Die Meisenburg: Ein Zauberbegriff, egal ob Wolle oder Kunst entsteht!

Foto: Heidi Bücker
Foto: Heidi Bücker

Der andere Standort bietet der Jugendkunstschule völlig neue Möglichkeiten

Von Ursula Wiethoff-Hüning

Glücklich und erleichtert nach wochenlanger intensiver Renovierungs- und Umzugsarbeit erzählen Christiane Kellersmann vom Kunsthaus Alte Mühle Schmallenberg und Beate Herrmann, Leiterin der dem Kunsthaus angegliederten Jugendkunstschule, im Gespräch mit WOLL vom Umzug der Jugendkunstschule in die Meisenburg, von den Anfängen ihrer gemeinsamen Arbeit und den heutigen Möglichkeiten.

Als sich die Jugendkunstschule, die seit 2011 im Falke-Haus „Villa Stern“ in der Ohlgasse ansässig ist, wegen Eigenbedarf räumlich verändern muss, suchen Christiane Kellersmann und Beate Herrmann nach neuen Räumlichkeiten und werden von Paul Falke auf die Meisenburg aufmerksam gemacht. Hierbei handelt es sich um ein bis zum letzten Jahr noch betrieblich fremdgenutztes Verwaltungsgebäude (ursprünglich bis 1918 Woll- und Haargarnspinnerei Carl Meisenburg), allen bekannt durch den Schornstein, den man schon von weitem linksseitig sieht, wenn man von Gleidorf kommend nach Schmallenberg fährt.

Die Entscheidung ist schnell getroffen

Nach anfänglichen Bedenken erkennt Beate Herrmann bald die Potentiale des Ortes, die Freiheit, die die Meisenburg durch ihre Lage bietet und die das Angebot erweitern kann. In Gedanken entstehen neue Raumkonzepte und die Entscheidung ist schnell getroffen: Die Jugendkunstschule wird an einen neuen, geschichtsträchtigen und individuellen Standort ziehen, in die Meisenburg. „Ich finde es schon faszinierend, dass die Historie von Falke hier im Gebäude steckt. Und letztendlich ist es doch egal, ob hier Wolle oder Kunst entsteht.“

Von den Schmallenbergern kommt viel Zuspruch: „Ihr zieht in die Meisenburg, wie toll!“ Beate Herrmann berichtet davon, dass viele Leute Visionen haben, wenn es um diesen Ort geht, viele Ideen, wie man das Programm in Zukunft noch erweitern kann.

Sehr viel ehrenamtliche Eigenleistung

Doch zunächst einmal steht die notwendige Renovierung des ehemaligen Verwaltungstraktes an. Durch großzügige Spenden und das große finanzielle Engagement der Firma Falke ist es möglich, dass die Renovierung von heimischen Handwerkern durchgeführt wird, darüber hinaus geschieht sie zu einem sehr großen Teil in ehrenamtlicher Eigenleistung!

Großzügige Räumlichkeiten

So entstehen völlig neue Raumkonzepte: Ein mit natürlichem Lichteinfall und Tageslichtleuchten ausgestattetes Atelier, ein Werkraum mit viel Regalplatz für unterschiedliche, phantasievoll gesammelte Materialien, mit hängenden Steckdosenwürfeln bestückt, ein eigener Raum für die Bildhauerklasse, ein großzügiger, heller Büroraum, eine für eine große Gruppe angelegte Küche, in der mit den Kindern und Jugendlichen Gemeinschaft gelebt werden kann. Für die Filmklasse gibt es nun einen eigenen Schnittraum mit zwei über Spenden finanzierten Schnittplätzen und dementsprechenden Arbeitsprogrammen. Auch kann mit gespendeten Büromöbeln ein Besprechungsraum eingerichtet werden. Ferner verfügt die Jugendkunstschule nun über einen sehr großen, hellen Raum, in dem Filme gezeigt werden, Lesungen stattfinden können, getanzt oder wie zum Beispiel während der Textile mit dem Berliner Künstler Martin Henkel ein „Zentrum für Budenbau“ eingerichtet werden kann.

Eine außergewöhnliche Atmosphäre erfüllt die Jugendkunstschule an diesem besonderen
Ort der Meisenburg, „als sei diese aus dem Dornröschenschlaf erwacht“, formuliert es Beate Herrmann und ist begeistert. Welch große Bereicherung ist dieser Umzug für die Jugendkunstschule, die das Angebot nun problemlos erweitern und in der nun auch viel parallel gearbeitet werden kann!

Künstlerpersönlichkeiten aus der Region

Generell werden in der Jugendkunstschule wöchentlich durchlaufende Kurse sowie Projekte an den Wochenenden und in den Ferien angeboten. Zudem findet Kunstvermittlung in Form von Führungen und Arbeiten während aktueller Ausstellungen im Kunsthaus statt. Auch die Gestaltung von Kindergeburtstagen übernimmt die Jugendkunstschule und kann diese in der Meisenburg nun auch parallel zu laufenden Kursen ausrichten. Ein Dozentenstamm von mittlerweile 20 Künstlern ist in der Jugendkunstschule im Einsatz. Herrmann berichtet: „Wir haben Künstlerpersönlichkeiten aus der Region, einen Fotografen aus Neheim, eine Bildhauerin aus Arnsberg, eine Schneidermeisterin aus Kirchhundem etc. Alle begeistern sich für ihr Fach und mögen Kinder, bringen pädagogisches Verständnis mit und das große Bedürfnis, gemeinsam miteinander Kunst zu schaffen.“

Hier sind offene, engagierte und mutige Leute

Beate Herrmann hat zu dieser Entwicklung der Jugendkunstschule maßgeblich beigetragen. Sie leitet diese, seit 2005 die Idee vom Freundeskreis Kunsthaus Alte Mühle entstand, junge Leute einzubeziehen, um nachhaltig zu arbeiten und eine Zukunftsperspektive aufzubauen. Beate Herrmann, aus dem Raum Lennestadt kommend, pendelte zu dieser Zeit noch täglich zur Jugendkunstschule nach Köln. Sie erinnert sich: „Mein Wunsch war es immer, diese Arbeit von der Stadt aufs Land zu übertragen, aber es war nicht etabliert. Zwar war ich auch schon vorher im Kinderatelier Südsauerland tätig und bin Mitglied im Künstlerbund Südsauerland, aber ich konnte beruflich nicht Fuß fassen. Als ich von Christiane Kellersmann gefragt wurde, ob ich mitwirken möchte, habe ich gerne zugesagt. Hier sind offene, engagierte und mutige Leute im Verein, um etwas Neues wagen zu können, eine Jugendkunstschule ins Leben zu rufen, eine professionelle Einrichtung. Das war reinste Pionierarbeit, die hier geleistet worden ist!“

Zunächst kamen die Kinder ins Kunsthaus in die laufenden Ausstellungen. „Die Kinder
haben an diesem wunderbaren Ort gearbeitet, während der Ausstellungen zum Beispiel des Bildhauers Heinrich Brummack (Goldener Hase) 2004, Ansgar Nierhoffs 2008 oder Gordon Browns 2014. Es gibt nichts Schöneres, als zwischen den Originalen Neues zu schaffen.“ Als die Kinder und Jugendlichen nach diesem Einstieg ins künstlerische Schaffen weiterarbeiten wollten, bestand im Kunsthaus zunächst keine Möglichkeit. Ab 2011, dem Gründungsjahr der Jugendkunstschule, konnte das Kunsthaus dann für die Arbeit mit den jungen Leuten die Räumlichkeiten in der Villa Stern mitnutzen. Christiane Kellersmann: „Das Haus war wunderbar, die Nähe zum Kunsthaus eignete sich hervorragend für die Besuche der Ausstellungen und die anschließende kreative Arbeit im Atelier der Jugendkunstschule. In der Rückschau merkt man aber auch: Die Villa Stern war räumlich begrenzt. In der Meisenburg haben wir natürlich ganz andere Möglichkeiten.“

2.000 Kinder und Jugendliche jährlich

Längst ist die Jugendkunstschule als solche anerkannt und wird von Stadt und Land gefördert, weil sie weit mehr als Mindeststandards bietet. „Jugendkunstschule“ ist eine Marke. 2.000 Kinder und Jugendliche kommen jährlich, um künstlerisch in vielfältiger Weise tätig zu sein. „Wir sind keinem akademischen Gedanken verpflichtet. Ziel ist die kulturelle Teilhabe aller Kinder. Um dieses Ziel zu erreichen, werden Fördermittel eingeworben von Stadt, Land, Bund und Stiftungen. Die Kurse und das Ferienprogramm tragen sich über Teilnehmergebühren. Aber wir sind viel stärker im Projektbereich aktiv, und das bedeutet immer Drittfinanzierung. Wir brauchen also jemanden, der uns dafür Geld gibt, was wiederum mit viel Aufwand verbunden ist. Ein Antrag muss gestellt werden, man muss die Idee formulieren, Ziele benennen, erklären, wie man diese erreichen möchte, mit welchen Mitteln und vieles mehr. Die Arbeit hinter den Kulissen ist immens groß!“, erklärt Beate Herrmann ihre Aufgabe als Leiterin der Jugendkunstschule. Mit genauso viel Elan kümmert sie sich um die Einteilung von Kursen und darum, motivierte Dozenten anzuwerben. Ein weiteres Ziel besteht darin, „aufsuchende Kulturarbeit“ zu betreiben und sich in den Sozialraum der Kinder und Jugendlichen zu bewegen. Dies geschieht mit Aktionen vor Ort wie zum Beispiel bei verkaufsoffenen Sonntagen oder mit dem KUMO, dem „Kunstmobil“.

Ein Glücksfall für die Region

Beate Herrmann und Christiane Kellersmann brennen für die Umsetzung innovativer Ideen für die Jugendkunstschule. Sie und viele ehrenamtliche Helfer haben in den letzten Monaten den Umzug in die Meisenburg gestemmt, ein großes Projekt, ein Glücksfall für Schmallenberg und die gesamte Region.

In die Zukunft schauend wünscht sich Beate Herrmann: „Was mir besonders wichtig ist? Das sind Menschen, die mitwirken möchten, Künstlerinnen und Künstler, die sich handwerklich oder künstlerisch mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen, weil wir den Bedarf kaum noch abdecken können!“ Die Jugendkunstschule schreibt Erfolgsgeschichte!