„Lesen gehört zum Alltag“ – Kindergarten Westfeld

Foto: Heidi Bücker
Foto: Heidi Bücker

von Sonja Nürnberger

Draußen hüpfen die Kinder lachend über den großzügigen Naturspielplatz. Ein großer, überdachter Sandkasten, ein Hügel, durch den ein Tunnel führt, ein Barfußpfad. Das und noch viel mehr steht den Kindern im Kindergarten in Westfeld zur Verfügung. Drinnen fällt vor allem eines ins Auge: Bücher.

„Vorlesen, literaturpädagogische Angebote für Kinder und auch für die Eltern, Feste mit Literaturschwerpunkt – Literatur, speziell Kinderliteratur, hat in unserer Einrichtung schon immer eine große Rolle gespielt“, erzählt Gabi Schmitt. Sie leitet den Kindergarten und ist inzwischen seit 37 Jahren dort tätig. „In den letzten Jahren haben wir uns auf die Erlangung des Zertifikats ‚Literaturkindergarten NRW‘ eingestellt.“ Und dafür sind nun bald alle Kriterien erreicht.

Erste Schritte – Der Bücherei-Führerschein

Eine Aktion, die der Kindergarten anbietet, ist beispielsweise der Bücherei-Führerschein. „Wir haben einen Kooperationsvertrag mit der Bücherei in Schmallenberg. Dabei bekommen die Kinder in vier Einheiten die Bücherei, deren Aufbau und die Art der Bücher spielerisch vermittelt. In der letzten Einheit gehen dann die Eltern mit und die Kinder bekommen den Bücherei-Führerschein verliehen. Das Familienzentrum sponsert den Familien auch die Mitgliedschaft in der Bücherei; so haben viele im Laufe der Jahre die Bücherei in Schmallenberg kennengelernt und nutzen diese nun auch weiter.“

Auch im Kindergarten selbst können einmal in der Woche Bücher von Kindern oder ihren Eltern ausgeliehen werden. Der Ablauf ist derselbe wie in einer richtigen Bücherei, damit die Kinder diesen früh kennenlernen.

Auch tägliches Vorlesen gehört zum Kindergartenalltag in Westfeld. Manchmal kommen dafür Lesepaten vom Schmallenberger Lions-Club. Schülerinnen und auch Schüler lesen den Kindern vor. „Wir hatten das Glück, dass wir öfter auch männliche Vorlesepaten hatten. Das war für die Kinder schön. Gerade für die Jungen ist es wichtig, dass sie auch männliche Leser als Vorbild bekommen, weil Lesen ja oft eher Mädchen zugeschrieben wird.“

Literatur als Ausdrucksmittel

Dabei ist Lesen wirklich für alle wichtig. „Literatur bietet den Kindern eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Sie haben Spaß an Reimen, an Gedichten, selbst an Fingerspielen, die ja im weitesten Sinne auch zur Kinderliteratur gehören. Die Kinder haben ein natürliches Interesse an Büchern und durch Literatur lernen sie viele Dinge über die verschiedensten Sachbereiche“, erläutert Gabi Schmitt. Zusammen mit ihren Kolleginnen achtet sie darauf, dass die Kinder möglichst alle Literaturgattungen kennenlernen: Bilderbücher, Märchenbücher, Sachbücher. „Das ist sehr schön, wenn sie das im Kindergarten in der
Gemeinschaft erleben oder dort kennenlernen.“

In den Kindergarten in Westfeld kommen auch Kinder anderer Nationalitäten, zum Beispiel aus Polen und Russland, sowie Kinder von Geflüchteten aus Syrien. „Wir haben ganz viele gute Erfahrungen mit unseren Flüchtlingskindern gemacht. Sie haben sehr großes Interesse an Büchern. In Zusammenarbeit mit der Bücherei in Schmallenberg haben wir deswegen zweisprachige Bücher, in Arabisch und Deutsch, für die Kinder besorgt.“ Das ist auch für das Erlernen der Sprache sehr hilfreich.

Die Grundschulen merken die positiven Auswirkungen der frühen Leseförderung im Kindergarten in Westfeld, gerade die Grundschule in Oberkirchen, die auch selber viel mit Literatur arbeitet.

Kreative Angebote für alle Altersklassen

Da die Einrichtung Teil der Familienzentren Schmallenberg ist, sind es aber nicht nur Kinder zwischen zwei und sechs Jahren, die das Literaturangebot im Kindergarten in Westfeld gerne annehmen. Der Kindergarten ist ein fester Bestandteil des Dorfes, das Familienzentrum bietet viele Kurse in anderen Bereichen an. „Das Konzept funktioniert
hier sehr gut, es gibt verschiedenste Angebote für Kinder und Erwachsene. Bewegungserziehung ist ein ganz wichtiger Punkt, und auch die Musikschule Hochsauerland ist hier aktiv. Des weiteren versuchen wir, im kreativen Bereich, vor allem im freien Gestalten, viel anzubieten.“

Auch das Sommerfest wird immer sehr gut angenommen. „Einmal im Jahr, in der deutschen Bibliothekswoche, machen wir hier im Kindergarten mit der Schmallenberger Bücherei eine Kooperationsveranstaltung, bei der es immer um bestimmte Themen aus der Literatur geht.“ Beim ersten Mal wurde das Motto vorgegeben: „Total verliebt in die Bibliothek“. Inzwischen wählt der Kindergarten die Themen selbst. „Im letzten Jahr hatten wir auf unserem großen Sommerfest das Thema ‚Astrid Lindgren‘ und haben ein Jahr lang alle Literaturerzeugnisse von ‚Pippi Langstrumpf‘ bis ‚Die Kinder aus der Krachmacherstraße‘ aufgearbeitet.“ In diesem Jahr wird das Motto „Hier bei uns in den Bergen“ sein, passend zum Heidi-Theaterstück, das in Hallenberg auf der Freilichtbühne aufgeführt wird. Der Autor, der in diesem Jahr hauptsächlich behandelt wird, ist Otfried Preußler. „Das macht total Spaß und Literatur ist eben so ein Thema, das man immer in den normalen Kindergarten-Alltag integrieren kann. Lesen gehört zum Alltag der Kinder dazu.“

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