Der mit dem Wind tanzt

Von Andrea Gödde-Kutrieb

Es scheint, als hätte die Natur selbstvergessen gespielt, als sie die Schmetterlinge fast verschwenderisch mit Farben und Mustern ausgestattet hat. Leicht, als würden sie tanzen, begegnen sie uns beim Spaziergang oder im Garten und gehören einfach dazu, wenn wir an einen perfekten Sommertag denken. Rund 3.700 Arten gibt es in Deutschland. Davon sind der größte Teil Kleinschmetterlinge oder Nachtfalter. Etwa 180 Arten können wir hierzulande auch am Tag beobachten. Je nach Optik haben wir ihnen imposante Beinamen
gegeben wie Ochsenauge, Schachbrettfalter, Admiral, Tagpfauenauge, Zitronenfalter, um
nur einige zu nennen.

Die Bezeichnung „Schmetterling“ kommt übrigens aus dem 16. Jahrhundert, sie stammt aus dem Mittelhochdeutschen und hat nichts mit wuchtigen Bewegungen oder lauten Geräuschen (im Sinne von „schmettern“) zu tun. Das wäre ja auch ziemlich unpassend für solch ein graziles Geschöpf. Damals ließ man den Sauerrahm offen in der Stube stehen. Der Geruch des „Schmetten“, wie der Rahm genannt wurde, lockte einige Arten der Insekten an. So erhielt der Schmetterling seinen deutschen Namen. Auch die englische
Bezeichnung „Butterfly“ (Butterfliege) ist auf diesen Ursprung zurückzuführen.

Doch wie alle Insektenarten ist auch der Schmetterling nicht mehr so häufig anzutreffen. Die Artenvielfalt – auch bei uns im Sauerland – sei stark zurückgegangen, weiß der Insektenschutzbeauftragte des Hochsauerlandkreises, Wolfgang Jenke, und stützt sich dabei auf die Krefelder Studie, eine Langzeitstudie, die man über einen Zeitraum von 25 Jahren an 63 Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz durchgeführt hat. Man kam hier zu erschreckenden Ergebnissen mit alarmierenden Zahlen in Bezug auf den Rückgang der Insektenbestände. Der Entomologische Verein Krefeld hatte zwischen 1989 und 2014 fliegende Insekten gesammelt und gewogen. An zwei Standorten stellten die Insektenforscher einen Rückgang von bis zu 80 Prozent der Insektenmasse fest. Besonders stark war der Rückgang bei den Faltern.

„Ein Grund für diese Entwicklung ist wohl in unserer Agrarpolitik zu finden“, so Jenke. Überdüngte Wiesen, die Dezimierung von Wildpflanzen, Monokulturen und der Einsatz von Spritzmitteln machen den Insekten das Leben schwer. „Dabei muss man sich bewusst machen, dass all diese Maßnahmen Fernwirkung zeigen und mittlerweile auch in Naturschutzgebieten Folgen haben“, so der Fachmann. Aber auch in Privatgärten werde „fleißig weggespritzt“! 40 Tonnen glyphosathaltige Spritzmittel kauften die Deutschen im letzten Jahr zu diesem Zweck. „Ein absolutes No-Go“, kritisiert Jenke. Ebenso haben der zunehmende Verkehr und der Zuwachs an Lichtquellen einen nicht zu vernachlässigenden Anteil am Sterben der Falter. Sie werden vom Licht angezogen und flattern unaufhörlich auf die Lichtquelle zu, bis sie völlig erschöpft zu Boden fallen.

Allerdings stellt Wolfgang Jenke in seiner Funktion als Insektenschutzbeauftragter auch eine zunehmende Sensibilisierung innerhalb der Bevölkerung fest. „Immer öfter werde ich gerufen, um Wespennester zu beseitigen.“ Früher hätten viele Gartenbesitzer die Tiere einfach getötet. Heute sei immer mehr Menschen bewusst, welchen Schaden sie damit der Natur zufügen. Wenn sich Wolfgang Jenke der Wespen annimmt, siedelt er die Tiere in andere Gebiete um, so dass sie für Menschen ungefährlich sind.

Insekten sind wichtig für die Bestäubung unserer Pflanzen. Der Schmetterling, der einen langen Saugrüssel besitzt, ist bestens ausgestattet für Pflanzen, die für kleinere Insekten nichts oder nur wenig zu bieten haben: Disteln, Alant, Phlox, Sommerflieder, Bartnelken. „Alle diese Pflanzen sollten wir den Schmetterlingen in unserem Garten anbieten“, rät Wolfgang Jenke und mahnt, dabei auch an die Nachtfalter zu denken. Diese mögen Pflanzen wie das Geißblatt, das zum Abend hin mit betörendem Duft auf sich aufmerksam macht. So kann jeder einen kleinen, aber entscheidenden Beitrag zum Wohle eines funktionierenden Ökosystems leisten.