Sinnesschätze in Hülle und Fülle

Foto: Heidi Bücker

Wandern und Rasten „rund um Schanze“

von Jens Feldmann

Sechseinhalb Kilometer von Schmallenberg und fast vier von Grafschaft entfernt, erreicht man auf knapp 715 m Höhe das etwas mehr als 40 Einwohner beheimatende Dörfchen Schanze. Die Straße endet heutzutage hier oben, einst aber verlief am heutigen Ort eine wichtige Wegverbindung zwischen dem kurkölnischen Sauerland und dem Siegen-Nassauischen. Der Ortsname verweist auf die damalige Bedeutung als mittelalterliche Wegsperre, die der gibt einen kurzen Einblick in die Historie. Wir halten uns rechts und es geht erst mal parallel zum eigentlichen Wegverlauf des „SZ4“ am Waldrand entlang, dann tauchen wir in das Wechselspiel aus Licht und Schatten ein. An einem Kilometerstein des Rothaarsteigs folgen wir nach rechts einem Weg, auf dem im Winter eine Loipe gespurt ist, leicht talwärts, bis wir auf den eigentlichen „SZ4“ treffen, der bis hierhin auf einer langen Geraden das historische Schanzer Kontrolle des Reise- und Warenverkehrs diente. Ob man
sich hier am sprichwörtlichen Ende der Welt wähnt oder sich auf den Anfang der Erholung freut: Schanze bietet zu jeder Jahreszeit viele Gründe für einen Besuch. Jetzt, am Ende des Sommers, sind wir hier, um eine der vielen und größtenteils leicht zu bewältigenden Wandermöglichkeiten zu erkunden.

Wir haben uns den Wanderweg „Rund um Schanze“ mit der Kennzeichnung „SZ4“ ausgesucht, wandeln die Route aber bereits zu Beginn ein wenig ab und folgen zunächst
vom Parkplatz des Gasthauses „Bräutigam-Hanses“ aus dem Weg „SZ3“. Denn hier kann man auf den ersten Metern die Überreste der Wegsperren erkennen: drei parallel verlaufende Erdwälle, die sich vom Parkplatz aus ein Stück talwärts in den Wald hinein ziehen. Eine Informationstafel Forsthaus, den Kyrill-Pfad und die Skulptur „Krummstab“ des Waldskulpturenweges passiert hat. Und auf dem „SZ4“ geht es nun wahrhaft urig zu, denn eine Info-Tafel klärt darüber auf, dass man sich in der „Naturwaldzelle Schiefe Wand“ bewegt. Diese Wälder südöstlich bis südwestlich von Schanze waren nie der wirtschaftlichen Nutzung unterworfen und wurden schließlich unter Naturschutz gestellt. Der Weg bietet links wie rechts eindrucksvolle Einblicke in das Werden und Vergehen des natürlichen Waldes: aufstrebende Jungbäume neben eindrucksvollen Alt-Bäumen und moosbedecktem Totholz. Legt man die Hand auf die knorrige Rinde eines Baum-Methusalems, meint man sein Alter förmlich erfühlen zu können. Zwar dominiert die Buche, dennoch findet man eine eindrucksvolle Artenvielfalt. Man könnte auch im Auenland oder in einem Grimm’schen Märchen sein … Und dieser Duft! Würzig, kernig, frisch, belebend – eine wahre Wohltat. Und das nicht nur für einen der fünf Sinne. Als wir kurz innehalten, wagen wir auf einmal kaum mehr zu atmen: Was eine Stille! Es ist nichts,
aber auch wirklich gar nichts zu hören, was nicht natürlichen Ursprungs ist. Des Nachts präsentiert sich hier oben, fern größerer Ansiedlungen, ein weiterer Sinnesschatz: Man muss lange suchen, ehe man an einen Ort gelangt, an dem sich der Sternenhimmel so greifbar klar präsentiert! Von einer Nachtwanderung aber sind wir zeitlich noch einiges entfernt und es geht auf den letzten Kilometer. Leicht bergan strebt man nun wieder auf Schanze zu, und als sich vor dem nächsten Waldrand die Masten des Ski-Lifts abzeichnen,
wirken sie wie ein Wegweiser zum Finale dieses kleinen und wunderschönen Wandernachmittages: Nach etwa anderthalb Stunden erreichen wir die Schanzer Ski-Hütte.

Foto: Heidi Bücker

Deftige Hüttenkost und manch leckerer Tropfen laden zum Verweilen und Schmausen ein, ebenso Kaffee und Kuchen. Im Inneren ist es urig-gemütlich und ein wahres Sammelsurium an Dingen lässt manchen Blick lange an der Hüttendecke verweilen. Kinderspielzeug, Haushaltsutensilien, ein historischer Schlitten: Die Pächterfamilie von der Ley hat in den letzten 27 Jahren manchen Blickfang über den Köpfen ihrer Gäste untergebracht. Ausnahmsweise schmausen wir heute mal nicht, sondern nutzen die durchbrechende Sonne, um den Nachmittag in Schanze am „Alm-Beach“ ausklingen zu lassen, denn auf dem schneefreien Hang sorgen eine Sandfläche und zahlreiche Liegestühle für Strand-Feeling auf über 700 Meter Höhe. Und so sitzen wir dort mit unseren kühlen Getränken und lassen die Blicke schweifen, über Berge, Täler und Wälder rund um Schanze. Und das ist schlicht und einfach wunderschön! Mach’s gut, Schanze, und bis zum nächsten Wandererlebnis …