Beim regelmäßig statfindenden Gastwirte-Stammtisch ist sie entstanden – die Idee für das Projekt #G.A.S.T (gesprochen: „Hashtag GAST“). Dass es zunehmend schwieriger wird für Hotels, Gasthöfe oder Gastronomiebetriebe ausreichend qualifizierte Fachkräfte zu finden, ist bekannt und kein Phänomen nur dieser Branche. Aktiv gegensteuern möchten nun die Vertreter aus Hotelerie und Gastronomie im Schmallenberger Sauerland und der Ferienregion Eslohe, indem sie sich gemeinsam an einen Tisch setzen, um das wichtige Zukunftsthema Fachkräftesicherung anzugehen. Wir haben mit dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins Schmallenberger Sauerland, Rudolf Grobbel und der Projektleiterin Elke Spaller im Holz- und Touristikzentrum in Schmallenberg gesprochen. Der Verkehrsverein Schmallenberger Sauerland e.V. ist formeller Träger des Projektes. Schon bei der Auftaktveranstaltung am 12. Juli konnte man deutlich erkennen, dass die Gastronomen in der Ferienregion Schmallenberger Sauerland zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch besser und stärker an einem Strang ziehen wollen, um gestärkt die Herausforderungen der kommenden Jahre anzugehen.

WOLL: Gerne arbeiten im Schmallenberger Tourismus! So lautet das Motto und die Botschaft des Projektes #G.A.S.T. Warum lautet die Botschaft so und was bedeutet das komische Zeichen vor den vier Großbuchstaben?

 Rudolf Grobbel: Wir haben nach einem der Gastwirte-Stammtische eine Begrifflichkeit für unser Projekt gesucht, mit der man draußen etwas anfangen kann. Schmallenberg sollte drin vorkommen. Und eines dieser Wortspiele hieß dann „Gast“, übersetzt „Gerne arbeiten im Schmallenberger Tourismus“. In der Gestaltungsphase wurde das sogenannte „Hashtag-Zeichen“ als Symbol für die Sozialen Medien davor gesetzt, damit sich auch die junge Generation angesprochen fühlt. Der offizielle Titel des Projektes wäre auf jeden Fall zu sperrig gewesen: Fachkräfte-Gewinnung und Bindung im Gaststättengewerbe.

WOLL: Nun zählt das Schmallenberger Sauerland – nach eigenen Aussagen – zu den besonders schönen und vorzeigenswerten Regionen des Sauerlandes. Muss es dann gerade hier ein solches Projekt geben?

 Elke Spaller: Gerade deshalb. Um den Standard und das Niveau auf Dauer halten zu können, bringt es nichts, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Nur weil wir eine schöne Natur haben oder in unserer touristischen Arbeit gut aufgestellt sind, heißt das noch nicht, dass Negativentwicklungen in unserer Branche an uns vorbeigehen. Ich finde es ganz wichtig, kritisch in sich zu gehen und sich zu hinterfragen und zu überlegen: wie sind wir aufgestellt, was soll bleiben, was muss sich ändern? Die Idee hierzu kam nicht von oben, zum Beispiel vom Tourismus Schmallenberger Sauerland, sondern von den Betrieben selbst, also von der Basis. Die Gastronomen haben gesagt: wir müssen herausfinden, wo es hakt, wo der Schuh drückt, wo wir Defizite haben.

Rudolf Grobbel: Ich möchte das ergänzen. Wenn es uns mit Hilfe des Projektes gelingt, eine bessere Außendarstellung zu schaffen und die Betriebe in unserer Region bestimmte Standards umsetzen und leben, dann werden wir auch attraktiver für jungen Menchen, die im Tourismus arbeiten möchten.

Elke Spaller: Genau das ist das Ziel. Die Inhaber und Verantwortlichen der gastronomischen Betriebe und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieben werden mit ausführlichen und anonymen Fragebögen nach ihren Motiven, nach positiven und negativen Merkmalen ihrer Berufe befragt. Die Bögen haben wir mit Unterstützung von Frau Prof. Dr. Susanne Leder von der Fachhochschule in Meschede entwickelt, deren Arbeitsschwerpunkte Marketing und Management im Tourismus sowie touristische Marktforschung sind. Mitarbeitende werden nach ihrer momentanen beruflichen Situation und ihrer Zufriedenheit darin ebenso befragt, wie nach ihrer Ausbildung und Laufbahn oder den Fortbildungsmöglichkeiten. Arbeitgeber finden in ihren Bögen Fragen zu der aktuellen Personalsituation sowie zu ihren eigenen Maßnahmen der Fachkräftesicherung und -gewinnung und den Wünschen hinsichtlich der Qualifikation zukünftiger Mitarbeiter. Ab Anfang August wurden die Bögen bei allen gastronomischen Betrieben im Schmallenberger Sauerland und der Ferienregion Eslohe verteilt. Wir erhoffen uns einen großen Rücklauf dazu. Bis Ende August läuft die Frist für die Rückgabe.

WOLL: Und wie geht es dann weiter?

 Elke Spaller: Alle Fragebögen werden danach anonym ausgewertet und bilden die Grundlage aller weiteren Planungen und Maßnahmen, die im Förderprojekt umgesetzt werden.

Rudolf Grobbel: Denn nur, wenn wir wissen, wo der Schuh drückt, können wir zielgerichtete Strategien entwickeln, die nachhaltig zur Förderung und Bindung der Fachkräfte in der Region beitragen und die sowohl Betrieben wie auch Mitarbeitenden konkrete Unterstützung bieten.

 WOLL: Sie wollen auf der einen Seite die Arbeitgeber, also die Hotels, Pensionen, Gasthöfe und weiteren Betriebe des Tourismus ansprechen und erreichen und auf der anderen Seite die dort beschäftigten Menschen sowie interessierte Arbeitnehmer, die im Tourismus arbeiten müssen oder wollen? Haben sich diese beiden Interessengruppen denn in der Vergangenheit nicht so richtig verstanden?

 Rudolf Grobbel: Dass wir überhaupt ein solches Projekt starten können, setzt voraus, dass die Touristiker untereinander einen guten Draht haben. Und wir wissen natürlich auch, dass das Bild, das die Betriebsinhaber und Verantwortlichen in den gastronomischen Betrieben von der Arbeit haben, in der Regel häufig ein anderes ist, als es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben.

Daher wollen wir uns ein möglichst transparentes Bild schaffen. Die Ergebnisse zeigen, das wissen wir, lediglich einen Querschnitt der Branche an. Wir unterscheiden nicht zwischen größeren und kleineren Betrieben. Alles ist anonym. Die Ergebnisse zeigen uns Trends und Tendenzen auf. Und daraus werden Maßnahmen abgeleitet, die uns als Ferienregion und vor allem die Arbeit hier noch attraktiver für Mitarbeiter machen.

Elke Spaller: Das ist ein wichtiger Punkt, auch unter Berücksichtigung der Dauer des Projektes. Von den 18 Monaten sind jetzt schon drei Monate rum. Es wäre daher absolut wünschenswert, wenn hier Dinge entstehen, die sich von selbst weitertragen, weit über den Projektzeitraum hinaus.

Rudolf Grobbel: Wenn man sieht, mit welcher Geschwindigkeit die Dinge in Schwung gekommen sind und mit welchem gemeinsamen Esprit das Ganze auch wächst, dann hat das schon eine Qualität, die sich viele andere wünschen. Manche erreichen nach 18 Monaten noch nicht einmal die Entwicklung eines Fragebogens.

 WOLL: Als erste große Maßnahme wird eine Fragebogenaktion gestartet. Ein Extra-Fragebogen für die Inhaber und Verantwortlichen der Betriebe und ein anderer für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den touristischen Betrieben des Schmallenberger Sauerlandes. Können Sie uns beispielhaft erläutern, was dort abgefragt wird?

 Rudolf Grobbel: Es geht dabei um hochsensible Themen. Rund 35 Prozent der Kosten im Tourismus sind Personalkosten. Löhne und Gehälter erreichen in unserer Branche einen ähnlichen Wert wie der Wareneinsatz. Somit sind einer der größten Posten die Kosten für die Mitarbeiter. Wenn sich zum Beispiel Arbeitszeiten verändern oder die Höhe der Bezüge, dann wirkt sich das unmittelbar auf die Kostenstruktur eines Betriebes aus. Wird zum Beispiel Schichtarbeit in einem Betrieb eingeführt, dann muss darauf geachtet werden, dass die Produktivität erhalten bleibt. Sie ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit. Und an dem Thema kommt kein Betrieb vorbei. Daher gilt: Produktivität erhalten oder sogar steigern und immer die hohe Qualität aller Leistungen im Auge behalten. Denn wir dürfen den Gast nicht vergessen. Daher ist es auch legitim gewisse Preissteigerungen vorzunehmen, damit gestiegene Lohnkosten auch untergebracht werden können. Ich meine, die Zeit ist reif dafür.

Und bei den Rahmenbedingungen im Betrieb, da fragen wir ganz offen nach Arbeitszeiten, Vergütung von Arbeitszeiten, Dienstplanungsgestaltung, Wunschzeiten für Mitarbeiter, und so weiter. Hier fällt es manchem Betrieb schwer, sich mit den erforderlichen Veränderungen anzufreunden. Letztendlich können wir aber Mitarbeiter nur werben und behalten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und da sprechen wir zunächst nicht über Geld, sondern über das Arbeitsumfeld und den Rahmen, damit sich die Mitarbeiter wohlfühlen können.

 WOLL: Wie in den ausliegenden Broschüren und Informationen zu lesen ist, setzt sich das Projekt als Ziel, eine bessere Vernetzung der Akteure, die Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit und eine langfristige Bindung der Fachkräfte an unsere Region, an das Schmallenberger Sauerland. Dafür sind insgesamt 18 Monate vorgesehen. Kann man das in der Zeit tatsächlich erreichen?

 Elke Spaller: Wie schon gesagt, die 18 Monate sind tatsächlich viel zu kurz und daher tun wir alles, damit das Projekt und die Thematik über den Förderzeitpunkt hinaus im Marketing des Tourismus im Schmallenberger Sauerland langfristig verankert ist.

 WOLL: Sie sind gebürtige Schmallenbergerin, wohnen jetzt mit Ihrer Familie in Dorlar. Was ist für Sie persönlich das Besondere an diesem Projekt?

 Elke Spaller: Ich habe in meiner bisherigen Arbeit schon den regionalen Tourismus kennengelernt, aber auch in einem Hotel gearbeitet, sodass ich beide Seiten ganz gut kenne. Es ist sehr schön hier im Schmallenberger Sauerland zu arbeiten, zumal ich mich mit der Region voll identifiziere. Zudem finde ich das Projekt ungemein spannend, weil ich hier sehr viel Potenzial sehe und wir die Dinge jetzt gemeinsam anstoßen können. Das Engagement der Betriebe im Arbeitskreis ist erfreulich groß. Ich habe das Gefühl, dass wir hier etwas bewegen können.

WOLL: Und für Sie Herr Grobbel?

Rudolf Grobbel: Das Ganze ist aus einer Idee gewachsen, wo es zunächst darum ging, die Ausbildung der Mitarbeiter zu koordinieren und zu verbessern. Es wurde nach Fördergeldern umgeschaut und im Gespräch mit den Kollegen überlegt, wie wir Mitarbeitern zum Beispiel durch die Gästekarte einen zusätzlichen Benefit geben können. Das hat aber schwierige steuerliche Aspekte zur Folge und außerdem merkten wir, dass wir immer mit unseren Augen an die Dinge rangehen, dabei aber den Blick von außen vergessen. Und so wurde uns schnell klar, wir müssen die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter in Ausbildung und aller anderen Mitarbeiter besser kennenlernen um daraus dann neue Anstöße für unsere Arbeit zu bekommen. Die Betriebe springen mit auf den Zug für das Gemeinsame und das ist schon toll.

WOLL: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und eine glückliche Hand beim Projekt #G.A.S.T.

Das WOLL-Magazin wird in den kommenden Ausgaben und auch online das Projekt #G.A.S.T. begleiten und Erfolgsbeispiele und neue Projekte und Ideen im Tourismus des Schmallenberger Sauerlandes vorstellen. Und es ist allen Beteiligten zu wünschen, dass ganz viele und immer mehr Menschen sagen: Ich arbeite gerne im Schmallenberger Tourismus. Woll!