Socken, Strümpfe, Sport und Fashion

Foto: Klaus-Peter Kappest

Franz-Otto und Franz-Peter Falke im WOLL-Interview – FALKE fühlt sich wohl in Schmallenberg

Von Hermann-Josef Hoffe

Im Volksmund werden die Schmallenberger die „Strumpfstädter“ genannt. Gewiss nicht ohne Grund. Denn in Schmallenberg hat FALKE, der bekannte und bedeutende Hersteller von Socken und Strümpfen für Damen, Herren und Kinder, seinen Stammsitz. Mit dem Bekenntnis zum Produktionsstandort Schmallenberg hat das in vierter Generation geführte Familienunternehmen die Entwicklung von Schmallenberg in den vergangenen einhundert Jahren maßgeblich mitgeprägt. Heute wird FALKE von den Vettern Franz-Peter Falke (66) und Paul Falke (60) geführt. Fast täglich für einige Stunden noch im Unternehmen ist Senior Franz-Otto Falke (95), der Vater von Franz-Peter Falke. Die Entwicklung und Geschichte des Unternehmens liegen ihm besonders am Herzen. WOLL hatte die einmalige Gelegenheit, den Senior und seinen Sohn gemeinsam zu einem Interview im Showroom in der Oststraße zu treffen.

Mit einer herzlichen und typischen Franz-Otto Falke-Begrüßung, der seine ehemaligen Mitarbeiter und sonstige Schmallenberger auf Platt anspricht, werden wir empfangen: „Böü gaiher’t? Wat mäket WOLL?“ (Wie geht es? Was macht WOLL?) Mit dem anschließenden Hinweis: „Iëck kann nit mehr sä guëtt soihn un hören“ (Ich kann nicht mehr so gut sehen und hören) setzen wir uns im großzügigen und an allen vier Wänden mit modischen Socken und Strümpfen dekorierten Showroom zum Gespräch an den Tisch.

WOLL: Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Socken und Strümpfen? Man hört und liest immer wieder beide Worte.
Franz-Otto Falke: Da gibt es eigentlich keinen Unterschied. Wenn man aber will, kann man bei Herren- und Kinderstrümpfen auch von Socken reden. Bei den Damen spricht man jedoch von Damenstrümpfen und Feinstrumpfhosen. Als Strümpfe werden auf jeden Fall die Damenfeinstrümpfe bezeichnet. Oder man könnte auch sagen: kurz sind es Socken und lang sind es Strümpfe.

WOLL: Wodurch unterscheiden sich FALKE-Produkte von anderen Socken oder Strümpfen?
Franz-Peter Falke: Firmen, die sich ausschließlich als Strumpfhersteller definiert haben, also über das Produkt Strumpf, sind mehr oder weniger vom Markt verschwunden. Unser Anspruch ist, Produkte anzubieten, deren Design, stoffliche und farbliche Harmonie unserem subjektiven Stilempfinden entsprechen und auf gleichgesinnte Kunden treffen. Daher sind Strümpfe für uns einerseits modische Accessoires als Komplementär zum passenden Outfit, andererseits z.B. im Sportbereich hochfunktionelle Produkte zur Leistungssteigerung bzw. Prävention gegen Verletzungen. „Moderne Bekleidung für moderne Menschen“ anzubieten, ist seit Beginn unseres Unternehmens unsere Mission. Sie ist zu jeder Zeit immer wieder herausfordernd, aber auch befriedigend. Mit Neugierde und Kreativität diesem unserem Anspruch stetig gerecht zu werden, ist die Differenzierung gegenüber unseren Mitbewerbern. Diese Grundeinstellung ist heute genauso ein Wettbewerbsvorteil wie zu Gründungszeiten unseres Unternehmens. Wenn z.B. Digitalisierung heute als neue große Herausforderung angesehen wird, so besteht die Herausforderung nicht darin, dass analoge Tätigkeiten heute digital sind, sondern darin, aus der exorbitanten Informationsflut, die gleichzeitig weltweit stattfindet und damit die Komplexität erhöht, neue Ideen für neue Zeiten zu entwickeln. Wir als Falke wollen unserem Esprit entsprechend der Zukunft etwas voraus sein, um die Zukunft ein wenig mitzugestalten.

WOLL: FALKE stellt nach eigenen Aussagen modische Bekleidung aus hochwertigen Materialien, verarbeitet mit handwerklicher Perfektion und Liebe zum Detail, her. Ist FALKE eher ein Handwerks- und weniger ein Industrieunternehmen, mit über 3.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von deutlich über 200 Millionen Euro.
Franz-Peter Falke: FALKE ist, wenn man so will, dem Geist nach ein Handwerksunternehmen. Unser Anspruch an uns selbst ist, immer neuartige, bessere und relevante Produkte zu entwickeln. Unsere Weltoffenheit, unsere Neugierde und Kreativität ist dafür Voraussetzung. Daraus entwickeln wir innovative Konzepte und Produkte, die auf das Interesse unserer Kunden treffen und dann zu ökonomischem Erfolg werden.

Foto: Klaus-Peter Kappest

WOLL: Die Firma FALKE wurde 1895 gegründet und wird in der vierten Generation von Ihnen, Franz-Peter Falke, und ihrem Vetter Paul Falke geführt. Wie sieht die Zukunft von FALKE aus?
Franz-Otto Falke ergreift das Wort: Die deutsche Strumpfindustrie und die europäische Strumpfindustrie insgesamt hat enorm gelitten. Bei den Strickstrümpfen war das in den 60er Jahren. Die steigenden Importe gingen innerhalb von sechs, sieben Jahren auf einen Anteil von 90 Prozent bei der Inlandsversorgung. Und bei Damenstrümpfen hatten wir da eine enorme Entwicklung zu den Feinstrumpfhosen. In Deutschland wurden Ende der siebziger Jahre achthundert Millionen Stück verkauft, heute sind es unter vierzig Millionen. FALKE ist zu keiner Zeit ein Massenhersteller gewesen. Wir haben nie den Ehrgeiz gehabt, die größte Menge zu produzieren und zu verkaufen. Bei Herrensocken waren wir die ersten und vielleicht auch die Einzigen, die hier Maßstäbe gesetzt haben. Das hat uns gegenüber den anderen Strumpfherstellern eine eindeutige Vorrangstellung gegeben. Die Denke des Wettbewerbs war damals stark von der Menge geprägt. Man produzierte in Massen Damenfeinstrümpfe. Kinder- und Herrensocken waren da ein lästiges Anhängsel. Der Inhaber eines damals sehr großen Strumpfherstellers soll gesagt haben: „Mit Herrensocken kann man kein Geld verdienen.“ Wir haben ganz gut Geld verdient mit Herrenstrümpfen. Geholfen hat uns dabei, dass wir nicht unbedingt große Mengen in den Markt drücken wollten, sondern dass wir vom Markt her gedacht haben. Wir haben auf der Verbraucherseite einiges erforscht und haben immer nach dem Prinzip gearbeitet: Wie können wir den Wünschen der Verbraucher am besten gerecht werden?

WOLL: Wie sehen Sie die Zukunft von FALKE?
Franz-Peter Falke: Unser Anspruch ist, die Zukunft gestalten zu wollen, und zwar auf Basis der von uns oben beschriebenen Mission. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns jeden Tag neu stellen. Moderne Bekleidung für moderne Menschen immer wieder neu ernsthaft zu leben, gibt uns Sicherheit und die große Gewissheit, auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Denn wenn ein Unternehmen nur Mitläufer am Markt ist, keine eigene Position hat, als Unternehmen keine Identität, dann wird der Verbraucher das Unternehmen positionieren, was dazu führt, dass das Unternehmen austauschbar ist und damit ausschließlich und gnadenlos im internationalen Preiswettbewerb steht.

WOLL: Herr Falke, Sie sind nicht nur Unternehmer, Sie sind auch schon seit etlichen Jahren Präsident des Deutschen Markenverbandes. FALKE ist eine bedeutende Marke. Was macht eine gute deutsche Marke aus?
Franz-Peter Falke: Für mich ist eine Marke eine Persönlichkeit, die in sich ruht, die sich immer wieder neu das Vertrauen ihrer Kunden erarbeitet und einen nachhaltigen positiven Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung leistet. Ich mag das Wort „deutsche Marke“ nicht so sehr. Wenn ich die Forderung nach einem verpflichtenden Label wie „made in …“ höre, macht mich das wütend, einmal deshalb, weil es ein protektionistischer Ansatz ist und von all denen gefordert wird, die heute bei der Globalisierung nur noch beschränkt wettbewerbsfähig sind, und zum anderen auch, weil es meines Erachtens diskriminierend ist, Ländern und Menschen gegenüber, die heute mit gleich großer Kreativität und Passion und noch größerer Schnelligkeit und Effizienz dabei sind, Zukunft zu gestalten.

WOLL: Haben die hervorragende Qualität und der gute Ruf der FALKE-Produkte etwas mit dem Standort Schmallenberg zu tun?
Franz-Peter Falke: Selbstverständlich. In Schmallenberg hat sich über Generationen die Passion für unsere Qualitätsprodukte entwickelt und über Generationen hat sich das spezifische Know-how weiterentwickelt. Das ist unsere große Stärke. Die große Herausforderung, der wir uns stellen müssen, ist, dieses Know-how und diese Passion auch für die Zukunft zu sichern. In den sich schnell ändernden Zeiten ist dies eine Frage der Existenz, ebenso wie wir lernen müssen, konsequent und verstärkt den Blick von außen nach innen zu richten, um weiter in der Zukunft erfolgreich zu sein.
Franz-Otto Falke: Schmallenberg. Hier sind wir daheim. Hier sind wir zuhause.
Franz-Peter Falke: Für mich ist Heimat nicht unbedingt lokal definiert. Heimat ist für mich dort, wo ich den gleichen Esprit empfinde. Natürlich ist er aus der Verwurzelung heraus in Schmallenberg sehr stark, aber auch in anderen Kulturen.
Franz-Otto Falke: Die Schmallenberger sind wie alle Sauerländer schon immer weltoffen gewesen. Man denke an die vielen Metallbetriebe hier im Sauerland, die schon seit Jahrhunderten weltweit exportieren. Weltoffenheit ist wohl ein Typikum der Sauerländer Menschen.
Franz-Peter Falke: Weltoffenheit und Neugierde sind das, was unsere Mission umschreibt: Moderne Bekleidung für moderne Menschen. Aus der Neugierde entsteht wieder Kreativität. Und das umschreiben wir mit dem Wort „Modernität“.

WOLL: Wie viele der über 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von FALKE sind hier am Standort Schmallenberg beschäftigt?
Franz-Peter Falke: Nach der Personalstatistik sind hier am Standort Schmallenberg rund zwölfhundert Menschen angestellt. Da sind aber die vielen Außendienstmitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den eigenen Shops mitgerechnet.

Foto: Klaus-Peter Kappest

WOLL: Herr Falke, Sie sind vor einigen Tagen 95 Jahre geworden. Was muss man machen, um im hohen Alter noch so fit zu sein wie Sie?
Franz-Otto Falke (schmunzelt): Jeden Tag ordentlich trinken, nachts wenig schlafen, sich nicht bewegen. Ich habe Glück gehabt, auch wenn ich jetzt nicht mehr so gut sehen und hören kann. Man muss verantwortungsvoll leben.
Franz-Peter Falke: Es gibt im Französischen diesen wunderbaren Ausdruck „joie de vivre“, Lebensfreude. Und dazu gehört ein Glas Wein. Das ist Lebensfreude. Diejenigen, die immer andere Leute belehren, wie sie zu leben haben, vergessen dabei häufig, dass es noch etwas anderes gibt als Verbote.
WOLL: Das Motto der diesjährigen Schmallenberger Woche lautet: Wanderbares/ Wunderbares Schmallenberger Sauerland. Im kommenden Jahr findet in Schmallenberg und Winterberg der 119. Deutsche Wandertag statt. Ist das Wandern für die Falke-Familie ein Thema?
Franz-Peter Falke: Für ihn (zeigt auf den Vater) ja, für mich nicht so sehr. Wandern durch die Welt schon. Ich bin Sportinvalide und daher steht Wandern bei mir nicht im Programm. Aber Spaß beiseite. Wir haben uns ja nie als Strumpfhersteller definiert, sondern als Hersteller modischer und funktionaler Accessoires. Dazu muss man, ich wiederhole mich, neugierig sein und sich mit der Frage beschäftigten, wie ich einen Strumpf herstelle, der die besonderen physiologischen Herausforderungen beim Wandern, beim Skifahren, beim Laufen oder bei welcher Sportart auch immer bestens erfüllt. Sich mit der Physiognomie des Wanderns auseinanderzusetzen, das geht schon sehr in die Medizin hinein, ohne dass wir Medizinprodukte machen. Wir beschäftigen uns sehr ausgiebig mit dem ganzen Biosystem. Und daraus leiten wir die speziellen Herausforderungen für die für unterschiedliche Persönlichkeiten passgenauen Strümpfe ab. Also ausbalanciert mit den Schuhen, mit den Sohlen und so weiter. Das muss eine perfekte Symbiose zwischen Schuh und Bein sein.
Franz-Otto Falke: Wir waren die Ersten, die unterschiedliche, passgenaue Socken für linke und rechte Füße gefertigt haben.
Franz-Peter Falke: Bei allen Produkten spielt in Zukunft die Differenzierung eine wichtige Rolle. Und nochmals zum Thema Wandern. Eine der häufigsten Verletzungen, nicht nur beim Wandern, ist die Bänderdehnung. Hierfür stellen wir entsprechende Produkte her, die das Risiko einer Bänderdehnung minimieren.

WOLL: Zum Abschluss: Was werden Sie sich auf der Schmallenberger Woche alles ansehen?
Franz-Otto Falke: In jedem Fall werden wir uns die in der Weststraße aufgehängten, bunten Wandersocken anschauen. Die weisen ja auf das Motto der diesjährigen Schmallenberger Woche „Wanderbares/Wunderbares Schmallenberger Sauerland“ und auf den Deutschen Wandertag im kommenden Jahr hin.

WOLL: Vielen Dank, Franz-Otto und Franz-Peter Falke, für
das Gespräch.