Die große Schanze – Steil, steiler, am steilsten: der 1. Warsteiner Mühlenkopfkraxler.

Die WOLL-Staffel: Armin Vogt, Michael Martin, Ingo Müller. Foto:sn

von Michael Martin

Ich bin echt nicht aus Zucker und habe schon manche sportliche Herausforderung gemeistert, vom Matterhorn-Marathon über den berüchtigten Hell Runner bis zum Besuch von siebzehn Schützenfesten in nur einer Saison. Als mich der WOLL-Verlag also fragte, ob ich vielleicht am 10. Juni 2018 beim 1. Warsteiner Mühlenkopfkraxler für sein Laufteam an den Start gehen würde, sagte ich gerne zu und sah keinerlei athletisches Problem. Ganz im Gegenteil: wie schwierig konnte es schon sein, eine 400 Meter lange Schanzenanlage hochzurennen?

Und dann stand ich am 7. Juni 2018 das erste Mal persönlich am Auslauf der Mühlenkopfschanze in Willingen und spürte, wie meine Kinnlade ganz langsam nach unten klappte. Boah, ej! Die größte Großschanze der Welt. 35% Steigung, volle Kanne vertikal. Welche Bekloppten würden denn um Himmels Willen dieses Monster hochrennen wollen und auch noch Spaß an so was haben? Unglaublich viele, wie ich auf dem Weg zur Startnummernausgabe feststellte. Im Entertainmentbereich bereitete sich ein überaus buntes Völkchen darauf vor, in den Steilgang zu schalten. Durchtrainierte Kerle in hautenger Funktionskleidung, wohlbeleibte Männer in Schottenröcken, Ladies in Pink, kichernde Girls, ein Eisbär (!) und alte Säcke wie ich: eine waschechte Jedermann-Veranstaltung. Mitten im Trubel warteten schon meine WOLL-Staffelpartner, Ingo Müller aus Korbach und Armin Vogt aus Schmallenberg. Ich stamme aus Werdohl, so waren in unserem interregionalen Team gleich drei Sauerländer Kreise vertreten.

Foto: sn

Wir wurden der zweiten Startgruppe zugelost. Nach einer gemeinsamen Schanzenbegehung, die schon nach der Hälfte der steilen Strecke eher zur Bekrabbelung wurde, legten wir die Startreihenfolge und unsere Taktik fest. Ich sollte das flache erste Drittel übernehmen und die Konkurrenz durch kluge Zurückhaltung und gemächliches Tempo verwirren. Anschließend Stabübergabe an den durchtrainierten Feuerwehrmann Ingo, der dank seiner Erfahrung mit langen Leitern die Idealbesetzung für den ultrasteilen Mittelteil der Strecke war und schon vor Ehrgeiz brannte. Das letzte Steilstück, das auf Holzbrettern direkt zur Spitze des Sprungturms führte, würde Armin hochkraxeln, unsere Mennekes Power Connection.

Peng! Schon fiel der Startschuss für den ersten Staffellauf. Nach wenigen Minuten waren die Läufer bereits in der Mitte des Hanges angekommen und sahen von Weitem aus, wie bunte Ameisen. Langsame bunte Ameisen, die in der muckeligen Mittagsonne ihre letzten Energiereserven in reinstes Laktat umwandelten. Nichts für Weicheier oder Beckenrandschwimmer! Auf einem Großbildschirm konnte man den Zieleinlauf live mitverfolgen und digital miterleben, wie die Schlussläufer die Zähne zusammenbissen und auf den letzten Metern wirklich alles gaben. Dann waren wir an der Reihe. Peng! Nach kurzem Sprint und lautem Hecheln gelungene Staffelübergabe an Ingo. Der machte seinem Beruf alle Ehre, ging ab wie die Feuerwehr und stürmte auf Platz zwei vor. Von unten sah ich, wie er Armin auf die Schlussetappe schickte. Das sah verdammt gut aus. Armin schaltete den Turbo ein und wurde auf den letzten Metern nur noch von zwei Konkurrenten überholt. Platz 4! Am Schluss belegte das WOLL-Team den achten Platz der Staffelwertung. Eigentlich war ich auch noch für den Einzelwettbewerb gemeldet, doch als höflicher Gast sah ich mich gegenüber dem Sponsor in der Pflicht und entschied für ein kühles Pils im Schatten statt für den Lauf in der Hitze – auch wenn es mir echt schwer fiel. Außerdem duftete die Bratwurst vom Grillwagen schon so lecker. Ingo ließ es aber noch einmal richtig krachen und wurde, trotz Staffellauf in den Beinen, stolzer Sechster im Einzelrennen. Ein echter Sauerländer halt, woll.

Benjamin Payer von Warsteiner und WOLL-Autor Michael Martin. Foto: sn

Insgesamt eine Top-Veranstaltung mit hohem Spaßcharakter und dazu noch perfekt organisiert. Deshalb das Gesamturteil „sehr gut“ von mir und der Stiftung Wadentest. Ich drücke dem Skiverein Willingen die Daumen, dass nächstes Jahr noch mehr verrückte Sauerländer beim Mühlenkopfkraxler mitmachen und ihre große Schanze nutzen.