transfluid – seit 30 Jahren Fortschritt in der Rohrbearbeitung: Um die Ecke gedacht.

Foto: Heidi Bücker

Bei „1. April“ denken die meisten Menschen vermutlich an ungewöhnliche Geschichten, die sich nach kurzer Zeit als Scherz herausstellen. Kein Scherz ist die Gründung der heutigen Firma transfluid am 1. April 1988. Als Zwei-Mann-Betrieb auf 125 Quadratmetern von Gerd Nöker und Ludger Bludau in Schmallenberg-Gleidorf quasi über Nacht aus der Traufe gehoben, ist transfluid heute ein mittelständisches Unternehmen mit 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer Produktionsfläche von über 5.000 Quadratmetern. Als international gefragter Partner für die Herstellung von Rohrbiege- und Rohrbearbeitungsmaschinen kann sich transfluid seit 2013 sogar als Weltmarktführer für die CNC-gesteuerte, rollierende Rohrumformung bezeichnen. Was das Unternehmen neben der einzigartigen Produktpalette prägt, ist seine seit zehn Jahren auf mehrere Schultern aufgeteilte Geschäftsführung. WOLL hat mit den vier geschäftsführenden Gesellschaftern Ludger Bludau, Stefanie Flaeper, Benedikt Hümmler und Burkhard Tigges über die Entwicklung von transfluid gesprochen.

WOLL: Der Firmenname sagt auf den ersten Blick wenig über das Leistungsangebot Ihres Unternehmens aus. Was macht transfluid eigentlich?
Ludger Bludau: Wir beschäftigen uns als klassisches Maschinenbauunternehmen mit der Rohrbearbeitung. In fast allen Industriezweigen gibt es Anwendungen, bei denen Rohre bearbeitet und gebogen werden müssen. Und da kommen unsere Maschinen zum Einsatz.

WOLL: Und woher kommt der Name „transfluid“?
Ludger Bludau: Vor dreißig Jahren waren wir hauptsächlich im Bereich der Hydraulik unterwegs. „Fluid“ ist ein internationaler Begriff aus der Hydraulik, allein allerdings
nicht schützbar. Wir wollten aber von Anfang an einen geschützten Namen, der als Warenzeichen eingetragen und als Weltmarke international dargestellt werden konnte. So sind wir schließlich auf „transfluid“ gekommen.

WOLL: Wie kam es vor 30 Jahren überhaupt zur Gründung der Firma?
Ludger Bludau: Gerd Nöker und ich waren vor unserer Selbständigkeit schon im Maschinenbau tätig. Nachdem wir aus unterschiedlichen Gründen bei der damaligen Firma aufgehört hatten, kam es am 1. April 1988 zur gemeinsamen Gründung einer eigenen Firma. Unsere Gründe für den Wechsel vom Angestelltendasein in die riskante Selbständigkeit? Wir haben einfach viel mehr Potential in diesem Markt gesehen. Uns standen bei der Gründung ein paar gute Mentoren zur Seite. So zum Beispiel ein Hydraulik-Spezialist. Sein Motto: „Jungs, fangt einfach an, es kommt jeden Tag sowieso anders, als ihr denkt.“ Und genauso war es auch. Ein weiterer Grund für die Selbständigkeit: Wir haben uns etwas ausgedacht, was es bis dahin noch nicht gab. Das ließ sich im Prinzip nur mit einer eigenen Firma umsetzen.

WOLL: transfluid ist ein junges Unternehmen und doch mit 180 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 25 Millionen Euro (2017) einer der größeren Arbeitgeber in der Stadt Schmallenberg. Worauf ist das rasante Unternehmenswachstum in nur 30 Jahren zurückzuführen?
Burkhard Tigges: Die Mitarbeiterzahl von 180 haben wir Mitte August erreicht, als elf neue Azubis bei uns angefangen haben. Insgesamt haben wir 30 Azubis in sechs Ausbildungsberufen. Wir sehen zu, dass wir die Fachkräfte, die wir brauchen, auch hier bei uns ausbilden. Für das Unternehmenswachstum ist vor allem unsere große Innovationskraft verantwortlich. Die Unternehmensentwicklung ist geprägt durch eine kalkulierte Risikobereitschaft. Aber das Wichtigste ist: dass wir immer die Lösungen für den Kunden in den Mittelpunkt stellen.
Stefanie Flaeper: Ich denke, das Wachstum ist auch darauf zurückzuführen, dass wir den Mut hatten, andere Wege zu gehen. Wir haben uns nicht an Mitbewerbern, sondern am Markt orientiert und so immer wieder auch ganz neue Konzepte entwickelt, durch die wir uns ganz deutlich von Wettbewerbern abheben. Dafür braucht man ein starkes Team im Haus, das haben wir. Aber auch starke Partner, die mitgehen und offen sind.

WOLL: Wie schafft man es, dass die Mitarbeiter bereit sind, sich von lieb gewonnenen Wegen zu trennen und etwas Neues auszuprobieren?
Benedikt Hümmler: Wir suchen ein gesundes Mittelmaß zwischen unserem Standardprogramm und Sonderlösungen. Einerseits entwickeln wir zusammen mit dem Kunden neue Ideen und stellen so neue Maschinen oder Anlagen her. Andererseits wollen wir nicht jeden Tag Neuentwicklungen und Einzelmaschinen konzipieren, weil das irgendwann jeden überfordert. Es geht um die Balance zwischen Altbewährtem und Neuem.

WOLL: Und als Standardprogramm gelten entwickelte Maschinen, die für verschiedenste Branchen und Kunden in Frage kommen?
Benedikt Hümmler: Mit unserem Standardprogramm lösen wir auch Sonderfälle, weil wir nicht nur das Biegen oder das Endumformen im Auge haben. Wir fertigen sinnvolle Kombinationen daraus. Wir bieten die Komplettlösung.

Da werden Teile auf die Rohre aufgefädelt und Flansche verpresst, da werden Muttern oder O-Ringe zugeführt. Es gibt nur wenige Firmen weltweit, die wie wir das gesamte Leistungsspektrum aus einer Hand anbieten. Bei uns bekommen die Kunden alle für sie passenden Maschinen: vom Biegen bis zur Endbearbeitung.

WOLL: Wie ist es möglich, ein so breites Leistungsspektrum auf hohem Niveau anzubieten?
Benedikt Hümmler: Technisch haben wir uns in den 30 Jahren stets weiterentwickelt. Vor 25 Jahren, als ich hier angefangen habe, wurde noch am Reißbrett konstruiert. Mittlerweile arbeiten wir mit der CAD-Software Autodesk Inventor, also komplett dreidimensional. Jedes einzelne Teil wird bei uns gezeichnet und sicher dokumentiert. Die meisten Mitarbeiter in der Konstruktion sind Ingenieure und Techniker, die an 22 CAD-Arbeitsplätzen konstruieren und planen. Neun Programmierer hauchen den Maschinen und Anlagen dann Leben ein. Ohne Elektronik und Elektrik läuft heute überhaupt nichts mehr. Dabei begleiten wir unsere Mitarbeiter auch nach der Ausbildung und bei der Weiterbildung nach Feierabend.
Stefanie Flaeper: Die Mehrzahl der jungen Mitarbeiter, die hier ihre Ausbildung gemacht haben, konnten wir überzeugen, bei uns zu bleiben. Wir sind ein gesundes Unternehmen mit einem starken Team und arbeiten partnerschaftlich miteinander. Man kann natürlich nicht vermeiden, dass der eine oder andere geht und mal Stadtluft schnuppern will. Viele klopfen aber, wenn sie ein paar Jahre auswärts waren, wieder bei uns an. Die Verbundenheit zur Region ist bei den meisten doch sehr groß. Sie kommen gerne ins Sauerland zurück.

WOLL: Die Heimatverbundenheit gilt auch für die Geschäftsführung: drei Schmallenberger und ein Esloher. Konzentrieren Sie sich vor allem auf einheimische Fach- und Führungskräfte?
Stefanie Flaeper: Die Führungskräfte wurden nicht gesucht. Das hat sich mit der Zeit entwickelt: Es waren Unternehmensgründer da. Es war ein gut wachsendes Unternehmen da, aber keine familiäre Nachfolge. Da haben sich die Unternehmensgründer natürlich die Frage gestellt, wie es weitergeht. Es kam darauf an, das Unternehmen auf diesem technischen Niveau und mit Herzblut in die Zukunft zu führen. So kam die Idee auf, eine passende Nachfolge aus den Mitarbeiterreihen zu entwickeln. Nach mehreren Gesprächen wurde 2008 drei Mitarbeitern die Möglichkeit geboten, in die Geschäftsführung einzusteigen. Sicherlich war das Geschäftsmodell im Sauerland eher ungewöhnlich.

WOLL: Dieses Geschäftsführungsmodell ist ein bedeutender Meilenstein in der Unternehmensentwicklung. Welche anderen gibt es?
Ludger Bludau: Weitere Meilensteine sind die zahlreichen Projekte, die wir mit einzelnen Kunden entwickelt haben. Heute können wir, auch mit Blick auf die Betriebsgröße, gemeinsam mit Universitäten Neues entwickeln und überlegen, wie wir es auf dem Markt platzieren. So ist zum Beispiel die Idee gekommen, Hydraulik-Fittings ganz anders herzustellen, was den ganzen Markt revolutioniert hat. Es gibt heute weltweit keinen Hydraulik-Fitting-Hersteller, der nicht mit unseren Maschinen arbeitet. Auch im Biegemaschinenbereich haben wir uns stark weiterentwickelt. Wir stellen heute Maschinen für Rohrgrößen her, an die haben wir vor einigen Jahren noch nicht mal gedacht.

WOLL: Mit welchen Hochschulen arbeiten Sie zusammen?
Burkhard Tigges: Mit der Fachhochschule Meschede, der Technischen Universität Dortmund sowie den Universitäten in Paderborn und in Siegen.
Benedikt Hümmler: In den Projekten in Kooperation mit Hochschulen werden grundlegende Technologien untersucht. Ob die hinterher Marktreife erlangen, ist eine andere Geschichte.
Ludger Bludau: Häufig melden die Universitäten schon ganz früh Patente an. Wir sind dann oft die Ersten, denen angeboten wird, zum Beispiel eine Teillizenz zu erwerben. Letztendlich geht es aber immer um die Frage: Ist das Entwickelte auch für den Verkauf geeignet? Wenn es das nicht ist, brauchen wir auch keinen Marktschutz.

WOLL: Eine wichtige Aussage in Ihrer Branche ist: erst verkauft und dann verbaut. Das bedeutet, es wird vom Markt, vom Kunden her gedacht?
Stefanie Flaeper: Wir denken in beide Richtungen. Früher haben wir bloß auf den Markt reagiert. Jetzt wird in der Zusammenarbeit mit den Hochschulen schon vorgedacht. Heute entwickeln wir strategisch ganze Produktreihen für unsere Kunden.

WOLL: Welche Veränderungen haben das Unternehmen außerdem nach vorne gebracht?
Burkhard Tigges: Die Weiterentwicklung des Unternehmens kann man an der Bautätigkeit ablesen. 1990 wurde hier am Standort Schmallenberg in einer 500 Quadratmeter großen Halle begonnen, die bereits 1993/94 auf 1.000 Quadratmeter erweitert wurde. Im Jahr 2000 ist die Hauptverwaltung dazugekommen. Und durch Flächen- und Gebäudeübernahmen in den vergangenen Jahren konnten wir unsere Produktionsfläche nochmals erweitern. Mit dem neuen Gebäude, das in diesem Jahr fertiggestellt wurde, hat sich die Produktionsfläche auf rund 5.000 Quadratmeter erweitert. Durch erworbene Flächen und Gebäude können wir auch in den kommenden Jahren bei Bedarf sinnvolle Erweiterungen vornehmen.

WOLL: Macht sich diese rasante Entwicklung auch beim
Umsatz bemerkbar?
Ludger Bludau: 2018 planen wir mit 25 Millionen Euro Umsatz. Dabei ist nach wie vor Deutschland unser Hauptmarkt, dann kommen die angrenzenden europäischen Länder sowie der Export nach Asien und Nordamerika. Unser Exportanteil liegt bei rund 50 Prozent.

WOLL: In welchen Branchen und Bereichen ist transfluid tätig?
Benedikt Hümmler: Das sind tatsächlich sehr verschiedene Branchen. Sehr stark ist der Automotiv-Bereich. Aber auch viele Möbelhersteller sind auf gebogene Rohre angewiesen. Und in der Sanitär- und Haustechnik kann man auf unsere Maschinen ebenfalls nicht verzichten.
Stefanie Flaeper: Es sind Schiffsbauer unter unseren Kunden, Unternehmen aus der Medizintechnik, Hydraulikfirmen und Maschinenbauer allgemein. Wir können alle bedienen, weil wir ein sehr breites Produkt-Portfolio haben. Ich sage immer gerne: Für die Herz-OP werden Kapillarrohre von 0,8 mm Durchmesser gebraucht, so dünn wie eine Stecknadel, und das größte Rohr, das mit unseren Maschinen gebogen wird, ist 330 mm dick. Da sind wir dann beim Schiffsbau. Alles, was dazwischenliegt, können wir gut bedienen, sofern es um Metallrohre geht.

WOLL: Wird auch über andere Materialien und Werkstoffe nachgedacht?
Benedikt Hümmler: Ja, sicher. Hochfeste Werkstoffe zum Beispiel, aber auch Kunststoff sowie kunststoffbeschichtete Materialien.

WOLL: Was sagen Ihre Geschäftspartner aus Hamburg, München und Berlin, aber auch aus dem Ausland, wenn sie nach Schmallenberg kommen?
Stefanie Flaeper: Die beschweren sich häufig über die Infrastruktur, über die vielen LKWs und landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die irgendwo vor ihnen auf der Straße schlichen. Ansonsten sind sie meist begeistert. Gerade ausländische Kunden sind angetan von der Natur, der Ruhe, der ländlichen Gegend – sie genießen das und bleiben gerne ein paar Tage länger. Wir haben das Glück, in einer schönen Umgebung zu wohnen.
Burkhard Tigges: Die Autobahnanbindung ist allerdings ein Riesenthema. Wenn die Leute hier sind, mögen sie es, aber hierherzukommen, ist erst mal schwierig. Und auch für uns ist der Weg zum Kunden nicht leicht.
Ludger Bludau: Ich sehe das positiv. Unser Hauptmarkt ist Europa und wir liegen mittendrin. Wenn ich in München bin oder in der Schweiz, dann habe ich vielleicht eine bessere Infrastruktur, aber letztendlich sind die Reisewege viel weiter. Ob nach Holland und Belgien, in die skandinavischen Länder oder in den Osten. Das letzte Stück Infrastruktur könnte besser sein, aber strategisch ist das Sauerland, ist Schmallenberg nicht der schlechteste Standort.

WOLL: Was machen Sie, damit sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei transfluid wohlfühlen?
Ludger Bludau: Ganz wichtig ist der Umgang mit den Mitarbeitern. Wir gehen regelmäßig durch den Betrieb und reden mit allen. Kommunikation ist sehr wichtig. Man kann bei uns über alles sprechen. Es gibt eine ganz niedrige Fluktuation. Wir haben bodenständige Leute und wir brauchen ja auch Mitarbeiter, die länger bleiben. Denn was wir hier machen, kann man nicht in ein, zwei Jahren lernen. Nachhaltigkeit ist bei uns ein großes Thema.
Burkhard Tigges: Da die Mitarbeiter aus der Region kommen, trifft man sich nicht nur im Unternehmen, sondern auch in der Freizeit. Sei es auf der Schmallenberger Woche, bei Schützenfesten, sonntags beim Wandern oder beim Fußball. Wir haben auch eine Gruppe von Mitarbeitern, die donnerstagabends Fahrrad fährt. Da lässt man sich ab und zu mal sehen und unternimmt gemeinsam etwas. Darüber hinaus bieten wir über das Jahr öfter Aktivitäten an, wie zum Beispiel jetzt im September unsere Einweihungs- und Jubiläumsfeier. Wir haben Respekt vor jedem Mitarbeiter, vom Auszubildenden bis zum Ingenieur. Und das sagen wir nicht nur, sondern wir leben es. Es ist sich hier keiner zu schade, die Ärmel hochzukrempeln, wenn die Mitarbeiter draußen an den Maschinen Probleme haben, im Büro mitanzupacken oder einfach da zu sein, zu unterstützen, wenn man gebraucht wird.

WOLL: Eine letzte Frage: Auf welche unternehmerische Leistung sind Sie persönlich besonders stolz?
Stefanie Flaeper: Mein Ziel war es immer ein komplettes Projekt von Beginn bis zum positiven Ende zu betreuen. Das funktioniert nur mit einem guten Team einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, was in unserem Unternehmen gegeben ist. Darauf bin ich stolz.
Ludger Bludau: Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiter.
Benedikt Hümmler: Auf die gesamte Entwicklung. Ich habe da gerade nichts
vor Augen, das ich herausheben möchte. Wir haben immer in der gesamten Entwicklung
mitgearbeitet, und wenn man sieht, was in den 30 Jahren entstanden ist … ich bin stolz auf das Unternehmen. Und auf alles, was damit zu tun hat.
Burkhard Tigges: Ich schließe mich an: Ich bin stolz auf die Mitarbeiter, aber auch auf das, was wir als Ausbildungsbetrieb inzwischen darstellen. Die Entwicklung, die wir in den letzten 10 Jahren genommen haben, ist beeindruckend. Wenn man sieht, wie viele Praktikanten wir jedes Jahr hier begrüßen und wie hoch das Interesse von Schulen ist, sich vor Ort mal schlauzumachen, was transfluid eigentlich so macht – das hat schon was. Im Prinzip bin ich auf das Gesamtgebilde stolz.

WOLL: Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg
für die nächsten 30 Jahre!