Schützenvereine – Tradition im Wandel?

Foto: Sonja Nürnberger

In Zusammenarbeit mit der Warsteiner Brauerei behandelt das Forschungsprojekt „Tradition im Wandel“ der Universität Paderborn schon seit 2016 das westfälische Schützenwesen. Angesetzt wurde in der Forschung ganz am Anfang der Geschichte der Schützenvereine. „Man kann nur von Tradition sprechen, wenn man weiß, wo sie herkommt“, erklärt Jonas Leineweber von der Universität Paderborn. So kann man vergleichen, ob der Wandel, der sich gerade vollzieht, schwerwiegender ist, als der in den Jahrhunderten zuvor und sich die Frage stellen, ob und wie das Schützenwesen fortbestehen kann.

In einer Pilotstudie zum Thema Aufbau und Ausrichtung von Schützenvereinen wurden die Schützenvereine Wewer, Brilon, Warstein, Velmede-Bestwig und Calle befragt. Die personellen Risiken wurden am dringlichsten eingestuft. Dabei stellten sich vor allem Schwierigkeiten bei der Besetzung des Vorstandes heraus sowie ein Ungleichgewicht in der Altersbalance. Die ökonomischen Risiken wurden an zweite Stelle gesetzt. Hier gibt es Probleme bei der Finanzierung durch sinkende Einnahmen bei Veranstaltungen durch einen starken Zuwachs von Konkurrenzveranstaltungen. Die soziologischen Risiken konnten innerhalb der Studie nicht abgefragt werden.

Auf dieser Basis wurde eine überregionale Online-Umfrage entwickelt, an der 5.470 Schützen und Nicht-Schützen teilnahmen. Rund 15 Fragen in sieben bis zehn Minuten gab es zu beantworten. Vorrangig ging es in der Umfrage darum, wie die Teilnehmer zu den traditionellen Werten der Schützenvereine stehen und wie bedeutsam sie diese für das persönliche Leben und für ihre Zukunft einschätzen. Bei der Umfrage stellte sich beispielsweise heraus, dass sich die Wichtigkeit der drei Leitwerte Glaube, Sitze, Heimat heute in entgegengesetzte Reihenfolge entwickelt hat. Ein weiteres Thema waren die bestehenden Strukturen innerhalb der Vereine sowie eventuell nötige Neuausrichtungen. Für Nicht-Mitglieder war die Frage wichtig, was sie davon abhält, einem Schützenverein beizutreten beziehungsweise was ein Anreiz für einen Beitritt darstellen könnte. Hierbei gab es einige überraschende Ergebnisse, so empfanden beispielsweise vor allem junge Teilnehmer das Tragen von Uniformen als attraktiv.

Eine detaillierte Auswertung der Umfrageergebnisse wird Anfang 2019 publiziert. Darin werden die Ergebnisse mit den Resultaten aus dem Forschungsprojekt in einen Gesamtzusammenhang gebracht.

Bereits im vergangenen Jahr veranstaltete Warsteiner Workshops für die über 400 Schützenvereine im Sauerland, mit denen die Brauerei zusammenarbeitet. Im November wird es daher weitere Workshops geben, bei denen Lösungsansätze für die Probleme der Vereine erarbeitet werden sollen.