Wo die Zeit stillsteht: Café Zeit am Wasserrad in der alten Göddeken Mühle

Foto: Café Zeit am Wasserrad
Foto: Café Zeit am Wasserrad

von Sonja Nürnberger

Antike Porzellankannen, eine Nähmaschine, ein Puppenwagen mit alten Teddybären darin – im Café Zeit gibt es in jeder Ecke und jedem Winkel etwas zu entdecken. Es scheint, als wäre die Zeit in der alten Mühle schon vor vielen Jahren angehalten worden.

Anita Eichmann zog 2011 mit ihrem Mann und ihren drei Kindern von Augsburg ins Sauerland, um sich dort einen Traum zu verwirklichen: ein eigenes Café in einer Mühle. Nach längerem Umbau war es 2015 soweit und das Café konnte eröffnet werden. Abgelegen, mitten in der Natur, bietet es den Gästen idyllische Ruhe und einen Panoramablick auf Schmallenberg.

„Inzwischen kommen auch Gäste von weiter her, die von der Mühle gehört haben. Es ist ein Geheimtipp, weil ich auch keine Werbung mache. Ich sage immer: Man findet mich“, erzählt Anita Eichmann. „Wenn sich die Gäste dann freuen, merke ich, dass mein Traum Wirklichkeit geworden ist. Manchmal ist es so einfach, glücklich zu sein.“

Zu Anita Eichmanns Traum gehört jedoch noch eine andere Leidenschaft: die Liebe zu allem, was alt ist. Und das ist im Café Zeit nicht zu übersehen. „Ich bin früher viel bei meiner Großmutter gewesen. Sie hatte einen sehr alten Bauernhof und ich habe schon damals immer davon geträumt, mich mit all diesen alten Dingen zu umgeben. Schon mit 14 oder 15 Jahren habe ich angefangen zu sammeln. Über die Jahrzehnte hat sich so viel angehäuft, dass ich bis auf die Bestuhlung das komplette Inventar schon besaß.“ Fast wie ein kleines Museum wirkt das Café, und die Gäste schwelgen gerne in Erinnerungen an ihre eigene Kindheit, wenn sie zu Besuch sind.

Aber nicht nur die Dekoration ist liebevoll hergerichtet, sondern auch Speisen und Getränke. „Ich benutze ausgefallene Gefäße. Eisbecher serviere ich unwahrscheinlich gerne in Bierkrügen. Es ist natürlich dasselbe drin wie in einem Eisbecher, aber der Effekt ist einfach ein anderer.“

Auch einfache Kuchen wie die von Oma, hauptsächlich Blechkuchen ohne viel Geschnörkel, stehen auf der Speisekarte. Aber Anita Eichmanns Spezialität ist etwas anderes: „Meine Windbeutel gibt es mit Erdbeeren, Sahne, Eierlikör oder mit Vanilleeis. Es macht wahnsinnig Spaß, sie zu backen, keiner schaut aus wie der andere.“ Anita Eichmann ist es nicht wichtig, eine riesige Auswahl zu bieten, sondern vor allem, dass alles handgemacht ist. Sie nimmt sich Zeit für die Speisen und für ihre Gäste. „Sich Zeit nehmen, das ist heutzutage besonders wichtig. Niemand scheint mehr Zeit für irgendetwas zu haben. Aber hier sitzen die Leute manchmal sehr lange und genießen die Ruhe.“