Der „Franzosenfriedhof“ in Meschede

Vorstellung des Buches von Nadja Thelen-Khoder

Wenige Monate vor ihrem Tod erzählte die Mutter vom Langenbachtal. Daß sie ihremn Vater, dem Warsteiner Arzt Dr. Segin, oft geholfen habe, die eiternden Geschwüre der russischen Zwangsarbeiter „auszuschaben“, hatte sie schon oft erzählt; aber daß 71 von ihnen wenige Tage vor Kriegsende im Rahmen von drei nächtlichen Massakern deutscher Soldaten im Langenbachtal ermordet wurden, nicht.

Ein „Franzosenfriedhof“ ohne Franzosen, teils nicht mehr lesbare Grabsteine ohne Geburts- und Sterbedaten und vermooste, verwitterte und gebrochene Steine mit verharmlosenden Texten – so fand die Autorin den Mescheder Waldfriedhof vor, als sie sich im Herbst 2015 auf die Spurensuche begab.

In dieser Dokumentation erzählt Nadja Thelen-Khoder von ihren Erkundungen zu den Toten und Ermordeten, von denen einige ihre Namen zurückerhalten. Mit vielen Listen, die dutzende Lager und Zwangsarbeitgeber und tausende sowjetische Zwangsarbeiter betreffen, will dieses Buch Quellen für weitere Forschungen erschließen.
Die Autorin dieser Dokumentation wurde 1961 „vor dem Bau der Mauer“ geboren („die Mauer ist weg, ich bin noch da!“):russischer Vorname, deutsch-arabischer Nachname, Rheinländerin mit sauerländischem Migrationshintergrund. Bei ihren Recherchen zu Endphase-Verbrechen des Jahres 1945 erfährtsie, wie spannend Archive sein können: „Lange habe ich geglaubt, daß alle Unterlagen vernichtet worden seien – durch den Krieg, durch Unachtsamkeit, aus Not oder willentlich von Menschen, die ein Interesse hatten. Aber je länger ich nach Namen suchte, desto mehr Listen begegneten mir, Listen mit Namen über Namen . . .“

Nadja Thelen-Khoder
Der „Franzosenfriedhof“ in Meschede
Drei Massaker, zwei Gedenksteine, eine „Gedenktafel“ und 32 Grabsteine. Dokumentation einer Spurensuche
Norderstedt 2018

ISBN: 9-783752-969712 (www.bod.de)