Von Ursula Wiethoff-Hüning

Das European Brass Ensemble eröffnete am Freitagabend (5. Oktober 2018) unter Leitung von Prof. Thomas Clamor den 19. Sauerland-Herbst: Virtuos, spritzig-leicht und mit großer Spielfreude musizierten die 37 jungen Musiker aus 12 Nationen im Compentence-Center der Firma Oventrop in Olsberg.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Herrn Fähnrich als Geschäftsführer der Firma und der Eröffnung des Festivals durch Landrat Dr. Karl Schneider spielte das Ensemble im ersten Teil des Konzertes hauptsächlich aus Opern von Richard Wagner.

Den Beginn machte der „Einzug der Gäste“ aus „Tannhäuser“, zunächst in Posaune und Trompete solistisch gesetzt. Das tiefe Blech dient häufig als Boden für kurze Soli, die quasi durch´s Orchester wandern. Auch die zarten Klänge der Triangel prägen das Stück, das dann im Anschluss an einen Beckenschlag seinen vollen Blechbläserklang entwickelt.

Über den „Einzug der Meistersinger“ ging es weiter zu einem Auszug aus „Lohengrin“. Ein Euphoniumsolo – wunderbar von einem in der Schweiz studierenden Portugiesen gespielt – führt zu den ruhigen Tuttiklängen des Werkes hin, immer wieder unterbrochen von Soli oder auch Gruppensoli in den Trompeten, Hörnern und Posaunen. Dieses Wechselspiel bzw. Zusammenspiel in den Stimmgruppen ist in diesem Ensemble bemerkenswert präzise und fließend. Sehr gelungen waren auch die Echowirkungen durch die Instrumentalisten, die zwischenzeitlich aus verschiedenen Nebenräumen spielten.

Das nächste Stück unterbrach die Auszüge aus den Opernwerken, indem die „Trauermusik zum Andenken an Richard Wagner“ erklang. A. Bruckner schrieb dieses Werk in cis- moll als Adagio in seiner 7. Sinfonie, in großer Verehrung für Wagner. Erstmalig in der Besetzung des European Brass Ensembles sind hierbei die sogenannten Wagner-Tuben dabei. Ein warmer, weicher, voller Blechbläserklang prägt das ergreifende Stück, stark in Posaunen und Hörnern. Es entwickelt sich ein satter Klang, nun unterstützt durch Triangel, Becken und Pauke, bevor einige tiefe Bläser das Stück beenden. Ergriffene Stille herrschte im Publikum, bevor applaudiert wurde.

Der „Walkürenritt“ war das letzte Werk vor der Pause. Nach einem virtuosen Beginn in der Tuba wandert das bekannte Thema hierbei durch die Stimmgruppen, entwickelt sich zu großem, kraftvollem Orchesterklang, den das European Brass Ensemble so meisterhaft beherrscht.

In „Jupiter“ aus der Orchestersuite, die der englische Komponist Gustav Holst 1914-1916 geschrieben hat, waren nun im zweiten Teil des Konzertes ganz andere Klänge zu hören. Rhythmisch vielschichtig entwickelt sich ein spritzig klingendes Werk, geprägt durch anspruchsvolle Soli und viel Schlagwerk, souverän gespielt von den jungen Musikern.

Hervorzuheben beim nächsten Werk, einer Orchestersuite mit Musik aus dem Engardin, die der Schweizer Komponist S. Hodel bearbeitet und arrangiert hat, ist im 2.Satz das Flügelhornsolo der ungarischen Musikerin Maria Lantos. Klar und überlegen, mit virtuosen Läufen in jazzigen Passagen, mündet ihr Spiel nach einer solistischen Kadenz in einen vollen Abschlussakkord. Den 3. Satz verstehen die Musiker leichtfüßig und tänzerisch zu spielen, auch in den Tuben, fantastische Tuttiklänge, immer astrein intoniert und gestochen scharf artikuliert. Wellenartig laufen die Klänge durch´s Orchester – eine Freude zuzuhören.

Der Abschluss des Abends war ein außergewöhnlicher. Ein Posaunist, der auf ein Neues mit viel Humor durch das Programm führte und das Sauerland als „herbstliche Heimat“ des European Brass Ensembles bezeichnete, dankte dem Dirigenten Prof. Thomas Clamor ausdrücklich für dessen Mut, Dankbarkeit, Hingabe, und seine große Freude, die die Zusammenarbeit mit den Musikern prägen und diesen zu außergewöhnlichen Leistungen verhelfen, insbesondere auch in seinem ab 2002 unterstützen „El sistema“-Projekt in Venezuela. Das letzte Stück des Konzertes, „Guerra de Secciones“ von F. Mendoza, war vor diesem Hintergrund die große Party auf der Bühne, der sich kein Zuhörer entziehen konnte, mit viel Schlagwerk, Freude, Sound und Bewegung bei den Instrumenten, Rufen und Singen, zum Teil mit Publikum, ein virtuoses, rhythmisches Fest, der ganz große Klang! Dem langanhaltenden Applaus folgten zwei Zugaben: Die erste widmete Clamor als neuer künstlerischer Leiter des Sauerland Herbst seinem Vorgänger Georg Scheuerlein, die zweite, eine mexikanische Polka mit drei Solotrompeten und einem jodelnden Akkordeonspieler, war ein humorvoller Abschluss dieses besonderen Konzerterlebnisses!

 

Fotos: Ursula Wiethoff-Hüning

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