Tanz mit Tod im Leben

Eine faszinierende Annäherung an die Wahrheit eines schwierigen Themas

von Jens Feldmann

Der Tod gehört zum Leben wie das Leben zum Tod – das eine ist nicht ohne das andere denkbar. Es sind uralte Fragen der Menschheit, die von diesen beiden Polen des Daseins ausgehen. Entsprechend durchzieht auch die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tod beinahe die gesamte Menschheitsgeschichte. Viele Zeugnisse entstammen dem Mittelalter, in welchem das Sterblichkeitsbewusstsein einen Höhepunkt erreichte. Und dort, ab dem 14. Jahrhundert und mit einer Hochzeit in der Reformation (etwa 1517 bis 1648), begegnet einem auch das allegorisch aufbereitete Bild vom Totentanz.

Im Tanz mit dem personifizierten Tod erkennt der Mensch dessen Macht über das Leben, realisiert, dass er sterben muss und sich dem niemand entziehen kann. Der Totentanz hat sich in vielfältigster Form in den kulturellen Zeugnissen der Menschheit niedergeschlagen, in Bildender Kunst, Musik, Film und Literatur. Hans Christian Andersen, der berühmte dänische Märchenautor, lässt den Tod sagen:

So alt wie jeder von euch ist, so viele Jahre habe ich schon mit euch getanzt. Jeder hat seine eigenen Touren, und der eine hält den Tanz länger aus als der andere. Aber die Lichter verlöschen zur Morgenstunde, und dann sinkt ihr alle müde in meine Arme – das nennt man sterben.

Das Bild vom Tanz mit dem Tod zeigt auch eines: Tabuisieren, Ignorieren und Verdrängen führt weg vom Erkennen des Essenziellen und Unvermeidlichen. Ulrich Rützel, vielen bekannt als Musiker und Begründer des Erdenklang-Musiklabels, hat zusammen mit dem Hospiz- und Palliativdienst Meschede, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, sowie der Fachhochschule Südwestfalen als Initiator und künstlerischer Leiter eine Ausstellung konzipiert, die sich als Plädoyer für das Leben versteht. Mit Musik, Bildern, Fotos, Skulpturen, Texten und Filmen wird die künstlerische Auseinandersetzung mit Sterblichkeit thematisiert. Die multimediale und interdisziplinäre Ausstellung „Tanz mit Tod im Leben“ spricht alle Sinne an, adressiert alle Grundstimmungen und bietet ein Panorama aus globalen Mythen, Ritualen, Lebens- und Todesbetrachtungen.

Ob unmittelbar mit dem Sterben konfrontiert – beruflich oder privat – oder mitten im Leben stehend: Die Ausstellung will Berührungspunkte mit einem schwierigen Thema herstellen, will Ängste mildern oder nehmen, dem Thema die Wucht nehmen. Der titelgebende „Tanz“ mit dem „Tod im Leben“ steht nicht zuletzt auch für das Empfinden von Lebensfreude und leitet von der Todes- in die Lebensbetrachtung über, führt zum Kern des Daseins.

Über die Ausstellung: Plädoyer für das Leben

In einer multimedialen Ausstellung globaler Mythen, Rituale, Lebens- und Todesbetrachtungen

Eröffnung ist am 11.9.2018 ab 18 Uhr in der Eingangshalle der FH in Meschede

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Meschede zeigt der Ambulante Hospiz- und Palliativdienst Meschede künstlerische Aspekte der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Sterblichkeit vom Mittelalter bis heute. Vier große Bildschirme bieten Filme, Musik, Fotos und Texte zu dem Thema. Schülerinnen und Schüler stellen ihre Bilder aus. Ein außergewöhnlicher Blickfang wird eine 25 Meter lange Reproduktion des „Totentanz der Marienkirche in Lübeck“ sein.

Die Ausstellung umfasst diese Darbietungen:

Die vier großen Bildschirme sind nach Themen bezeichnet und bieten pro Bildschirm ein ca. 30 minütiges Programm in einer ständigen Schleife.

  • Highlights sind die tanzenden Skelette der Gebr. Lumière von 1897
  • Buddhistische Weisungen des tibetischen Meditationsmeisters Sogyal Rinpoche
  • Horst Janssens Radierungen zum Totentanz
  • ein Ausschnitt aus Wim Wenders Film „Palermo Shooting“ mit Dennis Hopper und Campino
  • sowie Zitate zum Leben von Janis Joplin.

Digitale Fotoreproduktion des „Totentanz der Marienkirche in Lübeck“

Ausschnitt aus dem einst 30 Meter langen und zwei Meter hohen Fries in Lübeck.

Der ehem. 30 Meter lange und zwei Meter hohe Fries wird in der FH als 25 Meter langer und 1 Meter hoher Banner zu sehen sein. In dieser aussergewöhnlichen Installation werden unter den einzelnen Bildern eine neuhochdeutsche Prosaübersetzung der mittelniederdeutschen Verse des Originals aus dem Jahr 1463 zu sehen sein. Der Übersetzer dieser Facsimiles ist Prof. Dr. Harmut Freytag, der bei der Vernissage einige erläuternde Worte zu diesem Totentanz-Fries sagen wird.

Der Totentanz gemahnt den Betrachter, angesichts des Todes sein Leben für das persönliche Seelenheil und die soziale Gemeinschaft der Stadt verantwortungsvoll einzusetzen. Personifizierter Tod tanzt mit Menschen jeden Alters und Standes im Reigen.

Bilder von:

  • Thomas Jessen, Eslohe – Eine Reproduktion seines Großgemäldes
  • „Triumph des Todes“
  • Kindern der Oberstufenklasse der Kardinal-von-Galen Schule Eslohe
  • FachoberschülerInnen der Gestaltungsklassen des Berufskolleg Bergkloster Bestwig
  • SchülerInnen der St. Walburga Realschule Meschede

Tiere in Glasvitrinen: „Fabeln der Vergänglichkeit“ von Christoph Mause

Der Totentanz ist eine kulturelle Erscheinung des ausgehenden Spätmittelalters, die in Bild und Text dem Menschen dessen unausweichliche Sterblichkeit vor Augen führt. Er entspricht einem uralten menschlichen Bedürfnis, den Tod zu personifizieren. Angeführt vom personifizierten Tod tanzen Mann und Frau, Kaiser und Bettler, Reich und Arm, Alt und Jung dem Gericht Gottes entgegen.

Die Ausstellung „Tanz mit Tod im Leben…“ will Lebensfreude vermitteln. Also schalten wir um von Todesbetrachtung auf Lebensbetrachtung, welche in ihrer Einfachheit nur noch den Kern sucht: Welchen Sinn hat unser Leben und was machen wir daraus in Anbetracht des Todes.

Der Ambulante Hospiz- und Palliativdienst Meschede feiert in diesem Jahr sein 20 jähriges Bestehen.
Er möchte mit dieser Ausstellung den grundlegenden Gedanken anregen, den Tod als Teil des Lebens zu vergegenwärtigen, um das Leben erfüllt zu gestalten. Umgekehrt in der letzten Lebensphase wiederum das Sterben mit Leben zu füllen, Leben fühlen zu lassen und Halt zu geben durch Nähe.

Eröffnung 11.9.2018 um 19 Uhr

Einlass ab 18 Uhr

Gastredner Prof. Dr. Hartmut Freytag zum Thema Lübecker Totentanz.

Die Ausstellung läuft bis zum 31.10. 2018, in der Eingangshalle der FH

Öffnungszeiten ausser So: Mo-Do 8-18; Frei 8-16; Sa 10-14

FH Südwestfalen Meschede, Lindenstraße 53 – 59872 Meschede

Jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr gibt es eine kostenlose Führung.

Mehr dazu unter: www.totentanz-ausstellung.de