämmerer mit einer kleinen Zange an einer der zahlreichen Strickmaschinen. Die 17-Jährige ist hier die einzige weibliche Produktionsmechanikerin. „Ich wollte schon immer etwas Handwerkliches machen“, erzählt sie. Als es um die Berufswahl ging, liebäugelte sie zunächst mit dem Schreinerhandwerk. „So wie der Opa mit Holz arbeiten, das wäre auch etwas für mich gewesen“, sagt sie. Aber der Holzstaub machte ihr einen Strich durch die Rechnung. „Meine Eltern brachten mich dann auf die Idee, mich um ein Praktikum bei FALKE zu bewerben, und so bin ich hier gelandet“, erklärt sie stolz. Ein Teil ihres Praktikums fand auch in der Marketing-Abteilung statt. „Da haben alle schnell gemerkt, dass das Büro nichts für mich ist. Frau Schneider hat die Situation für mich geklärt und ich kam wieder in die Produktion.“ Und hier ist sie glücklich. Die nächsten drei Jahre wird Viviane mit Fingerfertigkeit und Sorgfalt lernen, komplexe mechatronische Systeme in ihren Einzelteilen herzustellen und natürlich auch zu programmieren. Angst vor der Digitalisierung in der Bekleidungsindustrie hat Viviane nicht. Ihr Ausbildungsunternehmen ist weltweit anerkannt und beschäftigt über 3.000 Mitarbeiter an sechs Standorten in Europa. „Damit die komplizierten Strickmaschinen richtig funktionieren, braucht man echte Menschen.“ Sie lächelt und greift wieder zu ihrer Zange.

Im Wald bei Wind und Wetter

Die Luft ist feucht. Es riecht nach Harz und Waldboden. Auf den Waldwegen liegen die langen Stämme der frisch geschlagenen Bäume aus Schanze. 2.100 Hektar Wald, so groß ist die Ausbildungsstätte von Franz Krämer. Der angehende Forstwirt wird im Staatswald des Landes Nordrhein-Westfalen alles lernen, was zum Hegen, Pflegen und Bewirtschaften des Waldes gehört. „Ich habe noch keine Sekunde bereut“, sagt der 18-Jährige. „Jeder Tag im Wald ist anders. Es gibt immer neue Aufgaben.“ Die nächsten Jahre wird er, genauso

Foto: Klaus-Peter Kappest

wie sein Vater und sein Großvater, Bäume der unterschiedlichsten Art pflanzen und ernten. „Wir produzieren Holz der verschiedensten Güteklassen, das ist die wichtigste Einnahmequelle für unseren Forstbetrieb“, erklärt sein Chef, Förster Norbert Kohnen, und betont gleichzeitig: „Unsere ökologische Verantwortung ist sehr hoch.“ Die Mitarbeiter des Forstamtes sollen bestens geschult werden, um auch im Zusammenspiel von Waldbewirtschaftung, Umweltschutz und Tourismus alle Besucher gut zu betreuen. Zehn Ranger sind bereits auf dem Rothaarsteig, dem Sauerland-Höhenflug und der Sauerland-Waldroute unterwegs. Auch dem neuen Auszubildenden Franz Krämer steht diese Möglichkeit nach seiner Lehre und einem speziellen Lehrgang offen. „Ich habe Abitur, also könnte ich ein Studium an der Fachhochschule oder einer Universität anschließen und Förster werden“, überlegt er. Doch bis dahin müssen noch viele Bäume gefällt, vermessen, zum Verkauf vorbereitet und neu angepflanzt werden. Auch sein jüngerer Bruder Johann hat sich für die Arbeit im Wald entschieden. Er hat eine Lehrstelle im benachbarten Revier der Wittgenstein-Berleburgschen Rentkammer, dem größten privaten Forstbetrieb in NRW. Die Familie Sayn-Wittgenstein-Berleburg bewirtschaftet 13.000 Hektar. „Mein Praktikum habe ich bei 20 Grad minus im Wald machen müssen. Das war hart“, erinnert Johann sich. „Aber jeder Tag macht Spaß“, bekunden beide Brüder fröhlich.

Allein unter Männern

Abitur, zwei Semester BWL, Ski-Lehrerin in der Schweiz, Rezeption im 5-Sterne-Hotel und noch einen letzten Winter wieder in die Schweizer Berge. Sarah Lena Lange hat einiges ausprobiert. Doch jetzt hat die sportliche junge Frau ihren Traumberuf gefunden: nicht in den Schweizer Alpen, nein, in Winterberg! Vermutlich ist sie die einzige weibliche Auszubildende in Deutschland, die Industrie-Mechatronikerin, spezialisiert auf Seilbahnen,
lernt. „Ich mache das, weil ich Bock darauf habe“, sagt sie ganz selbstbewusst.
Die Seilbahnen am Erlebnisberg Kappe müssen sicher sein. Deshalb werden Seilbahnen, Sessellifte und Gondeln regelmäßig gewartet und repariert. Wie das geht und was „frau“ dafür braucht, lernt Sarah Lena Lange jetzt in Winterberg. „Meine Mutter ist Schlosserin, das muss wohl in den Genen liegen, denn meine Arbeit ist schwer und streckenweise auch anstrengend“, sagt sie. Eine Rolle an der Seilbahn wiegt zwischen 25 und 48 Kilogramm. „Der Sicherheitsgurt ist Pflicht, wenn wir bei jedem Wetter auf die Betonstützen klettern“, erzählt die junge Frau. „Wenn ein Gewitter im Anzug ist, bleiben wir natürlich unten“, ergänzt ihr Ausbilder Kevin Dietz. „Man muss sich verstehen. Teamwork ist ganz wichtig.

Mit den Männern komme ich schon klar.“ Sarah lacht. „Nur beim Sportunterricht in der Berufsschule in Olsberg wäre eine Kollegin schön. Da bin ich nämlich auch die einzige Frau.“ In ihrer Freizeit ist Sport und Klettern angesagt, denn körperliche Fitness ist eine
Grundvoraussetzung für ihren Beruf. Und was wird noch verlangt? „Technisches Verständnis, handwerkliches Geschick, Interesse an Technik und Tourismus, Kontaktfreude und ein höflicher Umgang mit den Gästen, Fremdsprachenkenntnisse, Selbständigkeit und natürlich die Bereitschaft, zu unregelmäßigen Zeiten zu arbeiten“, erklärt Ausbilder Dietz. „Wenn sich andere beschweren, kann ich das nicht verstehen. Es kann doch in der Früh, am Abend oder am Wochenende immer einmal etwas an der Bahn defekt sein. Es ist doch toll, dass ich das dann reparieren kann“, fügt Sarah Lena Lange hinzu. Und wenn die Bahn wirklich einmal hängen bleibt? „Im Rahmen der regelmäßigen TÜV-Prüfung unserer Seilbahnen trainieren wir mit unseren Mitarbeitern auch die Rettung unserer Gäste“, erklärt Dietz. „Das läuft wie bei der Bergwacht und gehört bei uns selbstverständlich zur Ausbildung von Sarah dazu.“

Den Kochlöffel in der Hand

Foto: Klaus-Peter Kappest

„Ich habe kein Problem damit, auch am Wochenende zu arbeiten“, sagt Max Bischof selbstbewusst. Der 16-Jährige hat seine Lehre als Koch im Landhotel Gasthof Schütte in Oberkirchen angetreten. Er hat sich bewusst für diese Ausbildung entschieden. Viele seiner Bekannten und Freunde konnten es nicht so recht verstehen, dass er die Schule schon mit der mittleren Reife beendete. „Sogar die Lehrer haben mich immer wieder gefragt, ob ich mir auch sicher sei“, erzählt er. Aber Max haben schon die ersten Tage in der Küche Spaß gemacht. „Auch wenn es manchmal stressig ist“, lächelt er und denkt an seine erste Bewährungsprobe: Seezunge „Müllerin Art“. Zu Hause in Westfeld hat er manchmal im Service geholfen oder am Grill gestanden. Jetzt freut er sich darauf, bald genauso gut zu kochen wie so mancher Fernsehkoch. Noch hat sein Ausbilder, Küchenchef Martin Friedrich, das Kommando. Der macht seine Sache erwiesenermaßen sehr gut. Einer seiner früheren Azubis ist Felix Weber. Dieser schwingt den Kochlöffel jetzt in Deimanns Hofstube und hat 2017 einen Michelin-Stern ins Sauerland geholt. Kochlehrling Max meint dazu: „Egal, was du tust, du musst es gern tun.“

Abwechslung im Hotel

Foto: Klaus-Peter Kappest

Das glaubt auch Johanna Pape aus Gleidorf. Sie hat sich für den Beruf der Hotelfachfrau entschieden. Zuerst hat sie sich bei der Berufsbörse in Schmallenberg informiert. „Meine Freundin hat nach ihrem Schülerpraktikum im Landhotel Schütte so begeistert berichtet, dass ich es auch versuchen wollte“, erzählt sie.

Inzwischen schwärmt auch die 16-jährige Sauerländerin von ihrem künftigen Beruf. „Ich kann an der Rezeption arbeiten, die Gäste betreuen, den Zimmerservice unterstützen und vieles mehr. Meine Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich“, erklärt Johanna. Und wenn mal etwas nicht sofort klappt? „Das ist nicht so schlimm, denn hier hilft jeder jedem. Wir sind ein gutes Team. Das habe ich schon in den ersten Tagen gemerkt“, sagt sie und meint es ganz ehrlich. Und nach der Ausbildung raus in die Welt? „Ne, ne.“ Johanna lacht. „Ich liebe das Sauerland. Im Urlaub habe ich spätestens nach zwei Wochen Heimweh. Ich bleibe hier, woll.“