Zusammenspiel von Technik und Natur

(v.l.) Pradeep Punniyakotti, Prof. Dr. Mark Schülke, Annika Schmid, Ulrich Schlattmann und Maximilian Langer arbeiten im Labor mit Hochdruck an den Vorlagen für die Stationen. Foto: FH/Pösentrup

Bionik-Pfad von Fachhochschule und Zweckverband Naturpark Diemelsee

Soest. Blätter, von denen Regentropfen nahezu rückstandslos abperlen, Pflanzen, die wie Klett fest aneinanderhaften – die Natur ist eine unerschöpfliche Schatzkammer verblüffender Phänomene und zugleich Vorbild für technische Raffinesse, die sich in Gegenständen des Alltags vielfach wiederfindet. Die Adaption dieser „grünen Tricks“ liegt auch einem Projekt von Fachhochschule Südwestfalen in Soest und Zweckverband Naturpark Diemelsee zugrunde. Gemeinsam schaffen die Partner einen öffentlichen Bionik-Lehrpfad in Marsberg-Giershagen.

Mit ihrem Beitrag „Grüne Tricks – Lernen von der Natur“ haben Fachhochschule und Zweckverband am landesweiten Wettbewerb „Schätze der Natur“ des nordrheinwestfälischen Umweltministeriums teilgenommen. Das Projekt wird im Rahmen des Landeswettbewerbs durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen mit 70.000 Euro gefördert. Ziel des Pfades ist es, das Zusammenspiel von Technik und Natur anhand von Stationen auf 4,8 Kilometer Wegstrecke zum Anfassen und Ausprobieren zu veranschaulichen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Mark Schülke entwickelten Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter nach dem Vorbild der Natur Ideen für die Stationen. Jetzt sind sie dabei, diese handwerklich umzusetzen. „Neben dem wissenschaftlichen Know-How finden wir an der Fachhochschule viel Sachverstand für alle Disziplinen versammelt“, so Dieter Pollack, Geschäftsführer des Zweckverbandes.

Mit im Labor gefertigten Blättern aus Aluminium-Blech wird demnächst der Lotoseffekt nachgestellt. Anhand von klangmuschelartigen Skulpturen aus glasfaserverstärktem Kunststoff können Besucher künftig das Richtungshören – die Fähigkeit, die räumliche Herkunft akustischer Signale zu erkennen – wahrnehmen. Dabei ist nicht nur die handwerkliche Umsetzung der natürlichen Phänomene eine Herausforderung. „Die Stationen sollen so angelegt sein, dass sie Wetter und anderen äußeren Einflüssen standhalten. Außerdem müssen die Exponate natürlich – ähnlich wie Kinderspielplätze – sicherheitstechnischen Anforderungen genügen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Thema Barrierefreiheit. Die Stationen sollen auch Menschen mit Behinderung weitestgehend zugänglich gemacht werden, deshalb haben wir ein umfassendes Konzept zur Barrierefreiheit ausgearbeitet“, erklärt Prof. Schülke. In Sachen Sicherheit zählt das Team auf die sachkundige Beratung von Mitarbeitern des DEKRA e.V. In Sachen Barrierefreiheit stehen Guido Frank (freiheitswerke – Berater für Barrierefreiheit), Kathrin Risthaus (Verband Deutscher Naturparke e.V.) sowie der Behindertenbeauftragte der Stadt Marsberg, Andreas Klauke und Heinz Ahrenhövel (Behindertenbeirat Hochsauerlandkreis), beratend zur Seite. Für alle Beteiligten absolutes Neuland, denn, „es gibt keine nutzbare Vorlage, es hat meines Wissens noch keinen Bionik-Lehrpfad dieser Art gegeben“, so Prof. Schülke.

Das Projekt ist interdisziplinär angelegt. Maschinenbau-Studenten sind bei der technischen und handwerklichen Umsetzung gefragt. Im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit entwirft Design- und Projektmanagement-Studentin Annika Schmid das Design für Flyer, Hinweistafeln und weitere Medien. Ein weiterer dpm-Student entwickelt das Konzept für eine Smartphone-App, die es u.a. Besuchern mit Sehbehinderung ermöglicht, den Pfad über einen Audio-Guide zu erleben. Außerdem informieren eine Website, allgemeine Übersichtstafeln sowie Tafeln an den Stationen über Wegverlauf und Wegbeschaffenheit bzw. geben Sachinformationen, sodass die einzelnen Stationen im Sinne der Barrierefreiheit von möglichst vielen Menschen genutzt werden können. Nach der konzeptionellen Phase werden die Stationen in Marsberg-Giershagen aufgebaut. Der Bionik-Lehrpfad öffnet voraussichtlich im Frühjahr 2019.

Die Simulation zeigt, wie die Station zum Thema „Richtungshören“ später aussehen wird. Abb.: FH/Schlattmann
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