„Es packt mich der Moment des Innehaltens“

Foto: Heidi Bücker

28 Stationen auf dem Philosophenpfad Schmallenberg verbinden Literatur und Natur

von Kerstin Thielemeier

Davon gehört, darüber gelesen – ja! Aber gelaufen bin ich ihn noch nicht: den Philosophenpfad. Dabei liegt er doch so nah, dieser Rundwanderweg in Schmallenberg. Zumal sich die Vogelstange in Sichtweite befindet. Aber am Schützenfest ist man in der Regel nicht wirklich philosophisch unterwegs.
Gestern aber war es soweit. Begleitet von der Fotografin Heidi Bücker habe ich mich auf den Weg gemacht. Rucksack gepackt und Wanderschuhe geschnürt stelle ich voller Vorfreude fest, dass der 2,6 Kilometer lange Weg am Stadtrand von Schmallenberg in Richtung Fleckenberg mit einem Abzweig unter dem Viadukt der alten Bahntrasse hindurch angelegt wurde. 28 Tafeln beinhalten Zitate und Lebensweisheiten von berühmten Philosophen, Denkern, Politikern und Schriftstellern. Teilweise echt schwere Kost. Das fängt ja gut an, denke ich. Ich ertappe mich dabei, dass ich manche Zitate zweimal lese. Bin ich zu blöd sie zu verstehen? Will ich sie auswendig lernen? Oder packt mich der Moment des Innehaltens? Wie aus Wörtern Sprache wird, aus einem Zitat eine Wahrheit springt und ich daraus eine Warnung oder Emotion verspüre. Ich denke darüber nach. Philosophen denken ja bekanntlich über alle möglichen Dinge nach. Bin ich jetzt auch eine(r)? Sicherlich nicht. Oder vielleicht werde ich es noch, ein Welt-Erklärer, ein Problem-Löser oder Frust-Versteher bin ich ja schon. Auf einer der erklärenden Tafeln steht: „Philosophische Ideen
haben die Welt verändert und das Denken auf ein neues Fundament gestellt. Eine kleine Auswahl von Denkanstößen, philosophischen Gedanken und Sinnsprüchen …“ Ja, das stimmt. Spannend ist es allemal, was die unterschiedlichen Inhalte mit einem machen. Zum Nachdenken haben sie mich angeregt. Doch bevor eine Melancholie aufkommen kann, nimmt mich die Natur in die Arme. Ein wunderbarer Weg belohnt mich sofort. Gepaart mit dieser Leichtigkeit und Schönheit der Natur, ist jede Tafel ein Erlebnis. Immer wieder legen Büsche und Bäume einen faszinierenden Blick auf Schmallenberg frei. Ein friedliches, ein beruhigendes und sehr vertrautes Bild. Es erdet mich. Ich bin mittendrin und doch abseits des alltäglichen Wahnsinns. Schritt für Schritt spüre ich, wie Freude und gute Laune aufkommen und dennoch eine gewisse Spannung und besondere Konzentration da sind. Wird mir die nächste Tafel besser gefallen? Werde ich sie eher nachvollziehen können? Regt sie mich auf? Verstehe ich den Sinn? Sind sie wirklich zeitlos und somit aktuell? Bei manchen Tafeln, muss ich ehrlicherweise zugeben, blieb mir der Sinn verborgen.
Während das Naturerlebnis auf der über circa 40-minütigen Wanderung ohne Beschreibung auskommt. Einfach nur genial. Mein Fazit: Das Wort Philosophie kommt aus dem Altgriechischen und Bedeutet „Liebe zur Weisheit“. Der Philosophenpfad steht für mich unter dem Motto: „Aus Liebe zur Natur und zur literarischen Kunst.“